Demonstrationen für freies Cannabis in NRW

Der Ruf nach der Legalisierung von Cannabis wird deutschlandweit immer vehementer. Besonders laut erschallte er am vergangenen Wochenende, als sich zum wiederholten Male Hanfbefürworter in mehreren Großstädten Deutschlands zum Global Marijuana March versammelten.

In Dortmund, Köln, Wuppertal und anderen Städten taten sich mehrere hundert Cannabis-Anhänger zusammen, um für eine liberalere Politik im Umgang mit Cannabis zu demonstrieren. Der Global Marijuana March wurde 1999 in den USA ins Leben gerufen. Die Veranstaltung verfolgt das Ziel der Legalisierung des pflanzlichen Rauschmittels und findet alljährlich am ersten Wochenende im Mai statt. Die Teilnehmer können sich an Infoständen und bei Kundgebungen informieren, bei Protestmärschen ihre Meinung demonstrieren und auf Konzerten oder Raves feiern. Dortmund und Köln nahmen bereits letztes Jahr teil, für Wuppertal war es 2014 eine Premiere. Es geht bei dem Global Marijuana March aber nicht nur um die Legalisierung von Cannabis. Vielmehr möchte sich die Cannabis-Society als eigene Subkultur verstanden wissen, für deren Lebensstil sich die Konsumenten ganz bewusst entscheiden. Es sind bei den Demonstrationen aber auch Nicht-Konsumenten willkommen, die mit der Legalisierung sympathisieren.

grüne Medizin @ Kokopelli_pixelio.de

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Politisch sind es in NRW vor allem die Piratenpartei und die Grünen, die sich für die Legalisierung von Cannabis stark machen. Aber auch von der Seite der Justiz kommt Unterstützung. 24 Rechtsanwälte und Strafrechtsprofessoren der Universitäten in Bochum, Bonn, Köln und Hagen haben eine von Professor Lorenz Böllinger ins Leben gerufene Resolution unterzeichnet, die ein Nachdenken der Regierung über die repressive Drogenpolitik, die derzeit in Deutschland vertreten wird, fordert. Laut dieser Resolution hat die strafrechtliche Drogenprohibition ihre Wirksamkeit verfehlt und den Konsum von Drogen nicht im Wesentlichen eingeschränkt, sondern nur einen Schwarzmarkt begünstigt und hohe Kosten für die Strafverfolgung verursacht. Es geht den Juristen nicht um eine generelle Legalisierung von Drogen, sondern eher um einen Denkanstoß über Konzepte, die einen kontrollierteren Umgang damit ermöglichen.

Anregungen könnte man sich beispielsweise in den Niederlanden holen. Dort ist Marihuana nicht wirklich legal, wird aber im Rahmen der sogenannten Coffeeshops toleriert. Drumherum hat sich eine kleine Industrie gebildet, die genau jene Subkultur pflegt, die die Anhänger des Global Marijuana March für sich auserkoren haben und die die Staatskassen mit Steuergeldern füllt. Verschiedene Shops bieten nicht nur rauchfertige Joints und andere Cannabisprodukte an, sondern auch das Saatgut, um zu Hause eigene Pflanzen ziehen zu können. Wichtig neben dem kommerziellen Aspekt ist aber auch die Informationsfunktion. Eine bekannte Plattform, die eng mit medizinischen Einrichtungen zusammenarbeitet, ist Sensiseeds.com. Neben Saatgut verschiedenster Couleur erhält der interessierte Cannabis-Freund hier auch umfangreiche Informationen zu der Nutzung und Wirkung der Pflanze. So geht mit der Möglichkeit des Konsums auch die Aufklärung einher.

Es ist wahrlich fraglich, ob solche Konzepte auch in Deutschland funktionieren könnten. Zum aktuellen Zeitpunkt scheinen die Ablehnung und die Furcht vor einem unkontrollierbaren Konsum noch zu groß zu sein. Mit der wachsenden Anzahl an Legalisierungsstimmen wird aber zumindest eine Annäherung der Befürworter- und Gegnerparteien in Grundsatzfragen wie dem Umgang mit medizinischem Cannabis immer wahrscheinlicher.

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