Akzente 2014 – oder Plakatporno?

plakat_akzente_geldoderlebenWie naiv muss man sein, um ein ‚Sich-in-den-eigenen-Schwanz-beißen‘ als Metapher für Geldhaie zu kreieren? Derartiges bieten schlüpferlose Cam-Shows – für Leute, die es mögen. Geldhaie sind in der Lage,  sich orale Dienstleistungen einzukaufen, auch dann, wenn sie sich verzockt haben, weil wir, die Gesellschaft, sie retten werden.

Optisches Markenzeichen der 35. Duisburger Akzente „Geld oder Leben“ ist ein in einem roten Raster gedruckter Hai, der sich selbst in den Schwanz beißt. Das Plakatmotiv der Mülheimer Agentur „Sichtvermerk“ spielt einerseits auf den Geldhai an, andererseits auf die dem Hai unterstellte Gier, die bei der Jagd nicht vor seinem eigenen Schwanz haltmacht.

Unter dem Motto „Geld oder Leben“ wollen die 35. Duisburger Akzente vom 7. – 23. März das Verhältnis von Geld, Kapital und Macht zu Werten wie Erfolg, Humanität und Zufriedenheit diskutieren. Die rund 60 Theaterproduktionen, Ausstellungen, Kunstprojekte, Filme und Lesungen greifen Themen auf wie die internationale Finanz- und Währungskrise, die Probleme öffentlicher Haushalte, Krise und Aufbruch. In Zentrum steht das Akzente-Theatertreffen, das in 9 Produktionen hochkarätiges deutschsprachiges Sprechtheater bietet, darunter die Gastspiele des Staatstheaters Hannover mit „Minna von Barnhelm“ und des Deutschen Theaters Berlin mit Andres Veiels „Das Himbeerreich“. Weitere Höhepunkte sind die Ausstellungen „Hans im Glück – Kunst & Kapital“ im Lehmbruck Museum und „Werte im Widerstreit“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum.

Wie in den vergangenen Jahren schärfen die Duisburger Akzente ihr Profil durch Eigenproduktionen. Dazu zählen neben. „Das kunstseidene Mädchen“ im Theater Duisburg, Stücke wie „Supermarket. Superstars. Buying the Universe“ von Johannes Lepper oder „Zum Wünschen links“ von Anja Schöne und Karin Gerfen. Wie die Produktion von Johannes Lepper ist die szenische Installation „Tuvalu. Eine Reise in die Welt der Träume“ in der neu gestalteten Liebfrauenkirche zu sehen. Jennifer Whigham und Jens Kerbel, die bei den Akzenten 2012 Sten Nadolnys Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“, haben Veit Helmers gleichnamigen Film bearbeitet. Sie erzählen das melancholisch-schräge Märchen vom Zerbrechen der einen und dem hoffnungsvollen Aufbruch in eine andere Welt neu.

Im CityPalais, also in unmittelbarer Nachbarschaft zur Spielbank und zur Einkaufsmeile, werden Künstler der “freien Szene“ ihre Projekte verwirklichen. Dazu gehören die Tanz-Performance „Non Place“ von Avi Kaiser und Sergio Antonino, die Produktion „Erniedrigt“ vom „Theater Arbeit Duisburg“ sowie die Ausstellung „Auf Pump“ und die Raum-Installation „Kloaken der Macht“.

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