Wie viel Giftmüll lagert im Schacht Walsum? – Diese Frage stellen sich die Grünen in Duisburg-Walsum

Laut einem jüngst erstellten Gutachtens des Biochemikers Dr. Harald Friedrich, ehemaliger Abteilungsleiter im NRW-Umweltministerium, soll durch die jahrzehntelange Einlagerung von Sondermüll in stillgelegten Bergwerken das Grundwasser im Ruhrgebiet gefährdet sein.

Bei den eingelagerten 600000 Tonnen von Abfällen soll es sich unter anderem um hochgiftige Stoffe handeln, wie zum Beispiel Filterstäube aus Hausmüllverbrennungsanlagen, belastet mit Krebs erzeugenden Stoffen wie Dioxine, Furane,  Schwermetalle wie Cadmium und Blei sowie polyaromatischen Kohlenwasserstoffen, die bei einer Flutung stillgelegter Bergwerke in das Grundwasser gelangen können, wenn 2018, mit Eintritt des Endes der Steinkohleförderung, die Grundwasserabsenkung in den Bergwerken beendet ist.

Da die Bergwerke im Ruhrgebiet und dem Niederrhein nach Friedrich untereinander in physikalischer Verbindung stehen, indem sie geologisch und wasserwirtschaftlich mit einem Röhrenverbund und einem unterirdischen Strömungsnetz eine zusammenhängende Landmasse bilden, wären nach seiner Einschätzung die Kosten einer Sanierung des hochtoxischen Mülls enorm.

Der Abfall wurde nachweislich in den Neunzigern zur sogenannten Hohlraumverfüllung stillgelegter Stollen eingesetzt. Nach Angaben der RAG und der Bergaufsicht in NRW wurde dazu ein aufwendiges und wissenschaftlich begleitetes Spezialverfahren gewählt, das einen Austritt von giftigen Stoffen wie Dioxin oder Schwermetallen völlig sicher ausschließe. Das sei auch durch Proben belegt worden. Eine Gefahr für Wasser oder Umwelt bestehe nach Ansicht der RAG und der Bergaufsicht nicht.

„Wenn sich dieses Schreckenszenario jedoch bewahrheiten sollte, wäre das ein Skandal sondergleichen“ sagt Ralf Welters von den Walsumer Grünen.

„Ich finde die jetzige Sorge der Menschen, der Landwirte und des Landesumweltministeriums berechtigt und unterstütze die Einleitung einer Überprüfung. Ich frage mich jedoch, wie viel Sondermüll schlummert eigentlich im Bergwerk Walsum und wie ist es um die Sicherheit bestellt? Diese Antwort müssen uns die RAG, aber auch verantwortliche Personen des Bergbaus aus der jetzigen und damaligen Zeit liefern, das sind sie der Bevölkerung, nicht nur hier in Walsum, schuldig“ fügt er hinzu.

„Ich werde entsprechende Anfragen in die politischen Gremien stellen, um eindeutige Antworten zu bekommen“ so Welters weiter.

Schon 1995 kritisierten Umweltschützer des BUND die gängige Praxis einer „Giftmüllentsorgung“ durch „Etikettenschwindel“. Laut einem Bericht des Fokus vom 13.02.1995  verschwand die anfallende Last des produzierten Giftmülls in Deutschland – unter falschem Namen – in Bergwerken, die als eine solche Deponie nicht zugelassen waren. Dort sollen neben harmlosen Bauschutt gefährliche Schlacken und Filterstäube aus Sondermüllverbrennungsanlagen vermengt und als gewöhnlicher Abfall deklariert eingelagert worden sein.

Als Grund dieser Entsorgungspraxis vermutet Welters, genau wie Friedrich, das die nach dem damaligen Abfallrecht entstandenen Kosten für die Entsorgung einer Tonne dioxinhaltigem Filterstaubs 500 – 800 D-Mark, auf eine eigens dafür vorgesehenen Sonderdeponie, lagen und man sich deshalb für diese „Billigvariante“ entschlossen hatte.

Das, was bisher nachweislich bekannt ist und das Bergwerk Walsum betrifft, ist zum Beispiel eine Betriebsplanänderung für die Verbringung von Filterstaub und Filterschlamm der Firma Krupp-Thyssen-Nirosta aus dem Jahre 1998, der in den Bruchhohlräumen der Flöze Anna und Hermann-Gustav im Binsheimer Feld und des Flözes Zollverein 7/8 im Walsumerhorst-Altfeld, eingelagert wurde.

Um wie viel Tonnen es sich hierbei handelt, ist für den Grünen Welters jedoch nicht erkennbar.

„ Ich bin mit dem BUND ganz konform, wenn er sagt, das sich in 500-800 Metern Tiefe eine tickende Zeitbombe befindet“ so Welters abschließend.

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