Offener Brief: Erhalt der Platanen an der Mercatorstraße in Duisburg

jens-0741Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Hericks,

als Bürger, der ich um den Erhalt des alten Baumbestands an der Mercatorstraße vor dem Duisburger Hauptbahnhof kämpfe, habe ich mich sehr über eine kürzlich in der WAZ erschienene Stellungnahme Ihrerseits gefreut: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn diese schönen Bäume erhalten bleiben könnten, denn schließlich sind ja mit dem Projekt „Mercator-Office“ auch eine Gastronomie und ein Hotel geplant und dafür ist ein attraktives Umfeld mit etwas Grün sehr viel schöner.“ Der vollständige Artikel kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/platanen-am-hauptbahnhof-duisburg-muessen-nicht-fuer-neubau-gefaellt-werden-id8173225.html .

Ich muss Sie nun leider darüber informieren, dass insbesondere Baudezernent Carsten Tum kürzlich bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung im „Kleinen Prinzen“ behauptete, Ihr geplantes Verwaltungsgebäude vor dem Hauptbahnhof stehe nicht nur vom Grundsatz her, sondern auch hinsichtlich jener Details, die angeblich die Fällung der Platanen erfordern, Ihrerseits nicht zur Disposition. Dies betreffe insbesondere die Einfahrt in die Tiefgarage und einen Vorbau.

Ich wende mich nun hoffnungsvoll an Sie als den Investor, dessen geplantes Gebäude nun als Begründung dafür herhalten muss, dass die Baumfällung im Ergebnis alternativlos sei. Ich gehe davon aus, dass auch Ihrerseits handfeste wirtschaftliche Interessen am Erhalt der Alleebäume bestehen sollten. Hier sei insbesondere die Qualität der Immobilienlage genannt, die bei einer guten Durchgrünung, wie wir sie ja noch haben, höher zu bewerten ist. Diese ist ein handfestes Attraktivitäts-Kriterium, das regelmäßig bei der Erstellung von Mietspiegeln herangezogen wird.

In Zeiten, in denen Passantenfrequenzen als „harte Fakten“ über A-, B- und C-Lagen entscheiden, wird zudem die mittel- bis langfristige Wertentwicklung von Grundstück und Gebäude maßgeblich davon abhängen, ob die weitgehend intakte mittelständische Struktur an der Mercatorstraße erhalten bleibt oder ob eine unwirtliche Gestaltung dazu führt, dass Kunden fernbleiben und dadurch Läden und Praxen in größerer Zahl schließen müssen. Wie der Innenhafen und der Sonnenwall in Duisburg oder der Wehrhahn in unserer Nachbarstadt Düsseldorf zeigen, sind dies leider Entwicklungen, die sich binnen weniger Jahre auf dramatische Art und Weise abspielen können, wenn Stadtplanung mit der Axt vorgenommen wird oder wenn man auf Warnsignale nicht reagiert. Kurz gesagt: Es geht darum, welchen Wert Ihr Grundstück und Ihr Gebäude in 5 oder 10 Jahren zu Ihrem betrieblichen Aktivvermögen beitragen werden!

Bitte unterschätzen Sie hier den „weichen“ Faktor nicht, ob wir Duisburgerinnen und Duisburger noch das Gefühl haben, dass dies „unsere“ Stadt ist. Wir Menschen im Ruhrgebiet sind es gewohnt, dass nicht alles in unserer Heimat nach klassischen Maßstäben schön ist. Worauf wir aber großen Wert legen, ist die Beibehaltung gewachsener städtischer Strukturen – wir möchten uns nicht in einer unpersönlichen Steinwüste wiederfinden. Uns sind die grünen Oasen in Duisburg sehr ans Herz gewachsen – unterhalten Sie sich mit Einheimischen über den Kaiserberg, die Sechs-Seen-Platte und den Landschaftspark Nord, und Sie werden wissen, wovon ich spreche. Deshalb hängen der Ruf eines Investors und die Akzeptanz, die er für seine auf Verkaufsumsätze zielenden Projekte hier erzielt, maßgebend davon ab, inwieweit man den Eindruck hat, dass auf die Bedürfnisse der Duisburgerinnen und Duisburger eingegangen wird.

Ich bitte Sie deshalb, sich zu folgenden Punkten konkret zu äußern:

1.Fanden nach Ihrer Stellungnahme Verhandlungen zwischen Ihnen und der Politik oder der Verwaltung der Stadt Duisburg statt?

2.Wenn ja, mit wem und über welche Punkte wurde diskutiert? Wie waren die Standpunkte, und wurde Einigkeit erzielt, oder blieb letztlich ein Dissens offen?

3.Steht, wie Planungsdezernent Carsten Tum behauptete, der Gebäudezuschnitt auch in Details nicht mehr zur Diskussion? Falls doch: Welche konkreten Punkte stehen noch zur Diskussion, und zu welchen Kompromissen sind Sie hier gegebenenfalls bereit?

4.Falls Sie zu 3. keine Änderungsmöglichkeiten sehen: Welche realistischen Vorschläge haben Sie, wie die Mecatorstraße doch noch baumerhaltend gestaltet werden kann? Inwieweit sind Sie bereit, sich für den Erhalt der Bäume öffentlich stark zu machen?

Da die Baumfällungen offiziell beschlossen sind, drängt nunmehr die Zeit ein wenig. Ich möchte Sie deshalb darum bitten, sich bis zum 31. Juli zu den aufgeworfenen Fragen zu äußern. Schon jetzt kann ich Ihnen versichern, dass eine substantiierte Stellungnahme, die uns der Problemlösung näher bringt, von allen Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt Duisburg honoriert wird. Sie haben die einmalige Chance, als der „Ausnahme-Investor“ dazustehen, der sich für den Erhalt des hiesigen Mittelstandes engagiert, der ernsthaft Lösungen für die lokalen Belange sucht und der bewirkt, dass sich alle Beteiligten doch nochmals an einen Tisch setzen, anstatt voreilig Fakten zu schaffen – nutzen Sie sie!

Mit freundlichen Grüßen

Jens Schmidt, Gründer der Facebook-Seite „Occupy Mercator“

One thought on “Offener Brief: Erhalt der Platanen an der Mercatorstraße in Duisburg

  1. Danke für den Artikel, danke für die Anfrage bei MD. Schätze, die schwache Stadtplanung, die eine Reihe von Projekten in den Sand gesetzt hat, versteckt sich hinter MD. Nur, wenn MD eindeutig Position bezieht, haben die Platanen eine Überlebenschance. Ansonsten werden sie von den phantasie-, hilflos- und traditionell planlosen Stadtplanern abrasiert. Innenhafen? Baumlos, kahl. sog. „Jachthafen“? Baumlos, kahl. Theatervorplatz? Baumlos,kahl. Parallelkanal an der Regattabahn? Baumlos, kahl. Unsere Stadtplaner scheinen Baumhasser zu sein. Hallo? Bäume sind die Seele einer Stadt. Nur in Duisburg haben sie offenbar keinen Stellenwert mehr. Tum ist ein nichts als ein negativer Abklatsch seiner Vorgänger. Neuanpflanzungen entfalten erst in Jahrzehnten ihre volle Schönheit. Dann liegt die derzeitige Stadtbevölkerung längst unter der Erde. Wir wollen Baumschönheit für UNS erhalten, JETZT und nicht erst in 30 Jahren! Oh, Mann, was würde Axel Krause wohl dazu sagen? Eine Menge, denke ich. Er wäre heute auch im Karl-Lehr-Tunnel. Gruß an Axel, Du fehlst, RiP.