Die Suhle der Literaten

Literaturkritik Hat Literatur aufgehört, Sprache zu sein? Die Langeweile, die angesichts von zeitgenössischen Marktprodukten leicht empfindbar ist,  hat zu diversen Feuilletonbeiträgen Anlass gegeben, ausgehend von einer werbenden Polemik für ein neues Buch, die Florian Kessler in der Zeit veröffentlichen durfte. Diese Langeweile überfällt mich auch beim Lesen der Beiträge, die den Konformismus, die mangelnde gesellschaftliche Relevanz, die im Betrieb angebotene Domestierung von Migranten, die randwärts zu findenden Alternativen, von denen kaum jemand erfährt, thematisieren. Ist der Betrieb denn inzwischen derart industriell verkommen, dass Sprache literarisch keine Rolle mehr spielt? Würden individuelle Zugänge von Autoren die Aufnahmebereitschaft der Leser senken, die langjährig entstandenen Verlagsprofile kolportieren, den gesamten Markt aus den Angeln heben, der mit Preisen und dem neuerlichen Verbot des Börsenvereins, eine Krise als Krise zu bezeichnen, auf breitenwirksamen Applaus und auf Umsatz ausgerichtet ist! Wird denn die Branche in ihren Zentren von Controllern beherrscht, denen nichts als ‚Markgängigkeit‘ einfällt, wenn über Kunst zu sprechen wäre?

Der einzige Autor, der meiner Kenntnis nach Sprache einbezieht, ist Mark Ammern: „Mich irritiert am Literaturbetrieb, dass Verlage und Kritik in den letzten Jahrzehnten überwiegend literarische Standards bevorzugt haben, die auf eingängige Geschichten, also auf einen überschaubaren Plot setzten, auf Durchschnittsfiguren und auf eine durchschnittliche Sprache, die nach Vorgabe einer kriselnden Branche, in der alles, Texte, Preise, Stipendien, was auch immer, nur einem zu dienen hat: einer Verkaufshow, auf welchem Sender, in welchem Blatt, auf welcher Internetseite auch immer. Was durch die schnellebige Medienlandschaft nicht rasch zu vermitteln ist, entfällt. Dies sind die Minimalstandards von Kitsch, sähe man davon ab, dass noch eine Suhle fehlen würde. “

Dem ließe sich hinzufügen: Offensichtlich hat man den Mangel gespürt und inzwischen eine Suhle erhalten, in den Feuilletons, ob bei ZEIT oder FAZ.

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Der Beitrag entstand zunächst für den Freitag.

2 thoughts on “Die Suhle der Literaten

  1. „Erspar uns bitte Dein Gezeter,
    Dir missfalle diese Welt,
    glaubst Du das ein Miesepeter
    Deiner Art der Welt gefällt ?
    (hab vergessen von wem)