Die Duisburger Filmwoche. Ein erster Eindruck

Filmfestival – Seit dem 05.11.2012 findet die 36. Duisburger Filmwoche statt.

Das Festival ist den neuen Dokumentarfilmen gewidmet und hat sich in der Zeit ihres inzwischen 36-jährigen Bestehens ein hohes Ansehen erworben. 3Sat und Arte unterstützen das Festival und übernehmen einige Beiträge in ihr Programm. In manchen Fällen sind bereits die Produktionen von den TV-Sendern gefördert worden.

Werner Ruzicka und sein Team haben aus dem Festival im Laufe der Jahre ein spannendes Arbeitstreffen geformt, beí dem neue Filme nicht nur zu sehen sind, sondern auch Diskussionen mit den Machern angeregt werden. Die Podiumsveranstaltungen finden nach den Präsentationen in einem dafür hergerichteten Raum statt, in dem kreisende Mikrofone die Kommunikation erleichtern.

Eine wichtige Erkenntnis aus den ersten Tagen lautet: Dokumentarfilme können auf sehr unterschiedliche Art und Weise gemacht werden. “Stahlbrammen und Pfirsiche”  (Florian Pawliczek), der Eröffnungsfilm, als auch “Feldarbeit” (Henrike Meyer), der erste Film des zweiten Tages, stammen von jungen Filmemachern/Innen, die die Kamera nicht als scheinbar objektives ‘Produktionsauge’ eingesetzt haben, sondern den Zuschauern die Möglichkeit gaben, die Kamera als ihr eigenes Auge zu interpretieren, in Umgebungen, zu Menschen und ihrem Verhalten leiten als wäre man selber dabei, versetzen in Erstaunen, irritieren. Diesen Filmen war anzumerken, dass die Produktionen offenbar als Abenteuer galten, aus Neugierde entstanden sind, nicht nach einer Schablone gefertigt wurden, die lediglich abzudrehen war. Diese Frische lässt auf weitere Filme hoffen, die für Archive viel zu schade wären.

Etwas ratlos ließ mich hingegen ein durch 3Sat und Arte gefördertes Projekt von Heinz Emigholz, einem arrivierten Filmemacher, zurück, “Perret in Frankreich und Algerien”, das einem Katalog ähnlich die Architekturen von Auguste und Gustave Perret einfing. 110 Minuten lang war ich auf Sightseeing-Tour, vermisste bald Kaffee und ein Hörnchen, und die Füße taten mir weh. Die Kameraperspektiven waren durchaus sehenswert, Anschnitte und Schräglagen schufen Perspektiven wie aus einer Bewegung heraus, doch konnten sie meine mit der Zeit aufkommende Langeweile nicht vertreiben. Der von Emigholz betonte “unideologische” Zug entfesselte eine Objektivität, die den menschlichen Faktor weitgehend vermissen ließ. Schade.

Mehr als einige Beispiele sind in diesem Kontext kaum anführbar, sie machen jedoch deutlich, dass auch Dokumentarfilme viele Möglichkeiten eröffnen, für Filmemacher/Innen als auch Zuschauer, und eine stärkere Aufmerksamkeit verdienen.

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Dieser Beitrag ist zuvor im Freitag erschienen.

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