Die Zukunft der Platte: Wettbewerb für die Gestaltung startete

Gerhard Mercator

Gerhard Mercator (Photo credit: Wikipedia)

Ein Text hat im Journalismus eine klare Funktion. Zuerst kommen die wichtigen Bestandteile der Nachricht für den Fall, dass man kürzen muss. Dann kann man mehr und mehr ins Detail und zum Schluss könnte eventuell noch ein kleiner Infokasten erscheinen mit weiterführenden Wegweisungen. Was die WAZ natürlich bestens beherrscht. Dinge wie die Kosten für die künstlerische Gestaltung der Bahnhofsplatte sind natürlich so unbedeutend, die kann man ganz unten im Artikel verstecken. Das kann schon zu einem leichtem Grollen führen, ebenso zu einer leichten Verstimmung, wenn ein paar Dinge nicht erwähnt werden die im Ausschreibungstext – PDF-Link – eigentlich drinstehen und wichtig gewesen wären. Schließlich lag der Text offenbar der WAZ ja vor…

Mercator als Leitwert

Mit keinem Wort erwähnt die WAZ, wie genau sich die Macher denn ihr Konzept vorstellen oder was sie planen – was allerdings auch für den interessierten Bürger von Wichtigkeit ist. Die Idee sieht laut Text so aus: „Eine der Identität stiftenden Grundgedanken des Platzes ist eine künstlerische Interpretation basierend auf den kartographischen Ideen Gerhard Mercators, die sich heute in der sogenannten „Mercatorprojektion“ wiederfinden lassen und die moderne Technologien, wie z.B. Navigationssysteme, mit beeinflusst haben. Die zentralen geometrischen Formen der „Loxodrome“, vereinfacht „geschwungene, gekrümmte Linien“, wurden als Inspirationsquelle und als Leitthema der künstlerischen Bearbeitung von Oberflächen oder Ausstat- tungselementen des Platzes sowie für den Kunstwettbewerb vorgeschlagen. Ziel dieses Wettbewerbes soll es sein, die Möglichkeit einer „loxodromatischen Kunstinszenierung“ auszuloten.“ Gerhard Mercator ist also das Leitbild, das für den Wettbewerb vorgesehen ist und es geht in erster Linie um Linien.

Für die Inszenierung der Kunst sieht man wie im Charette-Verfahren ermittelt zwei Plätze vor: Einmal direkt in Anbindung an den noch kommenden Friedrich-Wilhelm-Boulevard vor dem Bahnhof – als Repräsentationspunkt – und einmal direkt auf dem Platz, allerdings so dass die kommenden Elemente nicht gestört werden. Das führt laut Entwurfszeichnung zu einem etwas mittigem Platz für die Kunstwerke. Genaue Regeln für den ersten Standort hat man nicht festgelegt, aber dafür war man für den Platz selbst um so exakter:

Neben den aufgestellten Kunstparametern (siehe Punkt 4.1) ist hier eine Kunstin- szenierung zu entwickeln, die diesen Bereich neben einem temporären Veranstal- tungsbereich, den mobilen Stühlen, den Magnolien und weiterer Platzelemente, wie eine lange Bank, ein Wasserdüsenfeld, nicht überfrachtet und sich vor allem in den gestalterisch (SIC) Platz einfügt und nicht störend einwirkt. Vorstellbar sind künstlerische kleine Zitate, Intarsien o.Ä. eines Oberthemas für den Platz.

Eine Kunst, die nicht störend auf den Platz einwirkt und mit Intarsien und kleinen Zitaten arbeitet – schimmert da etwa ein Kunstverständnis durch, das Kunst als „schön, aber nicht weiter von Bedeutung für den Platz“ definiert? Die Frage darf man sich selbst gerne mal beantworten. In einer stillen Stunde. Wichtig ist: Die beiden Plätze sollen durch eine einheitliche Kunstsprache miteinander verbunden werden und es soll auf die baulichen Vorgaben – Materialien, Farben – Bezug genommen werden oder zumindest diese bedacht werden. Desweiteren wird betont, man wolle eine neue Identität für Duisburg schaffen. Und nicht Gerhard Mercator nachbauen: „Bei der künstlerischen Vertiefung steht nicht die Re-Inszenierung von Gerhard Mercator als historische Persönlichkeit im Vordergrund, sondern das Aufgreifen neuer Ideen, um die Identität Duisburg neu zu interpretieren.“ Dafür hat man dann zwei Monate Zeit als Künstler. Also um die Ideen zu entwickeln für das neue Duisburg. Oder so. Ob das reicht um Duisburg eine neue Identität zu verpassen wenn es der Duisburg Marketing die letzten Jahre nicht gelungen ist?

Keine Lichtelemente, WAZ?

