Ileana Mateescu: Dortmunds Mezzosopranistin startet durch

leana Mateescu / Foto@Gerardo Garciacano

leana Mateescu / Foto@Gerardo Garciacano

Sie gehört zur jungen Sängerinnengeneration, die 1985 in Bukarest geborene Mezzosopranistin Ileana Mateescu. Seit der Spielzeit 2011/2012 ist sie fest am Opernhaus Dortmund engagiert. Aktuell sorgt sie gerade für Furore. Feiert sie doch mit zwei herausragenden Rollen ihres Stimmfachs, der Titelheldin von Bizets großer Oper CARMEN und der Cenerentola aus Rossinis gleichnamiger Oper, große Triumphe. Und das innerhalb weniger Wochen. Zwei Partien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mit der Künstlerin führte ich heute ein Gespräch.

 

Nicht nur die Geige singt – die ersten Jahre

Der Weg zur Opernsängerin war nicht zwangsläufig. Er hatte sich ergeben, eher zufällig, aber dann doch unaufhaltsam.

Die letzten 4 Jahre auf dem Bukarester Lyceum (vglb. Gymnasium), belegte die Schülerin Ileana die Fächer Mathematik und Physik schwerpunktmäßig für das anstehende Abitur. Nebenbei spielte sie seit fast 8 Jahren Geige. Die Naturwissenschaften aber sollten den Grundstock für ihr weiteres Berufsleben bilden. Sie wollte sich damit alle Möglichkeiten offenlassen. Ileana Mateescu, die von sich selbst sagt, „ein gutes Ohr für Musik“ zu haben, begann während dieser Zeit auch mit dem Gesang. Zunächst sang sie in einem Jugendchor und schon bald wurde eine Gesangslehrerin auf ihre Stimme aufmerksam und begann sie zu fördern und zu unterstützen.

Ungefähr zu dieser Zeit begann auch ihre persönliche Faszination für das Musikgenre Oper. So erzählt sie, dass sie damals 8 Mal in die Bukarester Oper ging, um sich den Barbier von Sevilla anzusehen. Oder genauer: den Tenor, der den Almaviva gesungen hat. Dessen Gesang und Darstellung habe sie besonders begeistert und inspiriert. „Und irgendwann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, ging nach der Vorstellung hinter die Bühne und holte mir ein Autogramm von ihm. Ab diesem Moment war ich restlos von der Oper und allem, was damit zu tun hat, begeistert“, so Frau Mateescu im Gespräch.

Zwischen 2004 und 2008 studierte sie an der Bukarester Universität Gesang bei Prof. Maria Slatinaru und Prof. Marina Mirea. Von 2006 bis 2007 ist sie Stipendiatin am Mozarteum in Salzburg . In Salzburg erlernte sie auch die deutsche Sprache, mit österreichischem Einschlag, wie sie selbst erzählt Zwischen 2008 und 2010 setzt sie ihr Studium an der Mainzer Musikhochschule bei Prof. Claudia Eder fort.

Christoph Strehl (Don José), Ileana Mateescu (Carmen) ©Thomas M. Jauk / Stage Picture Schließen

Christoph Strehl (Don José), Ileana Mateescu (Carmen)
©Thomas M. Jauk / Stage Picture
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Ihr erstes Engagement in Deutschland führte sie 2009 an das Staatstheater Mainz. Auf der Homepage der Sängerin sind ihre einzelnen Stationen in der jüngeren Karriere bestens nachzulesen. Anfang 2012 führten sie zwei Gastengagements nach Wien (Theater an der Wien) und Paris ins weltberühmteThéatre des Champs Elysées Seit 2011 ist sie dem Theater Dortmund und dem dortigen Opernensemble verbunden. Und dort sollte sie am 1. Februar 2014 ihre ersehnte CARMEN zum ersten Mal singen. Mit großem Erfolg, der weiterhin anhält.

