Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – Vorwärts, Lotse!

Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister, mit dem Handy telefonierend. (Photo credit: Wikipedia)

Gestern war der neue Vorwärts bei mir im Briefkasten. Eine Doppelausgabe für Dezember 2012 und Januar 2013, das letzte Heft, das unter der Verantwortung des Chefredakteurs Uwe Knüpfer entstanden ist. Knüpfer wird sich demnächst auf den Online-Auftritt der SPD-Traditionszeitung konzentrieren. Es überrascht nicht, dass sich der aktuelle Vorwärts Peer Steinbrück zum Titelthema macht. Überraschend ist dagegen schon, wie der SPD-Kanzlerkandidat auf der Titelseite präsentiert wird. Eine große Karikatur, zu der geschrieben steht: „Der Lotse geht an Bord“.

 

 

Was hat man sich dabei wohl gedacht? Ich schlage den Vorwärts auf. Auf Seite 2 eine ganzseitige Anzeige der Sparkasse, aber schon auf Seite 3 werde ich fündig. Die Seite besteht aus drei Spalten: links das Editorial von Uwe Knüpfer, in der Mitte das Inhaltsverzeichnis dieses Heftes, und in der rechten Spalte haben wir es dann. Die Original Bismarck-Karikatur und darunter dieser Text: „Der Bismarck-Rücktritt 1890 war Anlass für die britische Karikatur `Der Lotse geht von Bord´. Sie gab uns die Idee fürs Titelbild.“

 

Das war´s zur Erläuterung. Ende im Gelände. Aber vielleicht reicht das ja auch schon. Vielleicht reicht das als Antwort auf die Frage, was man sich dabei wohl gedacht hat. Deutschland braucht einen klaren Kurs. Deshalb braucht Deutschland Peer Steinbrück. Für die Zeitung einer Partei, die gerade dabei ist, ihren Kanzlerkandidaten zu küren, genau die richtige Message, wie ich finde. Und über die Frage, ob der Lotse immer und überall klaren Kurs gehalten hat, darf auch ruhig einmal hinweggesehen werden. Schließlich ist eine Parteizeitung kein wissenschaftliches Fachblatt und ein Wahlkampf kein Uniseminar.

 

Allerdings darf bezweifelt werden, dass es – allein schon unter Marketinggesichtspunkten – der Weisheit letzter Schluss gewesen ist, an ein berühmtes Original zu erinnern, das einen Abgang darstellt. Ob es ausreicht, allein dadurch, dass in der Kopie ein Aufstieg dargestellt wird, die Erinnerung an ein nicht ganz so von Erfolg gekröntes Ende zu tilgen, und stattdessen Assoziation zum fröhlichen An-Bord-Gehen zu wecken. Wobei freilich, das gebietet schon die Achtung vor dem neuen Captain, der Gesichtsausdruck des Lotsen nicht etwa Fröhlichkeit, sondern nachdenkliche Entschlossenheit symbolisiert.

 

„Deutschland braucht einen klaren Kurs“, meint völlig zu Recht der Vorwärts. Und ebenfalls nicht ganz zu Unrecht kommt den sozialdemokratischen Journalisten dabei Otto von Bismarck in den Sinn, der unser Deutschland sehr lange geführt hatte. Als preußischer Politiker und schließlich als „Eiserner Kanzler“ – über einen so langen Zeitraum, länger als er der SPD-Lotsen-Kopie zur Verfügung stehen könnte. Allerdings, ein kleiner Schönheitsfehler, der den Vorwärts –Machern wahrscheinlich für einen kleinen Moment entfallen sein dürfte: Bismarck war gar kein (!) Sozialdemokrat.

 

Wikipedia geht so weit zu unterstellen, er habe seine politische Karriere als „konservativer Agitator“ begonnen“, und versteigt sich schließlich zu der Behauptung, Bismarck habe die SPD gar verboten. Als Beleg dafür werden die sog. Sozialistengesetze angeführt. Eine offensichtlich reichlich wackelige „Argumentation“! Oder würden Sie Peer Steinbrück als einen „Sozialisten“ bezeichnen?! Aber so geht das, der Lotse hatte es vorhergesehen: kaum wirst Du als Kanzlerkandidat ausgerufen, schon geht es schon ab in die Eierschleifmaschine. Heute wird Steinbrück sogar zum selbigen gewählt. Wie soll das erst werden?!

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