Nachwuchs im Blickpunkt: Raphael Steinmetz der „Malocher“ wechselt zum SC Rot Weiß Oberhausen

Foto: RWO-Pressemeldung

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Wer sich im Kreis Duisburg/Oberhausen und Mülheim an der Ruhr in Puncto Jugendfußball auskennt und auch im Amateurbereich Landesliga unterwegs ist, wird ihn sicherlich kennen. Raphael Steinmetz. Der Junge mit den leicht rötlichen Haaren wird oft mit Spitznamen nur „Rapha“ gerufen. Steinmetz ist ein Beispiel dafür, dass man mit viel Arbeit und Geduld auch ohne Junioren-Bundesliga den Sprung in die Regionalliga schaffen kann. Wer sich die Visitenkarten der Regionalligaspieler anschaut, wird schnell erkennen, dass nur ein kleiner prozentualer Teil der Aktiven Kicker dort nicht in den Junioren-Bundesligen aktiv war.

Rot Weiß Oberhausen ist aktuell in der Regionalliga am Start. Der ehemalige Bundesligist sicherte sich die „Dienste“ des 19 Jährigen Steinmetz.

Steinmetz ist aktuell Torschützenkönig der Landesliga. Von den Fans bzw. Zuschauern wurde er außerdem zum besten Spieler der Hinrunde gewählt.

In der Jugend kickte der 181 cm große „Rapha“ bereits bei RWO. Im Interview (siehe unten) verrät er, was ihn besonders an RWO inspiriert.

Asche war etwas Besonderes“

Steinmetz ist noch einer der Generation „Asche-Kicker“ aus dem Ruhrpott, er wird wohl einer der letzten dieser Generation sein, denn im Wandel der Zeit setzen die Vereine auch im „Pott“ immer mehr auf Kunstrasenplätze. Da werden Schlammschlachten wie auf dem roten Untergrund demnächst passe sein. „Asche war etwas Besonderes und verkörpert ein wenig die Mentalität im Ruhrpott. Ich habe sehr gerne auf diesem Untergrund gespielt, wir haben da einige Schlachten geschlagen“ so Raphael Steinmetz mit einem Lächeln gegenüber der XN-Sportredaktion.

Titel, Titel, Titel – In der Jugend wartete ein Titel nach dem anderen

Auf Kreisebene absolvierte Steinmetz eine achtungsvolle Jugendlaufbahn, denn in seinem ersten Jahr B-Jugend 2010 feierte er den Kreismeister-Titel mit der SW Alstaden und wurde mit 43. Treffern Torschützenkönig der Leistungsklasse mit beiden Titeln wurde außerdem der Aufstieg in die Niederrheinliga gefeiert.

In seiner ersten A-Jugend Spielzeit wurde Steinmetz ebenfalls mit Titeln „beworfen“, so holte das Team gemeinsam mit ihm den Stadtmeistertitel der Stadt Oberhausen 2012 und wurde Vizekreismeister, wie bereits in der B-Jugend reichten seine 25. Treffern summarisch in der gesamten Spielzeit, um sich den Titel des „Torschützenkönig“ zu sichern. Bevor der gebürtige Oberhausener bei der DJK Arminia Klosterhardt in den Seniorenbereich überging, legte er gemeinsam mit der U19-Mannschaft eine unglaubliche Spielzeit ab. Das Team zu dem auch Steinmetz gehörte und vom gleichberechtigten Trainerduo Keiser/Büns betreut wurde schaffte es Vizestadtmeister der Stadt Oberhausen zu werden, Kreispokalsieger, Kreismeister und Vizeniederrheinpokalsieger (Finale gegen Borussia Mönchengladbach).

Foto: DJK Arminia Klosterhardt

Foto: DJK Arminia Klosterhardt

Bereits in der letzten A-Jugendspielzeit wurde der leidenschaftliche Schalke 04-Anhänger des Öfteren in die Seniorenabteilung berufen, um auszuhelfen, aber auch um ihn die Perspektiven innerhalb des Vereines aufzuzeigen. Aber auch im Seniorenbereich schlug das Ausnahmetalent ein. Nämlich mit 9 Toren in der Landesliga und dem Gewinn der Hallenstadtmeisterschaft.

