Duisburg: Friede, Freude, Nazis raus

Keine besonderen Vorkommnisse während der Gegendemos zu den winzigen Kundgebungen von Pro Deutschland an der Marxloher Merkez-Moschee und am Bergheimer Romahochhaus.

Bürgerschaftliches Engagement: Nazis verpisst Euch, niemand vermisst Euch

Bürgerschaftliches Engagement: Nazis verpisst Euch, niemand vermisst Euch

Was zu erwarten war: Mehrere hundert Duisburger stellten sich heute in mehreren Kundgebungen der rechtsextremistischen Kleinpartei Pro Deutschland entgegen. Wie schon zuvor in Münster und Dortmund reiste diese mit einem halben Dutzend an.

Nach wie vor gilt der demokratische Duisburger Konsens: In dieser Stadt kriegen Rechte kein Bein auf die Erde.

Das minutengenaue Abfeiern des Demonstrationsgeschehens erledigen andere.

Deswegen hier ein wenig Demoklatsch. Aufgeschnappt rund um das Bergheimer Demonstrationsgeschehen.

Hysteriefaktor.

Die von der Duisburger Polizeipräsidentin Elke Bartels am Vortag herausgegebene Terrorwarnung hat sich nicht bestätigt. In einer eigens anberaumten Pressekonferenz spekulierte die Behördenleiterin über gewaltbereite Demonstranten, die von ausserhalb anreisen könnten. Dies würden Erkenntnisse aus dem Internet nahe legen. Erkennbar seien derlei Subjekte an ihrer schwarzen Kleidung.

Tatsächlich war mit der einzige schwarz Gekleidete der journalistisch beobachtende Ruhrbarone-Chef Stefan Laurin. Laurin auf Nachfrage: „Ich hab‘ leider nix anderes anzuziehen.“

Ordnungsdienst.

Den Ordnungsdienst vor dem Romahochhaus versahen stämmige Herren in gelben T-Shirts. Mit dem Aufdruck: ‚Stimme der Migranten‘. Dabei handele es sich um einen ambivalent beleumundeten Verein, wie Insider sagten. Einerseits habe dieser durchaus das Verdienst, den Bewohnern des Hochhauses etwa Kulturtechniken wie ‚Treppe putzen‘ beigebracht zu haben. Andererseits wäre deutlich ersichtlich, dass es dem Verein nur um ‚das Abgreifen von Staatsknete‘ ginge. Insoweit habe dieser womöglich gar ein Interesse an der aktuellen instabilen Situation in Bergheim. Unklar ist, ob den gelb bewamsten Hausordnern diese Hintergründe klar waren.

Link (offenes Hemd).

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) traf auf das Volk und auf Volkes Stimme. Geduldig bewegte er sich unter den Demonstranten zu seinem Redebeitrag auf der LKW-Bühne neben dem Haus. Immer wieder innehaltend, immer angesprochen. Vor allem von Hochhaus-Nachbarn. Und vor allem dergestalt: „Das ist ja ein Witz, das ist ja der blanke Hohn, wie die hier hausen, wie die sich verhalten, die machen Lärm den ganzen Tag, hier ist immer Palaver.“ Link, begleitet von seinem schweigsamen Ordnungsdezernenten Wolfgang Raabe, blieb darob bemerkenswert gelassen.

Jäger (rote Krawatte).

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) legte Wert darauf, „als Privatperson und Demonstrationsteilnehmer“ anwesend zu sein. Wohl deswegen liess er sich von vier Leibwächtern schützen und sprach in jede Kamera.

Schneider (T-Shirt).

Die grösste grüne Parteiflagge von insgesamt drei führte der Bundestagskandidat der Froschfarbigen, Matthias Schneider, mit sich. Der Geschäftsführer eines Softwareunternehmens ist in sozialen Netzwerken für seine Einbringungsbereitschaft bekannt.

Bischoff (kurzärmelig und krawattiert).

Der Duisburger DGB-Chef Rainer Bischoff liess es sich nicht nehmen, die vom DGB angemeldete Kundgebung zu moderieren. Mitte des Monats geriet der auch als sportpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion firmierende Multifunktionär mit einer Erklärung zum Romahochhaus in die Schlagzeilen. Er forderte dessen Nachbarn auf, sich von rechtsradikalen Parolen zu distanzieren. Was diese als rechtsradikale Verortung ihrer selbst verstanden. Und auch innerhalb der Duisburger Einzelgewerkschaften wurde dieser Appell kritisiert. Im Einschätzungsspektrum von „wenig hilfreich bis völlig ahnungslos.“

Promifaktor.

Weil Wahlkampf und es selbstverständlich ist nahmen am Bergheimer Demonstrationsgeschehen Politicos aller Grundfarben teil. Bezirksvertreter, Ratsmitglieder, Land-und Bundestagsabgeordnete. Gewissermassen ein repräsentativer Querschnitt aus der Grundgesamtheit des demokratischen Duisburg.

Und die Nazis?

Aus meiner Sicht: Nicht ernstzunehmen. Dazu weiter bei Alex und Stefan bei den Baronskis.

 

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