Die Carmen ist ein Teil von mir

 

Um zu verstehen, welche Anziehungskraft diese Opernpartie auf Ileana Mateescu ausübt, muss man ihr einfach zuhören: „Carmen ist eine emanzipierte Frau. Sie ist stolz, stark und im Finale der Oper geradezu voller animalischer Kraft“, beschreibt die Sängerin ihre persönliche große Rolle. Ileana Mateescu singt nicht nur die schwierige Mezzopartie, sie durchlebt sie sogar bei jedem ihrer Auftritte in dieser Rolle.

„Nach einer Carmen fühle ich mich erschöpft. Die Ekstase der Gefühle im Finale sind unbeschreiblich!“. Die Begeisterung der Sängerin für diese Partie, die eine Traumrolle für sie darstellt, klingen aus allem heraus, was sie im Interview zu dieser Opernpartie sagt. Ein Korrepetitor habe ihr einmal gesagt, dass das persönliche und eigene Verständnis für diese Rolle und für die Interpretation der Carmen mit zunehmendem Alter stärker werden würde. Misst man aber den großen Erfolg beim Publikum, vor fast immer vollem Haus, darf sicher heute schon behauptet werden, dass Ileana Mateescu bereits ein sehr gereiftes Rollenportrait als „femme fatale“- Carmen stimmlich und vor allem darstellerisch abliefert. Das sie dabei auch äusserlich den inneren Vorstellungen eines Carmen-Publikums entspricht, rundet ihr Debüt als südländisch-feurige Carmen vollends ab. Der Jubel des Publikums für ihre Leistung war und ist groß. Bei der Premiere befand sich unter den Zuschauern auch die extra aus Rumänien angereiste Mutter von Ileana Mateescu, die sicher stolz und glücklich miterlebt hat, wie ihre Tochter ihren Traum von der Carmen erfolgreich umsetzte.

 

Ileana Mateescu (Angelina)

Ileana Mateescu (Angelina)

 

Vom Weib zum dienenden Mädchen – Spagat der Emotionen

 

Größer kann der Unterschied der Opernpartien kaum sein. An einem Abend die glutvolle Carmen mit eine der dramatischsten Todesszenen der Operngeschichte, am nächsten die naiv-verliebte und am Ende glücklich mit ihrem Prinzen vereinte Angelina aus Rossinis Meisterwerk La Cenerentola (Aschenputtel). Von der stimmlichen Ekstase einer Carmen hin zu feinstem italienischem Belcanto und Wohlklang.

Diesen künstlerischen Spagat bereitet Ileana Mateescu vorzüglich ihrem Dortmunder Publikum. Die Cenerentola-Premiere vom 22.März 2014 war ein Triumph für alle Beteiligten, aber ganz besonders auch für die aus Rumänien stammende Sängerdarstellerin. Die zeitnahe Kombination zweier unterschiedlicher Rollen ihres Stimmfachs macht sie derzeit zu einem Star nicht nur am Dortmunder Opernhimmel.

Ursprünglich waren für beide Rollen zwei Besetzungen vorgesehen. Leider musste ihre Dortmunder Kollegin Katharina Peetz beide Partien absagen und Ileana Mateescu befand sich plötzlich in der Situation, sämtliche Vorstellungen der Carmen und der Angelina zu singen. Sicher eine Mammutaufgabe für diese junge Sängerin. Allerdings bleibt zu bestätigen, dass sie es blendend meistert. Auf der anderen Seite spricht es aber auch für die überaus erfolgreiche Ensemblearbeit des Dortmunder Intendanten Jens-Daniel Herzog, solch schwierige Partien mit hauseigenen Kräften besetzen zu können und sogar Ausfälle auf hohem Niveau kompensieren zu können.

„Die Cenerentola ist sehr anspruchsvoll. Sie hat einen Stimmumfang bis zu 2 ½ Oktaven. Zudem muss der Gesangsstil die ganze Oper durchgehend korrekt beibehalten werden“, so Ileana Mateescu zum Unterschied zur Rolle der Carmen, wo doch viel mehr an Glut, Feuer und Emotionen in die Interpretation gelegt werden können, welches hingegen bei Rossini in der Partitur strenger vorgegeben ist. Spielt sie die Carmen mit voller, auch körperlicher, Hingabe, versetzt sie sich überzeugend als Angelina in eine brave Dienerin mit kindlich-naiven Zügen.