Bei Betrachtung dieser Daten war den Verantwortlichen mehrerer Clubs klar, dass sie Steinmetz mit aller Macht haben wollten. Die Entscheidung fiel allerdings für Rot Weiß Oberhausen, dem Club, wo er bereits als kleiner „Bube“ kicken durfte. Nun will Steinmetz ab der Saison 2014/2015 seine Fähigkeiten in der Regionalliga-Elf auf den Präsentierteller liefern.

Xtranews-Nachrichten beauftragte Sportredakteur Dustin Paczulla sich mit Steinmetz für ein Interview zu treffen. Der XN-Redaktion gab er exklusiv Einblicke in seine Gefühlswelt.

Angst vor dem großen Rampenlicht hat „Rapha“ nicht, denn beim Abschiedsspiel von Schalke-Legende Marcelo Bordon lief der damals 16-Jährige vor 40.000 Zuschauern auf und erzielte dabei gleich noch einen Treffer.

Steinmetz im Gespräch:

XN: Hallo Raphael, zunächst Danke, dass Du Zeit für ein Interview gefunden hast. In der kommenden Spielzeit spielst Du Regionalliga beim SC Rot Weiß Oberhausen, wie ist der Kontakt zustande gekommen?

Raphael Steinmetz: „Oberhausen hat sich über meinem aktuellen Trainer Michael Lorenz und unsere Vorstandsmitglieder bei mir gemeldet, so kam der Kontakt zu Stande. Für mich ist es ein kleiner Traum bei RWO in der kommenden Spielzeit gegen den Ball treten zu dürfen.“

XN: Du hast ja bereits im Juniorenbereich bei RWO gespielt, wie groß ist die Freude auf RWO?

Raphael Steinmetz: „Die Freude ist sehr groß, denn früher hat man als Balljunge davon geträumt in diesem tollen Stadion auflaufen zu dürfen und selbst mal das Trikot auf der Brust zu haben. Das ist was ganz besonderes, es war mein Traum.

XN: Du hast ja angesprochen, dass Du Fan von RWO bist. Dennoch besteht im persönlichen Bereich bei Dir eine Verbindung zu den Königsblauen aus Gelsenkirchen, nämlich dem FC Schalke 04, richtig?

Raphael Steinmetz: „Ja klar, Schalker bin ich quasi seit meiner Geburt, da meine ganze Familie mit dem S04-Syndrom identifiziert ist. Wir haben auch Dauerkarten, welche wir leider nicht immer ausnutzen können, da ich überschneidend mit deren Spiele oft selbst auf dem Platz stehe. Schalker bin ich aber schon immer.“

Raphael Steinmetz als 16 jähriger in der Veltins Arena (Heimstätte FC Schalke 04) auf dem Feld. Foto: Schalkefans.de

Raphael Steinmetz als 16 -Jähriger in der Veltins Arena (Heimstätte FC Schalke 04) auf dem Feld. Foto: Schalkefans.de

XN: Wenn wir gerade über Schalke 04 sprechen, Du hast selber in diesem tollen Stadion bereits vor zig tausenden Menschen gespielt und schon getroffen, welche Geschichte steckt dahinter?

Raphael Steinmetz: „Das ist über ein Gewinnspiel bei Reviersport.de entstanden, ich habe mich für das Abschiedsspiel von Marcelo Bordon beworben. Er hat aus 30 Spielern 2 ausgewählt. Richtig stolz war ich, als die Auswahl mich beinhaltete. Ich saß zunächst auf der Bank. Die haben mich dann gefragt, wie alt ich sei. Ich antwortete 16 und meine ganze Familie ist im Stadion. Die anderen älteren Jungs sagten dann zu dem verantwortlichen Trainerteam: Lass den Jungen spielen. So bin ich eingewechselt worden und konnte sogar einen Treffer vor über 40.000 Zuschauern erzielen.“

XN: Du hast ja den Treffer dann erzielt vor so einer Kulisse, wie fühlt sich das an?

Raphael Steinmetz: „Ich glaube ich wusste gar nicht, was los ist. Denn ich war ja erst fünf Minuten auf dem Platz.“

XN: Pflegst Du noch Kontakt zu Personen, welche Du an diesem Tag kennenlernen durftest?

Raphael Steinmetz: „Ja, ich war 2012 an Weihnachten bei Gerald Asamoah zuhause, er hat mir ein Trikot von sich geschenkt, das ist natürlich etwas Besonderes in dem Moment. Wir schreiben ab und zu miteinander. In der kommenden Spielzeit spielen wir eventuell sogar gegeneinander.“

XN: Aktuell bist Du bei der Arminia Klosterhardt aktiv, einem Familienverein in Oberhausen auf hoher Leistungsebene. Erhofft Du Dir diese Atmosphäre auch beim RWO?

