Und über den Augen die Michelsmütze

Na? Hören Sie etwas? – Wie, was man hören sollte? Ja, die Hochkultur doch wohl. Wie, die interessiert sie nicht oder nicht mehr? Tja, kann ich Ihnen auch nicht verdenken, nach dem ganzen Getöse in diesem Jahr um das Lehmbruck und die Ablösung des Kulturdezernenten, kein Wunder. Da war ja täglich eine Schlagzeile in den Lokalmedien nach der Anderen, Küppersmühle ja auch. Jeden Tag neue Skandalmeldungen. Hält auf Dauer ja wirklich kein Mensch aus, nicht?

Was sagen Sie da? Sie hätten vor kurzem gelesen, die  Hochkultur in Duisburg ginge baden? Aber nein, nein, da müssen Sie was falsch verstanden haben – nein, man ist nur mit dem Kunst-U-Boot neu auf Kurs bei der Küppersmühle. Obwohl „Ich kann, weil ich will, was ich muss“ ist schon ein sehr interessanter Titel für dieses U-Boot. Sehr, sehr tiefsinnig. Das muss man natürlich gebührend deuten und andächtig bewundern. Natürlich. Wie, HOCHkultur?

Hach, wie schön dass man jetzt nur noch positive Schlagzeilen aus dem Leben der Hochkultur in Duisburg hört. Großartig, dass jetzt auch Jugendliche die Konzerte der Duisburger Philharmoniker besuchen. Was, haben Sie in der RP nicht gelesen? Letzter Satz kürzlich in der Kritik zu – irgendwas mit – Planeten: „Getrübt wurde das Vergnügen an diesem Gesamtkunstwerk nur durch Jugendliche in hinteren Reihen, die ständig quatschten.“ Tut, tut, tut – da stören Jugendliche die heilige Konzertruhe! Nein, das geht natürlich nicht an, nicht in diesem Duisburg wo der Genießer natürlich andächtig dasitzt und schweigt. Ach, es war ein Erlebniskonzert? Und die SIND für Jugendliche konzipiert? Sowas aber auch… Schön doof wenn da Jugendliche vermutlich zum ersten Mal in einem Konzert sind und natürlich nicht wissen wie sie sich anständig benehmen sollen. Tut, tut, tut.  Aber gehen Sie weg, wir wollen doch unsere Ruhe haben hier in unserem schönen kulturbeflissenem Duisburg. Nach all den Aufregungen – da darf es doch auch mal eine Zeit der Ruhe sein. Der Besinnlichkeit. Wir sind doch schon fast wieder im Dezember, das Jahr geht zu Ende, Besinnlichkeit ist angesagt.

Na ja und diese Akzente, die gibts ja erst im März wieder. Doch, doch. Steht in diesem Internet, muss also wahr sein. Nächstes Jahr. Und die Künstler haben sich total gut darauf vorbereiten können weil: „Der Förderantrag muss bis spätestens 11.11.2013 bei der Duisburg Marketing GmbH/Festivalbüro, Landfermannstraße 6, 47051 Duisburg eingereicht werden“. In Köln wäre das Unmöchlich aber Duisburger arbeiten auch im Karneval. Also das haben Sie jetzt gedacht. Und die sind wahnsinnig kreativ, Duisburger Künstler, denen fällt zum Thema „Geld oder Leben“ bestimmt kurzfristig was ein. Genau so wie 2010. Da war das auch so. Zeitlich. Wie, die fünf Seiten? Haben Sie mal geguckt was da alles auszufüllen ist? Da sind Sachen dabei, ich kann Ihnen sagen … hier, ausführliche Projektbeschreibung, Finanzplan, Ortsangabe… Nee, Ende September wohl. Ja, sehr zeitig für den ganzen Papierkram. Ach, bei den ganzen leerstenden Gebäuden hat man ja schnell zumindest den Ort zusammen. Jedenfalls ist das alles total sinnig. Wie, da fehlt eine Silbe? Welche? Un? Das haben Sie jetzt aber gesagt.

Ach nee, lassen Sie mal den Krützberg, hat der nicht noch – wie heißt das jetzt? Beinfreiheit? Nein, warten Sie – Schonfrist? Wie, 100 Tage sind vorbei? Na sehen Sie wie ruhig das in der Hochkultur ist, nicht mal Resonanz – oder wie das heißt – haben die in der Presse gezogen. Wie, im Theater gibts auch eine Neue? Sehn Sie: So ruhig ist das hier, da hat auch sowas keine Bedeutung mehr. Ach, ist uns ja auch ganz recht. Wie heißt das bei den Jugendlichen immer so schön: Wir relaxen jetzt erstmal. Haben wir uns verdient. Alles tiefenentspannt. Demnächst gibts dann exklusiv als Duisburger Merchandising-Artikel die Original-Duisburger-Schlafhaube. Modell: Deutscher Michel. Nur echt mit Herzen drauf.

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