Prokon Insolvenz: Liegt die Schuld bei den Anlegern?

© Digital Vision/Photodisc/Thinkstock

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Die drohende Insolvenz des Windkraftunternehmens Prokon beschäftigt die Gemüter die Deutschland. Rund 75.000 private Anleger im ganzen Land fürchten nun um ihr Geld. Und schon wird eifrig nach den Schuldigen für das Debakel gesucht.

Sind deutsche Kleinanleger geldgierig?

Kommentare in großen deutschen Medien wie der FAZ oder bei Spiegel Online haben wenig Mitleid mit den Anlegern, die jetzt um ihr Erspartes bangen. Im Schnitt wurden etwa 20.000 Euro in das Ökounternehmen gesteckt. „Selbst Schuld“ ist der Tenor: Sie seien auf die überhöhten Renditeversprechungen von bis zu 8 % hereingefallen, ohne sich um die möglichen Risiken zu kümmern. Gier frisst Verstand.

Damit machen es sich die Kommentatoren leicht: Sicher hätten sich viele Investoren etwas genauer damit beschäftigen sollen, wie die sogenannten Genussscheine funktionieren, die Prokon an sie ausgab. Und dass im Falle einer Pleite der Rückzahlungsanspruch anteilig gekürzt werden kann. Doch was bleibt Kleinanlegern in einer Zeit der beispiellosen Niedrigzinsen noch? Wenn scheinbar „sichere“ Anlegemöglichkeiten wie das Tagesgeldkonto keine 1 % Zinsen mehr abwerfen und selbst die von den Deutschen so geliebten Lebensversicherungen kaum noch das abwerfen, was über Jahre in sie gesteckt wurden, sehen sich die Menschen eben nach anderen Möglichkeiten um – und nehmen das höhere Risiko in Kauf. Was bleibt auch sonst? Lotto online spielen und auf den Jackpot hoffen vielleicht.

Auf dem grünen Auge ist Deutschland blind

Kein anderes Land trägt das grüne Fähnchen so hoch wie Deutschland: Vollmundig wird seit einigen Jahren die Energiewende propagiert und der Ausbau grüner Energien von Solar über Geothermie bis zum Wind gefördert. Wer kann es Anlegern da verdenken, dass eine Investition in Windparks sicher erschien? Sicher, zynische Skeptiker ahnten schon lange, dass bei der überstürzt angefangenen Energiewende nach der Fukushima-Katastrophe nicht viel herauskommen konnte. Aber wenn es um grüne Ziele geht, setzt bei vielen Deutschen der Verstand genauso aus wie bei hohen Renditen.

Zugleich fordern Politiker jeder Couleur immer wieder mehr Eigenverantwortung der Menschen, zum Beispiel beim Sichern der späteren Altersversorgung oder verweisen auf das Ausland, wo Privatanleger viel eher bereit sind, an den Finanzmärkten zu zocken. Den Verbrauchern nun die Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn sie auf diese Anregungen gehört haben, scheint da doch etwas vermessen.

One thought on “Prokon Insolvenz: Liegt die Schuld bei den Anlegern?

  1. Der Kauf von Genussscheinen generiert keinerlei Mitspracherechte an den Emittenten der Papiere.
    Ein Genussrecht ist, vereinfacht ausgedrückt, ein “ Zwitter “ zwischen einer Aktie und einer Anleihe.
    Es gibt wesentlich sicherere Anlageformen im Genossenschaftsbereich, hier ist die Rendite bei geschickter Gestaltung für die heutige Zeit sehr beachtenswert.