Raphael Steinmetz: „Sicherlich erhofft man sich das als junger Spieler, denn es ist das wichtigste in einem Verein, dass alle miteinander Gas geben, Leidenschaft zeigen, Maloche praktizieren. Nur so kann man als Gemeinschaft etwas erreichen. Das ist bei RWO vorhanden, daher freue ich mich sehr. Und mir ist es auch wichtig jedem Zuschauer, der ein Autogramm von mir möchte oder ein Foto dieses zu ermöglichen.“

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XN: Du hast die Maloche angesprochen. Ein Image, welches Du genießt, denn viele nennen Dich „Malocher“, wie hast Du in den jungen Jahren das Image erarbeitet?

Raphael Steinmetz: „Man muss immer versuchen voranzugehen, dazu gehört die Führungsrolle in einer Mannschaft zu übernehmen die anderen zurecht weisen, denn im Fokus sollte immer das Team stehen, nichts anderes, keine eigenen Interessen.“

XN: Wie Stolz warst Du, als Du bei Peter Kunkel und Dirk Langerbein den ersten Profivertrag unterschrieben hast?

Raphael Steinmetz: „Sehr Stolz, ich drücke es mal bescheide aus. Es war unbeschreiblich das Gefühl wird man nicht so schnell vergessen. Mir war schnell klar, dass ich meinen Weg bei RWO gehen möchte. Natürlich ist auch Stolz ein Gefühl, es endlich geschafft zu haben. Mir ist aber auch klar, dass ich in den nächsten Monaten und auch Jahren noch sehr viel lernen muss und immer mein Maximum aus mir herausholen muss, nur so kann ein Sportler langfristig etwas erreichen.“

XN: Du hattest ja viele Anfragen, wie filterst Du als junger Spieler solche Anfragen aus?

Raphael Steinmetz: „Ich hatte viele Anfragen, doch für mich hat nur RWO gezählt.“

XN: Warum unbedingt zu RWO?

Raphael Steinmetz: „Da es mein Traum war und das Stadion nur 10. Minuten von meinem Wohnort liegt. Ich würde nie Nein sagen, da meine Weiterentwicklung in Oberhausen gewährleistet ist.“

XN: Du absolvierst aktuell eine Ausbildung, wie kannst Du Regionalliga und Ausbildung unter einem „Hut“ bringen?

Raphael Steinmetz: „Der Verein hat mir signalisiert, dass sie mich unterstützen werden. Ich meine Zeit zum lernen erhalte. Aus dem Grund vertraue ich den Verantwortlichen und es wird sicherlich klappen. Außerdem habe ich mit meiner Firma gesprochen, sie haben mir direkt das Okay gegeben, was ja nicht selbstverständlich ist. Aus dem Grund bedanke ich mich auch bei meinem Chef für das Entgegenkommen und der sehr wertvollen Unterstützung. Ich hoffe, dass ich ihn mal zu einem Spiel einladen kann.“

XN: Du hast ja Deine Ausbildung angesprochen, dass signalisiert Bodenständigkeit, wie wichtig ist diese für Dich in Deinem Alltag?

Raphael Steinmetz: „Bodenständigkeit hat einen sehr großen Stellenwert bei mir, denn ohne geht es nicht. Man muss immer auf dem Boden bleiben. Menschen sind Menschen. Und mir Arroganz macht man sich nur Feinde, keine Freude. Wir Menschen sollten alle so gut, wie möglich miteinander auskommen.“

XN: Wie wichtig ist Deine Familie als Rückhalt, gerade in schweren Zeiten?

Raphael Steinmetz: „Die Familie ist für mich das wichtigste, denn sie haben mich immer unterstützt. Sie haben mich überall hingefahren. Wenn mein Papa zum Beispiel einmal keine Partie von mir live sehen kann, dann wird er direkt von anderen über die Geschehnisse informiert. Ich bin stolz, dass sie mich immer unterstützt haben.“

XN: Was war bisher Dein größter sportlicher Erfolg?

