Von Musikenthusiasten

Deutsch: Die Pfarrkirche St. Joseph vom Dellpl...

Deutsch: Die Pfarrkirche St. Joseph vom Dellplatz aus fotografiert (Photo credit: Wikipedia)

Nachdem mich der Samstag ziemlich unbefriedigt gelassen hatte – obgleich es was zum Kuscheln gab -, stimmte mich der Sonntag insgesamt versöhnlicher. ‘The Dorf’, die ab 18:00 Uhr den Dellplatz eroberten, eher eine musizierende Kommune denn eine Band, brachte unter der Leitung von Jan Klare einen bläserbetonten Jazz dar, der mit einigen Gitarren bis in den Jazz-Rock reichte. Viele Instrumente waren mehrfach besetzt, auch die Rhythmusgruppe, zu der zwei Schlagezeuge und -zeuger gehörten. Die Präsenz von Schlagzeug und Bass blieb bei den meisten Stücken jedoch im Hintergrund. Erst zum Schluss erhielten speziell die Schlagzeuger eine Chance, sich Gehör zu verschaffen. Die traditionelle Orientierung am typischen Big-Band-Sound war vielleicht etwas altbacken, dennoch gehörte ‘The Dorf’ zum Besten, das an dem Wochenende zu hören war. Sogar die Kirchenglocken schwangen nach der Zugabe.

‚Troja’ ist ein Quartett, das es noch gar nicht lange gibt. Es spielte in der Kneipe des ‘Grammatikoff’, während im Saal Blixa Bargeld mit seinem satirischen, mephistoösen Programm gastierte. Auch diese Formation zeigte sich im traditionellen Jazz verwurzelt, bis hin zu gedoppelten, thematisch angeschlagenen Stimmen und einem walkend knurrenden Bass, hat sich über Philippe Micol (Saxophonist, Klarinettist) aber auch eine Tür zur improvisierten Musik geöffnet, die Elemente aus FreeJazz und Neuer Musik einbezieht. Das Quartett spannte einen Bogen, der noch einen großen, von ‘Troja’ bislang unbetretenen musikalischen Raum lässt!

Tim Isfort ist es zu verdanken, dass ‘Myanmar’ auf dem Dellplatz zu hören war. Viele Musiker der Gruppe stammen aus Südostasien. Es gehören aber auch einige europäische Musiker dazu, u.a. Tim. Die Musik ist traditionell ausgerichtet, bot dennoch eine Bereicherung des Festivals. Ich stellte mir die Frage, ob über die tradionelle Pentatonik nicht auch Bezüge zum modalen Jazz möglich wären …

Nach einem abschließenden Bier im ‘Goldengrün’ verließ ich das Dellviertel, mit der Gewissheit, dass ein solches Festival vor 20 Jahren kaum möglich gewesen wäre. Ich freue mich über das vielfältige Engagment von Musikenthusiasten in dieser Stadt!

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