Fluggesellschaft verweigert contergangeschädigtem Landtagsabgeordneten die Reise in den Osterurlaub

Vor wenigen Tagen ereignete sich nach Aussage von Stefan Fricke folgendes.

Der Landtagsabgeordneter der Piratenfraktion NRW aus Köln, strandete am Abend des 23. März in Paris, weil Cathay Pacific ihm den Weiterflug nach Cebu (Philippinen) verweigerte.

Nachdem es wegen eines technisches Versehens – die Lufthansa hatte irrtümlich den zur Reise benutzten Rollstuhl von Fricke nicht mit nach Paris befördert -, welches von der LH schnell und unbürokratisch gelöst wurde, es bei der Ankunft des Landtagsabgeordneten zu einer kurzen Verzögerung kam, sah sich Stefan Fricke gegen halb acht Uhr Abends dann mit wesentlich größeren, und wie sich später herausstellte, unüberwindlichen Hindernissen konfrontiert: der menschlichen Unzulänglichkeit.

Als er am entsprechenden Terminal in Charles de Gaulle ankam, war das Computersystem der Cathay ausgefallen. Er konnte trotzdem einchecken, die Bordkarte wurde ihm per Hand ausgestellt. Am Gate wurde ihm dann, obwohl er bereits mehrfach mit Cathay Pacific diese und ähnliche Strecken problemlos geflogen war, der Zugang zum Flugzeug verweigert. Als Begründung wurde vorgebracht, dass das Personal nicht in der Läge wäre, seinen sanitären Bedürfnissen Rechnung zu tragen.
Als erfahrener Langstreckenflieger kennt Stefan Fricke jedoch diese Problematik und ist entsprechend vorbereitet.
Ein dazu gerufener Supervisor der Cathay Pacific eröffnete Fricke dann, dass er deshalb nicht mit Cathay weiterfliegen könne, sondern mit LH zurück nach Frankfurt solle und von dort nach Sydney flöge, er bzw. Cathay Pacific hätte bereits alle entsprechenden Buchungen getätigt.
Zurückgekehrt zum LH-Terminal stellten sich jedoch die Aussagen der Cathay-Mitarbeiter als fantasievolle Erzählungen heraus, denn bei der deutschen Fluggesellschaft war davon nichts bekannt.

Ein Versuch, den Verantwortlichen der Cathay Pacific am Flughafen Charles de Gaulle zur Rede zu stellen, lief ins Leere, weil dieser sich verleugnen ließ.

Ein Gespräch mit dem LH-Verantwortlichen ergab, dass dieser von seinem Cathay-Kollegen die Auskunft erhalten hatte, Stefan Fricke wäre überhaupt nicht für den Flug gebucht gewesen. Eine Aussage, die sich durch einen Blick in das Computerbuchungssystem als falsch herausstellte.

Einen Rückflug nach FFM gab es um diese Tageszeit nicht mehr. Nachdem Herr Fricke den antriebslosen LH-Reiserollstuhl nicht selbst bewegen kann, konnte er leider nicht einmal das großzügige Angebot der deutschen Fluggesellschaft, ihn auf ihre Kosten im Pariser Hilton Intercontinental übernachten zu lassen, annehmen und musste die Nacht in den Aufenthaltsräumen der Flughafensecurity verbringen.

Am 24. März morgens um 7:00 Uhr flog er schließlich mit der LH wieder nach FFM zurück, von wo er hoffentlich am Abend um 18:50 in den verdienten Urlaub starten kann.
Stefan Fricke nimmt dieses Vorkommnis zum Anlass, auf die weiterhin äußerst unbefriedigende Lage nicht nur von Contergan-Opfern, sondern von Behinderten insgesamt hinzuweisen: „Trotz eindeutiger EU-Vorschriften für den Flugverkehr werden Menschen mit Behinderungen nach wie vor diskriminiert und ausgrenzt. Mal abgesehen von diesem Fall, in dem sich grobes menschliches Fehlverhalten zu dieser immer noch misslichen Situation addiert, muss dieser Misstand endlich aufhören.“

Natürlich erwartet der Abgeordnete Stefan Fricke vom europäischen Verantwortlichen der Cathay Pacific eine förmliche schriftliche Entschuldigung für diese eklatante Fehlleistung, unabhängig von materiellen Entschädigungen für zusätzlichen Aufwand und Kosten, die ihm dadurch entstanden sind.

Cathay Pacific nimmt laut eigener Aussage den Zwischenfall sehr ernst. Es soll bereits Kontakt zu Herrn Fricke bestehen und eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt werden, wie es dazu kommen konnte.

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