Auf Bewährung!

Raimund Stecker

Raimund Stecker (Photo credit: Wikipedia)

Manchmal dauert es einige Stunden und Tage, bis sich nach gewichtigen Entscheidungen die Fronten etwas gelöst haben, besonders in der Bürgerschaft. Dies war im Fall Raimund Strecker der Fall, dem als Direktor des Duisburger Lehmbruck-Museums durch das Kuratorium gekündigt wurde. Der Westen berichtete in angemessener Weise über den Vorgang. Damit war der Fall aber noch lange nicht erledigt.

Eine Kampagne “Ohne Stecker geht es nicht” ließ nach den ersten Kritiken an den Direktor manchen aufhorchen. Die Rheinische Post vergaß nicht nachzufragen, wer hinter dieser ziemlich platt wirkenden Aktion steckte, zu der heimischer Elektroschrott ins Museum getragen wurde, der zuvor um Stecker erleichtert worden war: Eine bunte Mischung aus dem bürgerlichen Lager.

Ein Sympathisant des Direktors veröffentlichte in den Xtranews einen Beitrag, in dem es um die Frage ging, ob ein Museumsleiter ein Künstler oder Finanzbeamter sein müsse. Den Herrn möchte ich beruhigen: Strecker ist keines von beiden, und nichts davon wurde von ihm verlangt, nichts anderes, als das Museum zu leiten.

Auf Facebook (Gruppe Stadtpolitik) wurden weitere Feuer entzündet, die (a) die Geschlossenheit der Kuratoriumssitzung monierten, weil die Entscheidung nicht zu akzeptieren sei, (b) die Offenheit der Kundgabe durch den Stadtsprecher beklagten, weil der peinliche Gestank unerträglich sei, für das Museum, die Stadt, die Person Stecker, das Arbeitsrecht … letztlich für den verbissen Zündelnden selber. Aber auch ältere, weiter zurückliegende Kritiken an Strecker, loderten erneut auf, Kritiken, die sich mit rechtspopulistischen Äußerungen des Direktors beschäftigten.

Raimund Stecker ist Kunsthistoriker und in Leitungsfunktionen von Institutionen, die dem künstlerischen Erbe dienen, erfahren. In Duisburg arbeitet er seit 2010 als Direktors des Lehmbruck-Museums. Durch das Kuratorium als auch öffentlich geriet er in die Kritik, weil gegen Ende 2012 beinahe die Gehälter nicht mehr bezahlt werden konnten, eine Insolvenz kaum abzuwenden war. Um eine vollständige Übersicht über die finanzielle Situation und die strukturellen Mängel zu erhalten, musste ein ehemaliger Sparkassenvorstand einspringen, um dem Kuratorium zu berichten, obgleich zum Personal des Museums ein Verwaltungsleiter gehörte, der sich um die Finanzen zu kümmern hatte.

Dem Direktor ist im Rahmen der einjährigen Kündigungsfrist eine Spanne bis Sommer 2013 eingeräumt worden, um das Museum wieder handlungsfähig werden zu lassen. Sollte dies nicht gelingen, wird es bei der Kündigung bleiben. Diese Maßgabe ist in besonderer Weise fair, wie auch Stecker selber empfand, freilich auch der Situation geschuldet: Eine  andere praktische Alternative sah man offensichtlich nicht.

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