Oper Dortmund: Premiere von Verdis Troubadour vom Publikum gefeiert

Susanne Braunsteffer (Leonora)
©Björn Hickmann / Stage Picture

Verdis Oper Il Trovatore (Der Troubadour) ist immer eine Herausforderung für jedes Opernhaus. Da sind zum einen die szenische Umsetzung der verworrenen Geschichte um Liebe, Hass, Rache und Eifersucht, als auch die sängerische Besetzung der äusserst schwierigen Partien zu meistern. Dem Dortmunder Troubadour, der am vergangenen Samstag im Opernhaus Premiere hatte, ist diese Herausforderung  gelungen. Das Premierenpublikum feierte die Sänger, das Orchester und den Chor ebenso wie das Regieteam und den Dirigenten Lancelot Fuhry.

Das Bühnenbild, welches wie die Ruine der Burg Castellor wirkte, vermittelte den Zuschauern die düstere Atmosphäre, die diese Verdi-Oper umgibt. Geschickt webte die Regisseurin Katharina Thoma darin ihre Inszenierung ein und verstärkte sie mit übergroßen Fotoeinblendungen auf einer Leinwand, die hinter den davor agierenden Protagonisten aufgespannt war. So war die Bühne mal ein Schlachtfeld, ein Lager, ein Kloster, ein Ort des heimlichen Eheversprechens und letztendlich ein Kerker und eine Hinrichtungsstätte. Bühnenbild und Kostüme (Julia Müer und Irina Bartels) ergänzten das schlüssige Regiekonzept von Katharina Thoma. Sie versetzten den Zeitrahmen der Oper in die Neuzeit, und machten so auch die einzelnen Rollen der Oper verständlich. Im Programmheft zur Oper Troubadour sieht die Regisseurin zeitlose Bezüge auf die einzelnen Personen des Stückes. Den Grafen Luna sieht sie beispielsweise als einen liebeskranken Stalker und Leonore als eine hoch depressive, ja selbstzerstörerische, Frau, die geradezu die Opferrolle verinnerlicht hat. Die Inszenierung war daher sensibel ausgerichtet, hatte einige beeindruckende Höhepunkte in der Darstellung der jeweiligen Rolle und gab doch der „großen Oper“ ihren Raum. Besonders gelungen die Szene „Miserere“ und das letzte Bild, die Kerkerszene.

Sangmin Lee (Luna), Hermine May (Azucena), Ensemble
©Björn Hickmann / Stage Picture

Musikalisch war die Aufführung wieder mal auf einem hohem Niveau. Die Dortmunder Philharmoniker unter dem Dirigat von Lancelot Fuhry bewiesen wieder einmal, dass sie zu den führenden Opernorchestern des Landes gehören. Die in jeder Hinsicht mitreißende Verdipartitur war bei ihnen in besten Händen.

Auch der Dortmunder Opernchor (Einstudierung Granville Walker) wurde vom Publikum mit Recht gefeiert. Verdis Troubadour ist auch immer eine Oper für Chöre. Neben dem allseits bekannten „Zigeunerchor“ hat Verdi sein Werk mit weiteren großen Chorstücken ausgestattet. Die Damen und Herren des Dortmunder Opernchors wurden dieser Aufgabe mehr als gerecht. Und das nicht nur sängerisch. Die Einbindung in diese Inszenierung hat der Chor auch darstellerisch mal wieder überzeugend abgeliefert.

Die höchsten Ansprüche stellt Il Trovatore aber an die Solisten. Verdi hat geradezu ein Füllhorn an Melodien über sie ausgeschüttet. Arien, Duette, Terzette, große Szenen mit Chor, aber auch leise, stille Momente stellen hohe Anforderungen an die Sängerinnen und Sänger. Aber auch hier durfte die Oper Dortmund punkten. Das Premierenpublikum sparte nicht mit großem Applaus und Bravo-Rufen für die Darsteller.

Sangmin Lee (Graf Luna), Stefano La Colla (Manrico), Susanne Braunsteffer (Leonora)
©Björn Hickmann / Stage Picture
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Den Manrico sang der italienische Tenor Stefano La Colla mit kraftvoller, höhensicherer Stimme und dem dazugehörendem tenoralen Schmelz. Seine Stretta „di quella pira“ schloss er mit einem strahlkräftigem hohen Spitzenton („c“) ab und erhielt dafür verdientermassen großen Applaus. Einen weiteren großen Moment hatte der junge Tenor in der Kerkerszene, hier besonders im Terzett mit Leonora und Acuzena. Ein tolles Debüt, was  das Dortmunder Premierenpublikum frenetisch bejubelte.

Sangmin Lee, der den Grafen Luna sang, hat mit dieser Rolleninterpretation einen persönlichen Triumph feiern können. Sehr textverständlich und sängerisch erstklassig füllte er die Rolle aus. Seine große Arie „il balen del suo sorriso“ war einer der großen Höhepunkte des Premierenabends. Man muss sehr lang zurückdenken, dies jemals so gut in Dortmund gehört zu haben.

Die Leonora wurde von Susanne Braunsteffer gesungen. Eine junge Sängerin mit einem kraftvollem Sopran, wie diese Rolle es verlangt. Ihr gelangen aber auch wundervolle Pianissimi, wie etwa in ihrer Arie „D’amor sull’ali rosee“ im vierten Akt. Besonders herausragend ihre sängerische Gestaltung in der Szene „Miserere„. Das Publikum war von ihr hingerissen.

Susanne Braunsteffer (Leonora), Hermine May (Azucena), Sangmin Lee (Graf Luna)
©Björn Hickmann / Stage Picture

Besonders vom Publikum gefeiert und bejubelt wurde Hermine May, die die Azucena sang. Die Mezzosopranistin hinterliess wohl für viele den bleibendsten Eindruck des Abends. Ihren warmen, auch in tiefen Lagen, für diese Rolle prädestinierten Mezzosopran wusste sie im Laufe der Aufführung immer noch weiter gesanglich zu steigern bis hin zu ihrem eindrucksvollen „Mutter, du bist gerächt“ im Finale der Oper. Frau May galt der größte Beifall des Abends für eine gesangliche Leistung von internationalem Niveau.

Die kleinen Partien des Abends waren dem Anspruch der Aufführung ebenfalls bestens besetzt. Neben Vera Fischer, die die Rolle der Ines bestens darstellte, imponierte besonders Wen Wei Zhang als Hauptmann Ferrando.

Und mal wieder ist Verdi in Dortmund in besten Händen. Im fast ausverkauften Haus erlebten die Premierenzuschauer beste italienische Oper. Für Verdi-Fans ein lohnender Besuch. Eine gelungene Premiere mit beachtlichem musikalischen Potenzial!

Infos, weitere Vorstellungen und Tickets siehe HIER!

CD-Tipp „Il trovatore“: Aufnahme Dir. Tullio Serafin mit Carlo Bergonzi, Fiorenza Cossotto und Antonietta Stella, Chor & Orchester Teatro alla Scala aus 1963!

* Alle Fotos mit freundl. Genehmigung Theater Dortmund

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