Raucher als gesellschaftliche Todesboten?

Meditation

Meditation (Photo credit: Mara ~earth light~)

Wenn es um die Gesundheit geht oder gar der Tod droht, sind  menschliche Reaktionen nicht immer ausgewogen, auch innerhalb der Politik, die Verantwortung zu tragen hätte. Lebensgestaltungen und -umstände erhalten eventuell eine ‘Bedeutung’, die weit über ihre gesellschaftliche Relevanz hinausgeht, eine symbolische Präsenz, die an mittelalterliche, emotional motivierte Beschwörungen erinnern kann.

Derzeit gehört dem Nichtraucherschutz in NRW die besondere Aufmerksamkeit. Bislang hatte die Landesregierung aus SPD und Grünen ausgewiesene Rauchergaststätten zugelassen, die es Nichtrauchern freistellte, die Räume zu betreten. Inzwischen ist man sich einig geworden, dass sogar in geschlossenen Veranstaltungen nur nach amtlicher Voranmeldung und Auflistung der Teilnehmer geraucht werden darf, und dies auch nur, wenn der Inhaber der Gaststätte nachweislich der Veranstalter ist. Es könnte in NRW bald eine Raucherdatei geben, die jener ähnelt, die für eine Listung von Terrorverdächtigen bundesweit vorgesehen war.

Fragt man über die ‘Bedeutung’ von Rauchern als gesellschaftliche Todesboten hinaus nach der Relevanz, erfährt man, dass aus fachärztlicher Sicht ca. 3-5% der Erkrankungen an Lungenkrebs dem Passivrauchen zuzuschreiben seien. Beachtet man zusätzlich die konkreten Angaben über das Passivrauchen, wie drastisch sie auch ausfallen mögen, bleibt kaum anderes übrig, als eine relativ direkte und anhaltende Kontamination als Bedingung vorauszusetzen, sonst wären die Prozentwerte weitaus höher. Die Zahlen stammen aus Österreich, ich sehe jedoch keinen Grund, weshalb sie nicht vergleichbar sein sollten.

Fraglos sind Erkrankungen durch ein Passivrauchen beklagenswert, es gilt jedoch auch zu berücksichtigen, wie groß Gefährdungen anderer Art sind, sollen politische Maßnahmen eingeleitet werden, die über die Wahlfreiheit hinausgehen. Persönlich empfundene Angst oder gereizter Ekel sind nicht die besten Voraussetzungen, um Politik zu gestalten.

Enhanced by Zemanta

15 thoughts on “Raucher als gesellschaftliche Todesboten?

  1. 90 Prozent der Lungenkrankheiten (sowohl COPD als auch Krebs) betreffen Raucher. Daher ist es auch logisch, dass die Passivraucher nur einen kleinen Teil ausmachen. Aber 3-5 Prozent sind bereits 3-5 Prozent zu viel.

    • Danke für die Bestätigung. Dass die Erkrankungen durchs Passivrauchen beklagenswert sind, ist auch im Artikel zu finden. Doch niemand wird gezwungen, eine Raucherkneipe aufzusuchen! Wahlmöglichkeiten gibt es inzwischen. Ich denke, dass sich eine liberalere Fassung gestalten lässt, als dies primär die Grünen in fundamentalistischer Weise forciert haben.

      • Auch wenn die Erkrankungen durchs passivrauchen wie Sie es nennen beklagenswert sind, steht den Rauchern nicht das Recht zu dies für andere, über deren Köpfe hinweg zu entscheiden.
        Man kann ja auch nicht 1 von 100 Rauchern auf der Straße erschießen und dann vor Gericht Argumentieren, dass es nur einen geringen Anteil entspräche.
        Ej Ihr Raucher müsstet euch mal reden hören wie abgehoben und fern jeder Realität ihr seid. Ein paar Leute umbringen ist ok ??
        Jährlich sterben rund 3300 unschuldige Personen durch eure unnütze und rücksichtslose Drogensucht und nocheinmal so viele erleiden Erkrankungen und damit verbunden nicht nur Einschränkungen in der Lebensqualität. Babys und Kinder erleiden Entwicklungsstörungen oder Missbildungen. Und das machen auch keine Ausreden mit Pommes oder Schokolade wieder gut.
        Niemand wird gezwungen eine Raucherkneipe aufzusuchen.. aber man wird gezwungen fernzubleiben.
        Die Grünen UND ! die SPD haben genau die fundamentalistische Regelung durchgesetzt, die sie bereits VOR der Wahl so angekündigt haben und dem Willen der Merheit der Bevölkerung entspricht.

        • Wir sprechen hier über ein spezielles Problem: In Frage stehen Rauchergaststätten und die Behandlung von Personen, die dort rauchen. Wollte man allgemeiner sprechen, müsste man im Kontext von Drogen auch Alkohol thematisieren, in Bezug auf Tote all die Unfälle, die tagtäglich geschehen … Das ist in diesem Rahmen nicht möglich. – Auf den anderen Teil Ihres Beitrags habe ich unten geantwortet.

