Betroffenen Initiative LoPa 2010 e.V.: Duisburg bleibt untätig bei Unterstützung der Hinterbliebenen

Es sind nur noch wenige Wochen, dann jährt sie sich wieder, die Duisburger Loveparade-Katastrope von 2010. 2013 steht der dritte Jahrestag vor der Tür. Drei Jahre – eine lange Zeit, könnte man meinen, aber bisher steht lediglich: Duisburg hat einen neuen Oberbürgermeister, einen neuen Ombudsmann für Loveparade-Betroffene und eine neue von Betroffenen und Unterstützern bitter erkämpfte Gedenkstätte am Unglücksort. Bis zum 24. Juli 2013 wird das einstige Provisorium Geschichte und die offizielle Gedenkstätte fertiggestellt sein. Was macht die Stadt Duisburg? Bisher nichts.

Es ist wie immer die Notfallseelsorge, die zunächst bei der Gruppe der Angehörigen, dann bei Betroffenen den seelsorgerischen Bedarf schriftlich ermittelt. Bedarf ist zweifelsohne auch 2013 vorhanden. So wundert sich niemand, wenn die Notfallseelsorge in diesen Tagen Betroffene der Loveparade 2010 herzlichst für den 23. und 24. Juli 2013 in das Duisburger Mercure Hotel einläd. Abendliche Aktivitäten von Vereinen und Initiativen sind nach einem gemeinsamen Abendessen anschließend nach eigener Bedürfnislage zu planen oder zu besuchen.

Am Jahrestag des Unglücks am Mittwoch, den 24. Juli 2013 wird man vom Hotel aus gemeinsam zur Karl-Lehr-Straße fahren, wo ab 15.00 Uhr unter Ausschluss der Öffentlichkeit an den Unglücksort gegangen und der Katastrophe des Jahres 2010 gedacht werden darf. Ab 16.30 Uhr sollen die Angehörigen verstorbener Opfer an den Unglücksort kommen und dort in ihrem Kreis ihrer Lieben gedenken. Ein Team der Notfallseelsorge, – welches in der Regel acht Seelsorger umfasst, – steht am 24. Juli 2013 ab 16.15 Uhr im Hotel Mercure zu Einzel- und Kleingruppengesprächen zur Verfügung, heißt es in der Einladung.

Zur „Erinnerung und auch zur Mahnung “ hatte der Duisburger Stadtrat auf Antrag von SPD, Grünen und Linke in seiner Sitzung am 11. Juli 2011 einstimmig beschlossen, dass die Stadtverwaltung mit den Angehörigen und Vertretern der Opfer über „eine jährlich wiederkehrende Veranstaltung im würdigen Rahmen am 24. Juli“ sprechen soll. Knapp zwei Jahre später setzt Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link einen Ombudsmann für Loveparade-Betroffene ein. Und schon werden sie offenbar: Die Interessenskonflikte und Wunden, die nicht verheilen. Am 24. Juli 2013 geht es weniger um Einzelschicksale, sondern um den Umgang mit der Katastrophe als solche. Was im Vorfeld völlig ungeklärt bleibt, wie sich die Stadt Duisburg, das Land Nordrhein-Westfalen, die AXA oder auch die Lopavent GmbH die Finanzierung des jährlichen Gedenkfeiertages vorstellen.

Während in beiden Vorjahren die Stiftung der Notfallseelsorge unter Finanzierung des Landes NRW zu Treffen oder Jahrestagen eingeladen hat, waren damit für Betroffene die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung abgedeckt. Pro Veranstaltung wurden für alle Loveparade-Betroffenen einschließlich Hinterbliebene bis zu 50.000.- Euro abgerechnet. Zum 24. Juli 2013? Fehlanzeige. Stattdessen heißt es in der diesjährigen Einladung lapidar: „In diesem Jahr seid Ihr gebeten, Eure Anreisekosten selbst zu übernehmen und Zimmer / Unterkünfte nach Bedarf selbst zu wählen und zu bezahlen. Teilnehmer mit weiter Anreise können bei der Stiftung Notfallseelsorge bei Bedarf einen Zuschuss zu den Kosten beantragen.


Die Politik regelt unter sich: Aufgrund Untätigkeit seitens der Stadt Duisburg, erging am 6. April 2013 vom Betroffenen Initiative LoPa 2010 e.V. ein Hilfe ersuchendes Schreiben an die Ministerpräsidentin des Landes NRW Hannelore Kraft. Antwort? Keine. Stattdessen wird noch im April 2013 seitens der Stadt Duisburg unverhofft ein Ombudsmann für Loveparade-Betroffene ernannt. Pastor Jürgen Widera, der die Schicksale und Lebensläufe einzelner neu kennenlernt, vertritt die Ablehnung bezüglich Kostenübernahme für den dritten Jahrestag eher einsilbig, aber dafür mit einem deutlichen „Nein“. Diese angespannte Situation würde für ausnahmslos alle Beteiligten ins Auge gehen, wären da nicht zwischenzeitlich sich selbst organisierende Betroffene, die mit Herz und Verstand allen Mut aufbringen und sich in ihrer Not mit der Lopavent GmbH in Verbindung setzen. Dort erkennt man den zwingenden Handlungsbedarf und arrangiert sich mit der Notfallseelsorge. Eine Aufgabe, die die Stadt Duisburg bzw. ihr Ombudsmann im Sinne Hinterbliebener und Betroffener dieser Katastrophe hätte wahrnehmen müssen.

Gestrige Gespräche zwischen Ombudsmann Widera und Vertretern des Betroffenen Initiative LoPa 2010 e.V. ergaben, dass die Stadt Duisburg längst reagiert und – wie in den Vorjahren auch – ein Budget von 50.000.- Euro zur Verfügung gestellt hat: der Stiftung der Notfallseelsorge, welches die nun ausschließlich zur Betreuung der Angehörigen und Betroffenen am 23. und 24. Juli 2013 einsetzen möchte. Für 31 Stunden seelsorgerische Leistung im Schichtbetrieb ein zu hoher Preis, wenn man bedenkt, dass Hinterbliebene aus Spanien, Italien, China und Australien oder Hartz IV empfangende Betroffene gegenüber der Notfallseelsorge ihren finanziellen Bedarf nachweisen sollen, nur um beispielsweise in Duisburg am Vorabend des dritten Jahrestages unter seelsorgerischer Obhut im Hotel Mercure gemeinsam zu Abend essen zu dürfen.

Das sind die Bedingungen, unter denen man das eigene Gedenken gerne noch einmal neu überdenkt. Während Hinterbliebene in Erwägung ziehen, sich gruppenweise in einer Jugendherberge einzuquartieren, sind aus der Gruppe der Betroffenen bereits mehrere Absagen eingegangen. Bleibt die Möglichkeit, dass die Stiftung der Notfallseelsorge in der Öffentlichkeit für Transparenz sorgt oder aber die Gruppe der Betroffenen der Notfallseelsorge-Stiftung den Auftrag für die seelsorgerische Betreuung des dritten Jahrestages öffentlich entzieht und anderweitig den Bedarf regelt. An Finanzen kann es ob der frei werdenden Steuergelder und der Unterstützung der Lopavent GmbH kaum scheitern.   

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