Wie verrückt

Radio INBETWEENheutzutage einen Radiosender ins Leben zu rufen, der sich auf Zeitgenössisches aus Jazz, Klassik und in between konzentiert … Mainstream auf allen Kanälen, in welcher Medienland- und -sublandschaft auch immer. Sogar aus den öffentlichen Einrichtungen, in denen vor 10 oder 15 Jahren aktueller Jazz und ‘Neue Musik’ berücksichtigt wurden, ist kaum noch was zu hören. Der allgegenwärtige Pop-Betrieb erfüllt hingegen Sehnsüchte und Gefühle, mit Terzen noch und nöcher, ob als hart geschlagene Grundtonorgie oder als Schlagerparade, musikalisch ist der Unterschied nebensächlich, es zählen Befriedigungen wie beim Durchleben eines LSD-Trips. Auf einer ähnlichen Welle reiten auch die Ensembles, Philharmonien und Operhäuser, deren Programme gerade mal bis ins 19. Jhd. reichen. Allesamt voll auf Droge?

Wie immer man den gesellschaftlichen Einbruch des kulturellen Interesses interpretieren mag … Eventuell hat es ein solches auch zuvor nicht gegeben, sieht man vom Engagement der Künstler und einiger fachlich versierter Redakteure ab, vielleicht beschränkte sich das bürgerliche Interesse ehemals schon darauf, einen Abglanz zu erhaschen, weil Kultur adeln könnte? Standen nicht auch schon in der Zeit, als Zeitgenössisches noch gespielt wurde, gesellschaftliche Ereignisse im Zentrum, nicht künstlerische? Wie auch immer, wenn Kultur entbehrlich geworden ist, dann hat sie nichts erreicht!

Je nach präferierem Kulturbegriff ließe sich freilich auch das Milieu jener Drogenabhängigen zur Kultur zählen. Es diente ja stets zur Bewusstseinserweiterung, hatte eine beeindruckende transzendierende Funktion, fort von all dem Trouble in Arbeit, Familie … bis hin zu Glück und Ekstase am steinzeitlichen Feuerplatz? Nicht? Damit wird ein kleiner Radiosender in keinem Fall konkurrieren können.

Wie dem auch sei, Radio INBETWEEN ist auf einfache Weise online zu erreichen: laut.fm/inbeween – und sogar eine Facebookseite wurde erstellt, um die Aktivitäten zu dokumentieren: http://www.facebook.com/pages/In-between/648887801793986

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Der Beitrag ist zuvor beim Freitag erschienen: http://www.freitag.de/autoren/rmatern/wie-verrueckt

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