 

Ileana Mateescu / Foto @ Ileana Mateescu

Ileana Mateescu / Foto @ Ileana Mateescu

 

Erfolg kommt selten von allein

 

Das die Mezzosopranistin in so kurzer Zeit gleich zwei derart erfolgreiche Rollendebüts abliefern konnte mag erstaunen. Aber vor jeder neuen Partie steht für Frau Mateescu auch die intensive Erarbeitung der Rolle, das sich beschäftigen mit der Partitur, der entsprechenden Literatur und die Probenarbeit im Theater. Sie überlässt nichts dem Zufall. Am Premierenabend gibt sie ihr bestes und weis gut vorbereitet zu sein. Natürlich sei auch bei ihr das Lampenfieber vor einer Premiere am größten. Aber auch das sieht sie positiv: „Adrenalinanstieg muss sein!“.

Auf die Frage, welche Gefühle sie überkommen, wenn das Publikum sie frenetisch feiert. So geschehen bei Carmen als auch jetzt bei Cenerentola, sagt sie: „Damit muss ich mich noch beschäftigen, wie ich damit umgehen soll. Natürlich ist es eine große Freude und bei der Cenerentola hatte ich sogar Gänsehaut als ich auf die Bühne zum Schlußapplaus kam. Aber ich fühle dann auch große Dankbarkeit und weis, die Arbeit ist gemacht, die Proben haben sich gelohnt!“

Vor einer anstehenden Premiere gönnt sie sich viel Ruhe, schläft am Morgen lang und beginnt 3-4 Stunden vor Beginn der Oper mit ihrer Ruhe- und Konzentrationsphase. Im Alltagsleben ist sie nicht die gefeierte Opernsängerin, sondern eine junge Frau wie viele andere auch. Sie betreibt Sport um sich körperlich – auch für Rollen wie die einer Carmen – fit zu halten und hört sich Musik quer durch die Popmusik an. Dies alles dient auch dem Ausgleich zum anstrengenden Beruf einer Künstlerin, zumal im stressigen Musiktheaterbusiness.

 

…eine letzte Frage, Frau Mateescu:

 

Diese Frage stelle ich meinen Interviewpartner-/Innen immer gern am Ende eines Gesprächs: Wenn Sie sich selbst beschreiben müßten?…. 

„Oh je, eine schwere Frage“, antwortet sie mir, um aber dann auszuführen: „Ich würde mich als neugierig, unabhängig, auch etwas launisch, eitel, aber auch selbstbewusst, energisch und leidenschaftlich beschreiben. Außerdem halte ich mich für eine Teamplayerin. Und für reif halte ich mich auch. Muss ich ja auch sein. Denn seit 5 Jahren gestalte ich mein Leben und meine Karriere in Deutschland allein“.

Ergänzend füge ich noch an: zudem ist sie eine sehr sympathische und intelligente Gesprächspartnerin, die weis, was sie will und wohin sie will. Den Grundstein zu einer großen Karriere hat sie in den letzten Monaten gelegt. Das sie klug genug ist, ihre weitere Karriere zielorientiert anzugehen, erscheint mir sicher. Ebenso sicher auch, dass ihr das gelingen wird. Das Talent, die dazugehörende Stimme und die erforderliche künstlerische Professionalität besitzt sie. Aber auch die Glücksmomente, die das Leben und wie hier eine Karriere ausmachen, auch.

 

Ileana Mateescu (Carmen), Christoph Strehl (Don José) ©Thomas M. Jauk / Stage Picture

Ileana Mateescu (Carmen), Christoph Strehl (Don José)
©Thomas M. Jauk / Stage Picture

 

*INFO:

Die Dortmunder Opernfans haben noch einige Male bis zur Sommerpause Gelegenheit, die erfolgreichen Inszenierungen der Opern CARMEN und LA CENERENTOLA mit Ileana Mateescu in der jeweiligen Hauptrolle zu erleben.

Termine und Vorverkauf Carmen: HIER

Termine und Vorverkauf La Cenerentola: HIER

Persönliche Homepage der Mezzosopranistin Ileana Mateescu

 

Der Artikel würde auch auf dem Opernmagazin veröffentlicht.

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