Krützberg, pack es an! oder Duisburger Kulturbaustellen

Die Duisburger Kultur windet sich in Agonie: das Lehmbruck Museum ist nah der Insolvenz, die Bühnenstücke spielen in den Niederungen des Operettenfriedhofs, die Festivals sind fast eingestampft … wofür noch einen Kulturdezernenten beschäftigen?

Reinhard Matern in Xtranews am 11.12.2012

450x450.pm1.bgF0F0F0

Wird sich in neuen Aufgabenfeldern beweisen müssen: Thomas Krützberg

Mit Familien kennt sich der ehemaligen Jugendamtsleiter und ernannte neue Kulturdezernent der Stadt Duisburg sicherlich aus. Wie das mit der Bildung bestellt ist weiß man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht – aber um das herauszufinden und um sich vorzustellen und gegenseitige Erwartungen zu formulieren lädt das Djäzz am 25.05. zu einer Podiumsdiskussion ein. Dass es einer bedarf, ist angesichts der Kulturbrände in der Stadt wohl außer Frage zu stellen. Hier wird Krützberg dann auch Gelegenheit haben seine Vorstellung präzise zu erläutern – bisher ist das alle noch etwas im Ungefähren. Von einem Ausbau und einem Erhalt der Duisburger Kulturlandschaft ist da die Rede. Ein gutes kulturelles Klima soll in der Stadt herrschen. Allein dieses letzte Ziel ist mehr als ehrgeizig, Duisburg als Bildungsstadt Nummer Eins zu etablieren ist wohl eher mehr Wunsch als wirklich anvisierbares Ziel. Gerne wäre ich am 25.05. in der Doppelrolle als Vertreter einer Duisburger Kulturwissenschaftsgruppe sowie als rasender Reporter erschienen – ein anderer Termin hindert mich daran. Grund genug schriftlich schon mal Themen für den Abend vorzulegen. Mag sein, dass der Ein oder Andere dann einige Überlegungen weitergeben kann.

Nachwehen der Opern-Ehe-Rettung

Zwar ist die Opern-Ehe Duisburg-Düsseldorf, die gar manches Mal in der letzten Zeit nur knapp an einer Scheidung vorbeigeschrammte, vermutlich gerettet. Die politischen Nachwehen aber werden uns noch einige Zeit beschäftigen – abgesehen davon, dass es weniger Vorstellungen hier in Duisburg geben wird und auch Geld gekürzt wird. Die Diskussion über die Opern-Ehe hat das zwiespältige Verhältnis der Duisburger zu ihrer Oper gezeigt: Einerseits gab es Unterschriften über Unterschriften für den Erhalt der Oper an sich, die Besucherzahlen-Statistik dagegen war allerdings bis dahin eher nicht ganz so gut. Während der Diskussion zeigte sich: Die Oper wird als zu elitär empfunden, teilweise gab es Stimmen die fragten, ob sich Duisburg überhaupt eine Oper leisten können sollte wenn die Auslastungen nicht stimmen würden. Angesprochen wurde auch die gefühlte Mehrzahl der „Operetteninszenierungen“ – wobei sich da mit einem Blick auf den Spielplan der vergangenen Jahre wohl einige finden lassen, so unter anderem gegen Jahresende, die reguläre Inszenierung der „Lustigen Witwe“ mit Harald Schmidt ist allerdings schon etwas her. Bedeutender aber waren die Verwerfungen innerhalb des Kulturausschusses. Die üblichen Parteienspielchen und Zänkeleien warfen nicht nur ein trauriges Bild auf die Sachlage; dies gilt für alle Parteien übrigens – sie lassen auch ahnen, dass der neue Kulturdezernent es nicht unbedingt  leicht haben wird seine Ziele durchzusetzen. Hier können eine feste Hand, eine streitbare Darstellung der eigenen Position sicherlich nicht fehlen – etwas, was beim letzten Dezernenten bekanntlich schmerzlich vermisst wurde.

Mercator und TAM

Wöchentlich kommen derzeit neue Horrormeldungen was die Lage in der Mercator-Halle betrifft – das Haus der Duisburger Philharmoniker ist wie der Berliner Flughafen weitab jeglicher Öffnungsdaten. Das schwere Erbe von Pfuschern wird die Amtszeit des neuen Kulturdezernenten durchaus prägen – ebenso ist die Frage nach dem Verkauf des TAM eine, die ebenfalls noch einer Antwort bedarf. Allerdings kann bei beiden Themen der Kulturdezernent wohl kaum eingreifen – doch seine Meinung und seine eventuelle Vorgehensweise bei diesen beiden Brandherden wird sicherlich gerne gehört werden.

