Nach der ersten Lektüre: Kommentar zum „Nimmerland“-Skandal

Es ist eine Geschichte mit Potenzial, die Christian Balke und Hayke Lanwert heute in der WAZ präsentieren. Keine Frage! In der Printausgabe füllt sie fast die gesamte dritte Seite („Rhein und Ruhr“); auf „der Westen“ werden die diversen Aspekte auf einer ganzen Reihe von Unterseiten gebracht.

 

  • Rhein und Ruhr: Was geschah in „Nimmerland“?
  • Region: „Nimmerland“ ist abgebrannt
  • Duisburg: Chefin des Kita-Vereins „Im Nimmerland“ soll Tagesmütter abkassiert haben
  • Duisburg: Behörden informiert
  • Duisburg: Valland spricht von „Rosenkrieg“
  • Marxloh: Nimmerland: Tagesmütter klagen an
  • Rheinberg: Die andere Seite von Nimmerland

 

nimmerlandDie Geschichte, soweit ich dies beurteilen kann, scheint gut, auf jeden Fall aber aufwändig und langwierig recherchiert zu sein. Letztlich wird ein Gericht zu entscheiden haben, was an welchen gegen Frau Valland erhobenen Vorwürfen dran ist. Davon unbenommen kann schon jetzt gesagt werden, dass sie diesen Skandal nicht mehr los werden wird. Die Überschrift „`Nimmerland´ ist abgebrannt“ kommt auf jeden Fall hin.

Von den gegen Valland erhobenen Vorwürfen habe ich freilich erst soeben, durch die Lektüre von Balke und Lanwerts Artikel erfahren. Insofern bin ich auch überrascht. Doch meine Überraschung hält sich in Grenzen, was möglicherweise damit zusammenhängen kann, dass ich „Nimmerland“ niemals vorurteilsfrei betrachten konnte. Ich habe mich gefragt, wie es möglich ist, eine Kinderbetreuung über so einen langen Tageszeitraum anzubieten.

Die Antwort schien darin zu bestehen, dass „Nimmerland“ nicht nur von Frau Grillo, sondern auch von anderen Unternehmen, Managern und Honoratioren aus dem Duisburger Norden unterstützt werden könnte. Dass „Nimmerland“ allein deshalb zum gleichsam unberührbaren „Vorzeigeprojekt“ avanciert sein sollte, hat meine innere Einstellung gegenüber Frau Valland nicht eben entkrampft.

 

Sollte sich nunmehr tatsächlich herausstellen, dass Valland ihre Mitarbeiterinnen auf kriminelle Art und Weise ausgebeutet haben sollte – unter Ausnutzung von persönlichen Notlagen und mit Methoden, die an Psychosekten erinnern, dann… – …wäre es immerhin bemerkenswert, dass sie mit ihrer „charismatischen Art“ auf solch ein hohes Maß an Sympathie in namhaften Kreisen der Duisburger Wirtschaft gestoßen ist.

Der „Nimmerland“-Skandal dürfte nicht nur für Marion Valland, gegen die ohnehin schon Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung ermitteln, unangenehme Folgen haben, sondern auch für einige Verantwortliche in Duisburg wie in Rheinberg, wohin Valland expandieren wollte. Dabei fällt der Zeitpunkt ins Auge, den die WAZ für die Veröffentlichung der Arbeit von Balke und Lanwert gewählt hat.

Am Dienstag hat der Duisburger Stadtrat den Jugendamtsleiter zum Jugenddezernenten gewählt. Zur gleichen Zeit hat der Rheinberger Stadtrat „Nimmerland“ mit einer Kinder-“Großtagespflege“ beauftragt. Der Rheinberger Bürgermeister Hans-Theo Mennicken, der zuvor über die Ermittlungen gegen Frau Valland informiert wurde, hat dabei die Notwendigkeit, den Rat vor der Entscheidung am Nachmittag darüber zu informieren, unter Hinweis auf die Unschuldsvermutung nicht gesehen.

 

Balke und Lanwert müssen von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die, wie sie schreiben, „im Herbst 2012“ begonnen hatten, seit einiger Zeit gewusst haben. Die von ihnen in der Überschrift der Printausgabe gewählte Formulierung „Nun ermitteln Staatsanwaltschaft und Steuerfahnder…“ lenkt von diesem Umstand ab. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung scheint von der WAZ politisch gewählt zu sein. Über die Motive mag ich nicht spekulieren.

Sehr bemerkenswert ist, dass in Rheinberg die Ausbeutung der Mitarbeiterinnen durch „Nimmerland“ bereits im Januar ruchbar geworden ist. Pfarrerin Ulrike Thölke ließ sich vernehmen mit der Aussage, dass sie bei Äußerungen wie frei verhandelbare Arbeitsverträge Bauchschmerzen bekomme. Es müsse ein „klares Tarifgefüge“ gegeben, forderte der frühere Bürgermeister und jetzige SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Bechstein. Es könne nicht sein, dass jeder Mitarbeiter selbst verhandeln müsse. Die Grünen mochten zwischen Stadt und Verein klare Absprachen haben, es dürfe im Nachhinein keine Knebelverträge geben.

Allein die CDU machte deutlich, dass ihr die Antworten von Frau Valland so gut gefallen hatten, dass sie „Nimmerland“ am liebsten schon in der Ausschusssitzung Nimmerland gewählt hätte. Die Rheinberger Sozialdemokraten fanden sich dazu erst vorgestern bereit, aber immerhin. Ich weiß nicht, wer oder was ihre Bedenken ausräumen konnte. Vielleicht Bürgermeister Mennicken mit seinem Hinweis, „Nimmerland“ sei ein freier Träger, der nicht der Tarifbindung unterliege. „Natürlich“, so Mennicken, müsse „sichergestellt werden, dass die Arbeitsverträge den gesetzlichen Grundlagen entsprechen“. Männeken…

One thought on “Nach der ersten Lektüre: Kommentar zum „Nimmerland“-Skandal