LKA NRW: Neues Verfahren für die Fingerabdrucknahme an Verstorbenen „Thanatoprint“ vorgestellt

English: Picture of a whorl fingerprint pattern

English: Picture of a whorl fingerprint pattern (Photo credit: Wikipedia)

Am 09.11.2012 stellten Rechtsmediziner des Universitätsklinikums Düsseldorf und Kriminalbeamte des Landeskriminalamtes NRW auf einer Fachtagung eine gemeinsam entwickelte Methode vor, erfolgreich Fingerabdrücke von Verstorbenen nach längerer Liegezeit zu nehmen und so deren Identifizierung zu ermöglichen.

Auch in Zeiten von immer neuen Verfeinerungen der molekulargenetischen Untersuchungen ist die Fingerabdrucknahme unverzichtbar für die Identifizierung von Lebenden und Verstorbenen. Liegen aber fortgeschrittene Leichenveränderungen vor, ist die Abnahme von Fingerabdrücken erheblich erschwert oder sogar unmöglich. Aus diesem Grund wurde in interdisziplinärer Zusammenarbeit des Institutes für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf, des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen und des Frankfurter Bestattermeisters und Thanatopraktikers Robert Vöth ein neues Verfahren entwickelt.

Mit „Thanatoprint“ wird dem Gewebe unter Verwendung verschiedener, in der modernen Einbalsamierung, der Thanatopraxie, genutzter Substanzen Feuchtigkeit entzogen, seine ursprüngliche Spannung und sein Volumen werden wiederhergestellt. Werden die Hände der Leichen auf diese Weise behandelt, können selbst nach sehr langer Leichenliegezeit qualitativ hochwertige Fingerabdrücke gewonnen werden. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurde unter der Schirmherrschaft des Institutes für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf eine umfassende Studie durchgeführt, in der die Qualität der Fingerabdrücke nach Anwendung des Thanatoprint-Verfahrens wissenschaftlich geprüft wurde.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden am 09.11.2012 im Rahmen einer Tagung in den Räumlichkeiten des Landeskriminalamtes NRW vorgestellt. Zu den bundesweit angereisten Teilnehmern zählten Vertreter der Rechtsmedizinischen Institute, des Bundeskriminalamtes, der Landeskriminalämter, der Kriminaltechnischen Untersuchungsstellen der Polizeibehörden und der Justiz.

Das vorgestellte Thanatoprint-Verfahren stellt eine effektive und effiziente Alternativmethode zu den bislang üblichen Verfahren der Leichendaktyloskopie dar. Etwa 77 Prozent aller mit dieser Methode gewonnenen Fingerabdrücke waren für einen Abgleich im automatisierten Fingerabdruck-Identifizierungssystem (AFIS) des Bundes und der Länder geeignet. Mit weiteren elf Prozent der Fingerabdrücke wäre ein direkter manueller Vergleich möglich gewesen.

Neben der hervorragenden Qualität der Fingerabdrücke überzeugen in erster Linie der Erhalt der Leichenintegrität, die einfache und schnelle Anwendbarkeit sowie der geringe Kostenaufwand.

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