Raphael Steinmetz: „Ich denke, dass ich die größten Erfahrungswerte in der vergangenen Spielzeit sammeln konnte, da die Spiele auf einem hohen Level abgelaufen sind, wir sehr erfolgreich waren. Viele attraktive Gegner hatten. Das war eine Saison, die kannst Du nicht schnell vergessen. Was uns sehr stark gemacht hat, war der Zusammenhalt in der Mannschaft. Dieser Zusammenhalt hat uns so erfolgreich gemacht, da wir auch in schlechten Zeiten ein Team waren. Außerdem waren die beiden Trainer ein wichtiger Bestandteil.

XN: Wer waren denn die Jugendtrainer, welchen Du am meisten zu verdanken hast?

Raphael Steinmetz: „In einem gewöhnlichen Weg hast Du in der Jugend als Spieler viele Trainer, da hat sicherlich jeder seinen Anteil an der Entwicklung des einzelnen Nachwuchsspielers, doch es waren schon die beiden Trainer der letzten Saison Michael Kaiser und Uwe Büns, welche ich herausheben möchte. Sie haben mir so viel Vertrauen gegeben, sie arbeiten außerdem so perfekt zusammen. Einfach Klasse.“

XN: Du hast es bereits angesprochen, beide Trainer. Viele Leser werden sich nun wundern, aber aktuell neigt der Trend dazu, dass die Vereine immer mehr auf zwei gleichberechtigte Trainer setzen, hat sich das System aus Deiner Sicht bewährt?

Raphael Steinmetz: „Ja auf jeden Fall, wenn beide eine Philosophie im Sinne des Vereines führen, dann kann so ein Duo sehr erfolgreich arbeiten. Ich kann nur sagen, dass die beiden echt in jedem Zeitpunkt perfekt gearbeitet haben.“

XN: Du hast vorhin ja bereits betont, dass Du mit Freude in die Regionalliga gehst, kennst DU diese Liga denn bereits?

Raphael Steinmetz: „Ja, ich schaue mir oft Zusammenfassungen an, die Ergebnisse interessieren mich. Es ist eine offene Liga, da kann man schnell nach oben rutschen, aber auch nach unten.“

XN: Wie sehen denn konkret Deine persönlichen Ziele für die Zukunft aus?

Raphael Steinmetz: „Ich will auf jeden Fall eine gute Rückrunde mit meinem jetzigen Club Arminia Klosterhardt spielen, ich will bis Saisonende, wie gewohnt mit 100 Prozent Leidenschaft an die Sache gehen. Für die neue Spielzeit habe ich mir vorgenommen, mal in den Kader zu rutschen, mir es erarbeiten mal dabei zu sein, auch auf der Bank zu sitzen. Klar will jeder spielen, aber ich bin realistisch und kann die Situation, welche mich erwartet auch einschätzen.“

XN: Kennst Du bereits einige Mitspieler, mit denen Du in Zukunft kicken wirst?

Raphael Steinmetz: „Ich erkundige mich viel über die Mannschaft, Kontakt habe ich aber bisher zu niemanden. Ich will da aber in der nächsten Zeit oft präsent sein.“

XN: Viele Jugendspieler kämpfen in Deutschland täglich dafür mal einen Vertrag, wie Du in der Regionalliga zu erhalten, doch 95 Prozent werden es nie schaffen. Was rätst Du ihnen?

Raphael Steinmetz: „Sie sollen zunächst ihre Schullaufbahn gut beenden, ich mache z.B. auch zunächst die Ausbildung fertig, um einfach eine Absicherung zu haben. Priorität sollte wie erwähnt die Schule sein, aber man darf nie aufgeben. Ich z.B. habe vor zwei Jahren auch noch Leistungsklasse gespielt und ab der kommenden Spielzeit Regionalliga, das geht alles sehr schnell.“

XN: Wie sehr freust Du Dich auf die ganzen Traditionsmannschaften, welche als Gegner auf Dich waren, wie z.B. Viktoria Köln, Wattenscheid 09, Rot Weiss Essen oder Allemania Aachen?

Raphael Steinmetz: „ Das ist natürlich etwas Besonderes, keine Frage.“

XN: Achtest Du besonders auf Deine Ernährung?

Raphael Steinmetz: „Nee, ich habe nie so richtig darauf geachtet, doch in Zukunft muss ich das auf jeden Fall. (lacht).“

XN: Wir bedanken uns bei Dir für das sehr informative Gespräch.

Raphael Steinmetz: „Ich habe zu danken!“.

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