  2. Was hat denn der Schreiber geraucht ? ? ?
    Jedermann der Tabakrauch einatmen muss weiß ohne jede Statistik wie schädlich und unangenehm Tabakrauch ist. Daran ändert auch keine Dauerverleugnung der Tatsachen von beratungsresistenten Egomanen etwas.

    • Danke für die Mühe. Ich kann durchaus verstehen, dass Nichtraucher den Rauch von Zigaretten und ähnlichen Genussmitteln als unangenehm empfinden. Es steht Ihnen frei, Rauchergaststätten zu meiden.

      • Es steht Nichtrauchern nicht frei. Besonders wenn, wie auf dem Land, das Angebot an Lokalen dünn ist.
        Und ohne Verbote würdet ihr noch immer in Restaurants, Bussen, Flugzeugen und einfach überall Paffen. Freiwillig macht ihr nämlich GAR nichts. Darum werden Verbote überhaupt erst nötig.
        Es steht Nichtrauchern offenbar nach dem Raucherverhalten zu urteilen auch frei an Haltestellen und auf Bahnhöfen auf Verkehrsmittel zu warten, denn da raucht ihr auch ungefragt, selbst bei Verboten. Auch auf Balkonen und an offenen Wohnungsfenstern schehrt ihr euch nicht dass euer Qualm in fremde Wohnungen zieht. Es steht Nichtrauchern auch nicht frei ohne euren Qualmgestank in Kaufhäuser zu gelangen weil Raucher überall rumlungern und die Luft verpesten. In manchen Einkaufsstraßen kann man keine 3 Schritte gehen ohne Tabakgestank. Rauchen gehört einfach komplett verboten und zwar nicht nur in Kneipen sondern Handel, Besitz und Konsum wie bei jeder anderen Droge.

        • Gaststätten sind privatwirtschaftliche Betriebe. Wenn ein Inhaber einen solchen Betrieb auf dem Land als Rauchergaststätte führen möchte, ist dies eine Entscheidung in Bezug auf die Zielgruppe. Wenn Sie nicht angesprochen werden, lässt sich daran nichts ändern. Sie gehen ja auch nicht ein Damenschuhgeschäft, um Schuhe für sich zu kaufen, nehme ich mal an …

          • Ich nehme mal an, sie kapieren nicht, dass Passivrauchen schädlich ist, Schuhe kaufen aber nicht. Anders lässt sich diese stupide Vergleich nicht erklären. der Sinn einer Kneipe ist auch nichts das Rauchen, kein Wirt kann vom Rauch leben.

            Es steht ihnen übrigens frei überall dort zu rauchen, wo sich keine andere Menschen aufhalten.

  3. Solange Raucher nicht die normalsten und einfachsten Umgangsformen beherrschen, brauchen wir eben Verbote. So traurig es ist, dass man erst Verbote braucht. Was Rauchen anrichtet sollte ja langsam bei jedem angekommen sein. Es steht ja auf jeder Schachtel.

  4. Raucher generieren wegen ihrer durch das Rauchen bedingten Krankheiten höhere Beiträge zur Krankenversicherung.
    Raucher zeichnen sich aber auch für geringere Beiträge in der Rentenversicherung verantwortlich, da sie ja wesentlich früher sterben und somit die durchschnittliche Rentenbezugszeit erheblich verkürzen.

    Nach dem i.d.R.viel früher eintretenden Tod eines Rauchers, haben die Nichtraucher die Möglichkeit durch ihre längere Lebensdauer die zuvor etwas geringere Inanspruchnahme der Krankenversicherung nachzuholen.
    Von den Leistungen der Pflegeversicherung mal ganz abgesehen, hier muss die Pflegeversicherung viele Jahre die längere Pflegezeit eines Nichtrauchers finanzieren.
    Beiträge zur Renten-,Kranken- und zur Pflegeversicherung sind für Nichtraucher und Raucher gleich hoch angesetzt.

    Wenn von finanziellen Nachteilen für die Gesellschaft gesprochen wird, darf man das nicht Ernst nehmen. Jede Rechnung ohne Gegenrechnung ist nicht wirklich zielführend.
    Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dass ich noch nicht einmal die Tabaksteuer berücksichtigt habe, die muss bei bei obigem Vergleich noch nicht einmal ins Feld führen.
    An den sonstigen im Artikel angeführten Argumenten beteilige ich mich nicht, da es hier um Grundrechte geht, die unumstösslich sein müssen.
    Man darf keinen Nichtraucher verbieten ein Nichtraucherlokal zu besuchen und man darf keinen Raucher verbieten ein Raucherlokal zu besuchen.

  5. Auf seinem Facebook Profil posiert Reinhard Matern übrigens mit Zigarette im Mund und hält sich dabei offensichtlich für cool. Sein Geschreibsel also besser nicht ernst nehmen.