Freie Szene: Wie hält es Krützberg damit?

Wer bisher etwas Konkretes vermisste, bitte: Krützberg muss als Kommunikator zwischen Stadt und Freier Szene fungieren. Krützberg sollte klar Stellung beziehen, wie er es mit der Freien Szene generell hält. Wie wird die Stadt die immer noch drängende Frage nach bezahlbaren Ateliers klären? Was ist mit dem Ordnungsamt, könnte hier nicht endlich eine vernünftige Kommunikation zwischen Künstlern und Amt hergestellt werden anstatt die Ordre par Mufti? Ist die uralte Idee des Grünen Tisches vielleicht eine, die man endlich mal verwirklichen könnte? Wie könnten Leerstände in der City kreativ genutzt werden? Bisher hat Janssen es immerhin geschafft, dass die Freie Szene sich gemeinsam gegen das Amt verbündete – Krützberg scheint den Fehler des Vertröstens und Abwiegelns nicht machen zu wollen.

Autonomes Jugendzentrum

Permament gefordert, passende Gebäude wurden schon mal besetzt und wieder geräumt – zuletzt etwas in den Hintergrund geraten: Ein Autonomes Jugendzentrum in Duisburg. Hier sollte Krützberg klar sagen, ob die Stadt willens und in der Lage ist ein solches Zentrum zu errichten oder zumindest die Planer soweit es geht gewähren zu lassen. Zwar wurden unter Krützbergs Leitung durch das Jugendamt mehrere Treffs auch in den Problembezirken der Stadt errichtet, vermisst wird aber weiterhin ein Ort an dem eigenorganisiert entschieden werden kann. Hier ist definitiv Krützberg gefordert.

Kreativquartier Ruhrort und Kreativwirtschaft an sich

Wie steht Krützberg zum Kreativquartier Ruhrort: Welche Ziele verfolgt er in Hinsicht darauf? Was wird er tun um die dortige Kreativwirtschaft zu unterstützen? Oder wird er die Ruhrorter weiterhin eigenverantwortlich gewähren lassen? Was sicherlich für Einige die beste Option wäre, allerdings wurde ja auch ab und an die fehlende Unterstützung der Stadt bei manchen Projekten für Ruhrort bemängelt.

In dem Zusammenhang gilt auch zu fragen in wieweit Krützberg sich generell für die Kreativwirtschaftler jeglicher Couleur – von IT über PR-Firmen bis hin zu Läden wie Onkel Stereo – interessiert und wo da die Schwerpunkte seiner Arbeit gesetzt werden. Wie soll sich die Kreativwirtschaft generell weiterhin entwickeln und welche Umgebungsvariablen stellt die Stadt dafür bereit? Über Streetart und Urban Gardening reden wir erstmal nicht…

Traumzeit und Akzente

Nicht wieder erleben möchte ich einen Tanz um den heißen Brei herum wenn es um die Frage nach der Zukunft der beiden Festivals geht. Ob das neue Konzept der Traumzeit aufgehen wird bleibt noch abzuwarten, Krützberg sollte sich hier aber definitiv erklären: Wie soll es mit diesen Festivals generell weitergehen? Wie könnten neue Sponsoren gewonnen werden? Was ist mit den Akzenten? Braucht Duisburg nicht eher viele kleine geile Festivals statt größeren Events wie etwa einem „Braveheart“-Musical? Wie sieht Krützberg hier seine zukünftigen Arbeitsfelder?

Zweigstellen, Bücherbuch und Bibliothek

Ob man im Jugendamt viel mit der Leseförderung zu tun bekommt? Immerhin ist Krützberg laut eigener Angabe eng mit der Stadtbibliothek verbunden. Dies kann ein Vorteil sein – dann, wenn es um die Fragen der Leseförderung generell, der Zukunft der IKIBU und ob weitere Zweigstellen geschlossen werden müssen weil der Haushalt der Stadt das so vorsieht.

Sicherlich gibt es noch mehr Punkte, die am 25. Mai auf den Tisch gepackt werden – es bleibt zu hoffen, dass es zu einem konstruktiven Miteinander kommt. Allerdings: Wenn ich mir die zersplitterte Kulturszene so anschaue…

3 thoughts on “Krützberg, pack es an! oder Duisburger Kulturbaustellen

  1. Fehlt hier nicht auch das MSV Stadion, was demnächst auch für Kultur genutzt werden könnte, wenn es die Stadt wirklich übernehmen und sinnvoll betreiben würde.