Warum nicht Sprache?

Literatur – Es ist schwer geworden, Literatur auf dem Markt zu finden, die nicht bloß schlichte Erwartungshaltungen bedient. Um so größer ist die Freude, wenn man überrascht wird.

Für mich ist Ann Cotten und der Prosaband „Der Schaudernde Fächer“ eine Entdeckung, eine sprachliche, in einer ganz besonderen Weise.  In der Zeit wird, ohne nenneswert auf die Sprache einzugehen, ein spätpubertäres Verhalten hervorgehoben.  Im Spiegel ist hingegen, vor allem mit Bezug auf die Sprache, von einem ‚Schmuckstück‘ die Rede – doch davon finde ich nichts.

Im Gegenteil. Nun muss ich einfügen: Ich mag junge Ziegen, ihre unbekümmerten Sprünge, auch und gerade mit allen Vieren zugleich; in der Höhe biegen und wenden sich ihre Körper, sodass ich mich stets frage, wo und wie sie landen werden. Ein solches Unbekümmersein strahlt auch die Sprache der Prosastücke aus, die Ann Cotten vorgelegt hat: ein Ergeignis!

Um zu verdeutlichen, wie dieses Sprünge vonstattengehen, ließen sich verschiedene sprachliche Ebenen anführen, z.B. der ersten ‚Erzählung‘, „Die gelangweilte Kombo oder Wie man gut schreibt“, Ebenen, die nicht zu einem einheitlichen Bild verschmelzen, sondern mal das Spiel der Combo, mal Liebhaber und das Verhältnis zu ihnen, mal Musil und seinen „wohlerzogenen Stil“ als auch weiteres in den Vordergrund rücken – um ein Verhältnis zur Sprache zu finden. –

Unabhängig davon: Cotten beim Perlentaucher.
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Der Beitrag erschien zunächst beim Freitag.

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