Was die Meldung, dass keine Lichtelemente benutzt werden dürfen anbelangt: Das stimmt nicht so ganz. Denn für den ersten Platz vor dem Hauptbahnhof gelten „keine statischen Belastungsgrenzwerte“. Ein neuer Koloss von Rhodos? Kein Problem an dieser Stelle. Für die Kunst direkt auf dem Platz dagegen schon, das ist aber auch nachvollziehbar: “ (…) ist aus statischen Gründen mit einer maximalen Flächenlast von 5 kN/qm belastbar. Der Einbau von weiteren Licht- und Wasserelementen ist im Bereich B nicht gewünscht, da die notwendige Überdeckungshöhe für technische Einbauten nicht gegeben ist.“ Einbrechen sollte man an der Stelle nun wirklich nicht.  Und die Kosten – die zugegeben an dieser Stelle des Artikels zuletzt kommen, da er sich systematisch durch den Text gearbeitet hat:

Die Gesamtkosten zur Realisierung der künstlerischen Bespielung des Platzes sind mit 275.000,- EUR (brutto) kalkuliert. Hierin enthalten sind die Honorar-, Objekt- und Materialkosten sowie die Herstellungskosten für beide Kunstinszenierungen. Die Kosten für den Wettbewerb sind nicht enthalten.

Jetzt hört sich die Summe erstmal gigantisch an – und es gibt Kommentatoren bei der WAZ, die schon meckerten man hätte das Geld besser anders anlegen sollen. Aber so viel ist das nicht. Denn die ganze Summe enthält die Material- und die Objektkosten. Sprich: Das Arbeitsmaterial, das der Künstler für die Kunst braucht. Da man hier mit Kunst im öffentlichen Raum agiert dürften Materialien eher in den Bereich von Stahl, Glas, Bronze, vielleicht Beton – kurz witterungsbeständigen Stoffen tendieren. Das wird schon mal ein dicker Batzen sein, den der Künstler abrechnen muss. Ebenfalls darf er dann die Objektkosten abziehen bevor er sich dann ein Honorar auszahlen darf. Noch mal zum Mitschreiben: Der Künstler bekommt kein Extra-Honorar sondern das ist alles mit der Arbeitszeit und den Materialkosten in einem Topf drin. Das ist dann auch noch brutto kalkuliert. Haben wir ein Glück, dass die Kosten für den Wettbewerb da nicht drin enthalten sind. Aber es kommt noch was dazu: 3500 Euro als Aufwandsentschädigung, denn es werden Modelle gebaut werden müssen, Pläne entwickelt, Unterlagen erstellt werden. Und: Es sind ZWEI Kunstinszenierungen vorgesehen. Vermutlich einmal was Großes und dann halt diese Intarsien und kleinen Schmuckstücke, die halt nicht so viel wiegen dürfen. Das erklärt zwar die obige Einschränkung, aber die Formulierung lässt dennoch eher auf „Kunst ja, aber bitte nicht stören“ schließen. Zudem: Die Stadt behält sich vor, den Entwurf dann auch nicht zu verwirklichen.

Was kommt also auf Duisburg zu?

Vermutlich das, was schon angedeutet wurde: Auf der einen Fläche wird man wohl etwas Größeres aufbauen – irgendwas Rundes vermutlich oder was diese Linienvorgabe aufgreift. Da das die Repräsentationsfläche ist würde das natürlich zum demnächst irgendwann neu gestalteten Boulevard Wilhelm passen. Auf dem Platz selbst wird man dann vermutlich eher kleinere Werke zu sehen bekomme. Vielleicht integriert in die Parkbänke, spielerisch vor den Magnolien oder heiter strahlend auf dem Beton selbst. Natürlich nicht störend, so wie die Magnolien ja auch nicht stören und man nicht darüber nachdenkt warum da eigentlich wie viele rumstehen. Das Ganze wird dann optimistisch gesehen – man kennt ja die Präzision und Schnelligkeit der Baustellen hierzulande – 2016 oder 2017 eingeweiht.

Bleibt noch die Frage: Wer ist eigentlich in dieser Jury, die das Ganze beurteilen wird? Bitte:

  • Frauke Burgdorff, Vorstand Montag Stiftung Urbane Räume, Bonn (1. Vorsitzende) – noch nicht bestätigt –
  • Georg Elben, Direktor des Skulpturenmuseums Glaskasten, Marl (2. Vorsitzender) – noch nicht bestätigt –
  • Vertreter Dez. III (BG Krützberg)
  • Vertreter Dez. V (BG Tum)
  • Vertreter Dez. VI (BG Krumpholz)
  • Vertreter Beirat für Stadtgestaltung
  • Vertreter Bürgerstiftung Duisburg
  • Vertreter Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum (Frau Dr. Dinkla)
  • Vertreter DKM (in Vertr. Herr Maas)
  • Vertreter Politik (OB/ Bürgermeister)
  • Julia Voss, Redakteurin FAZ (Feuilleton), Frankfurt – noch nichtbestätigt

Hoffen wir mal, dass die etwas innovativeren Juroren sich in der Jury durchsetzen – zudem wäre es ein nettes Zeichen gewesen auch Künstler der freien Szene zumindest mit einzubeziehen, der Wettbewerb ist ja für alle offen. Und es verwundert, dass offenbar trotz längerer Vorbereitung drei Externe angefragt aber noch nicht bestätigt sind. Immerhin: Das DKM ist mit an Bord und bestätigt. Momentan wenigstens eine sicher gesetzte Institution, die hoffen lässt.

 

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