Reifenherstellung mit Hilfe „grüner Chemie“

Immer höhere Anteile an Naturkautschuk in Reifenmischungen verringern den Einsatz von Materialien, die auf fossilen Rohstoffen basieren. Chemiker sind im Begriff, die Reifenproduktion mittels nachwachsender Rohstoffe zu revolutionieren. Continental aus Hannover gehört zu den technologisch führenden Reifenherstellern, die auf „grüne Chemie“ setzen.

Continental und das Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) in Aachen wurden bei den GreenTec Awards 2014 für die gemeinsame Entwicklung zur Gewinnung von Naturkautschuk aus Löwenzahn geehrt, wie aus einer aktuellen Pressemitteilung hervorgeht. In der Kategorie „Automobilität“ geht es vor allem um technologische Innovationen und umweltfreundliche Mobilität sowie deren Zukunftspotential. Die GreenTec Awards gibt es erst seit 2008, doch inzwischen sind sie zu Europas größtem Umwelt- und Wirtschaftspreis avanciert.

Vorteile des erhöhten Naturkautschukanteils sind einerseits eine bessere Reifenqualität und andererseits eine größere Unabhängigkeit von Importen. Letzteres bezieht sich nicht nur auf den schwindenden Rohstoff Öl, sondern auch auf den Import von Naturkautschuk von Gummibaumplantagen. Dagegen bietet die industrielle Gewinnung von Naturkautschuk aus der Löwenzahnwurzel zahlreiche Vorteile. Die Pflanze ist witterungsbeständiger als der tropische Gummibaum und generell agrarisch anspruchslos, so dass sie großflächig auf bislang für die Landwirtschaft ungeeigneten und damit brachliegenden Flächen in Deutschland und Europa angebaut werden kann.

Bedeutung für die Reifenindustrie

Reduzierter Logistikaufwand durch den Anbau in der Nähe von Produktionsstandorten bedeuten nicht nur geringere Produktionskosten, sondern aller Voraussicht nach auch niedrigere Verbraucherpreise. In Zukunft werden Reifenhersteller, die auf die neue Technologie setzen und Naturkautschuk aus heimischem Löwenzahn herstellen, deutlich unabhängiger sein von der jährlichen Erntesituation in subtropischen Ländern und Weltmarktpreisschwankungen. Darüber hinaus benötigt ein Kautschukbaum etwa sieben Jahre ungestörtes Wachstum, bis er erntereif ist, während Löwenzahn mehrfach im Jahr geerntet werden kann.

Bereits im Laufe des nächsten Jahres sollen die ersten Reifen im Straßenverkehr auf Herz und Nieren geprüft werden. Da es sich um eine Gummimischung mit sehr hohem Naturkautschukanteil handelt, wird erwartet, dass die neuen Reifen sogar besser mit den heutigen Anforderungen zurechtkommen werden als die aktuellen Modelle. Insofern ist es nur noch eine Frage von wenigen Jahren bis zur Markteinführung. Dann werden die ersten Sommerreifen aus Naturkautschuk die momentan beim überregionalen Reifenhändler Tirendo erhältlichen Modelle ersetzen. Continental geht jedenfalls davon aus, dass der Kautschuk aus Löwenzahn im industriellen Maßstab mit denselben leistungsmäßigen Eigenschaften wie derjenige von Gummibäumen geerntet werden kann.

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