Duisburg von unten – „Weinstube Sterntaler“

20131223_210201Der Chef von Xtranews setzte mich so gewaltig unter Druck, dass ich überlegte, Anmesty International einzuschalten, Ein Artikel musste her. Ganz kurz vor Weihnachten. Dabei war ich ewig nicht mehr in Duisburgs Kneipen unterwegs. Meine Sicht der Dinge bestätigte sich bei meinem Besuch in der „Weinstube Sterntaler“.

 

Die City war voller Menschen. Es gab kaum ein durchkommen auf dem Duisburger Weihnachtsmarkt. Völlig desinteressiert am Weihnachtstrubel und mit einem leichten Anflug einer Panikattacke suchte ich verzweifelt nach einer passablen Pinte. Neben „Woolworth“ entdeckte ich zu meiner Überraschung eine Weinstube. Eine Weinstube in Duisburg? Welche Klientel sollte mich dort erwarten? Der Wirt trug doch tatsächlich ein „Camp David“-Hemd. Dabei gibt es derzeit keine schlimmere Modesünde. „Haben sie auch ein Pilsken für mich?“ grinste ich ihn an. Wobei zu sagen ist, dass bis auf eine Dame alle anderen geschätzten 15 Gäste ein Bier vor der Nase stehen hatten. Das war nicht anders zu erwarten bei der proletarischen Gesellschaft. Ist es nicht unfassbar, dass es immer noch Männer mit Schnäuzer gibt? In der Weinstube waren es vier. Wie kann man dermaßen widerlich aussehen. Was soll das überhaupt? Kann mir das mal jemand genau erklären? Die Gespräche erschienen heiter, aber ich weigerte mich beinahe zu lauschen. Stattdessen beschloss ich den Mp3-Player einzuschalten. „Hey Manhatten“ von der Kultband „Prefab Sprout“ gab der Kulisse einen absurden Beigeschmack als ich plötzlich erschrak. Hinter der Theke erschien plötzlich der Pächter des „Wickülers“. Jener Typ, der es geschafft hatte, die absolute Kultgaststätte in eine Trashbar zu verwandeln, wo vermutlich nicht mal Charles Bukowski reingehen würde. Er hat sich also die Idee mit der Weinstube ausgedacht? Was soll denn daraus werden? Eine Art „Oberbayern“ für Schichtmalocher? In der Tat wird dort dringend ein DJ gesucht. Für Musik „Ü30“, wie mir die Bedienung erklärte. Himmel. Ich zahlte und ging. Auf dem Weg durch die City zählte ich den Schnäuzeranteil von der Weinstube bis zum Lifesaver. 24 waren es. Noch ist Duisburg nicht verloren. Merry Christmas!

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