Die WAZ und die PR in eigener Sache

Bitte: Ich halte von dem Begriff des Qualitätsjournalismusses nichts. Schließlich lernt doch jeder, der ein wenig in das Qualitätsmanagement reingeschaut hat dass Qualität nicht von der Seite des Anbieters sondern vom Kunden definiert wird. Die WAZ schafft es gerade aber das Thema in mein Gedächtnis zu bringen – sie macht nämlich PR in eigener Sache.

PR und Journalismus sind zwei Felder, die sich skeptisch beäugen wenn nicht gar vorsichtige Distanz zueinander wahren. Dass allerdings viele Journalisten wegen der lächerlichen Bezahlung der Zeitungsverlage durchaus PR machen, ist kein Geheimnis. Und dass Zeitungen auch vermehrt für sich werben ebenfalls nicht. Aber es gibt immer noch die strikte Trennung zwischen Inhalten die für das Unternehmen werben und sogenannter objektiver Berichterstattung. Vermischt werden darf beides nämlich eigentlich nicht.

Das hält die WAZ aber nicht davon ab in eigener Sache PR in der Zeitung zu machen. Das „Duisburg Buch mit Überraschungen“ ist erschienen. Darin versammelt die 49 Artikel über die Duisburgerger Stadtteile und ein neu geschriebener kam noch dazu. Verfasst wurden diese von eineM WAZ-Redakteur. Es sei diesem die Zweitverwertung, die bestimmt etwas lukrativer war als der eigentliche Auftrag von Herzen gegönnt. Was ich aber missgönne: Die WAZ schreibt am Ende des Artikels folgende Zeilen – „Willi Mohrs hat es mit viel Gespür für Duisburg und die Duisburger eingefangen. Der Rundgang, den die Bilder der WAZ-Fotografen anschaulich machen, überrascht. Versprochen.“

Bis zu diesem Punkt hätte ich gedacht: „Okay, ist zwar ein WAZ-Buch, aber immerhin war der Artikel einigermaßen objektiv, sachlich und nicht werbend.“ Das muss man mit den letzten zwei Zeilen jedoch korrigieren: Hier hört der Journalist auf und der PR-Mensch kommt zu Tage. Jemand, der für den WAZ-Konzern eine Rezension schreibt muss ein unabhängiges Urteil haben und darf eigentlich nicht dem Konzern angehören. Wie sähe das denn aus wenn ein Autor vom Heyne-Verlag sich die Rezensionen in der Zeitung von einem befreundeten Journalisten schreiben ließe? Das wäre ein Skandal erster Güte. Die WAZ aber hat hier keine Bedenken: Frau Horstmeier wird von der WAZ bezahlt. Sie kann damit kein unabhängiges Urteil über das WAZ-Buch selbst abgeben und vermischt daher das, was man nicht vermischen sollte: Meinung und Berichterstattung.

Jeder andere Journalist, wir bei Xtranews mit eingeschlossen, würde dafür gehörig einen auf den Dach bekommen. Die WAZ aber darf scheinbar tun und lassen was sie möchte ohne sich der ethischen Nachfolgeschäden bewußt zu sein. Mag Frau Horstmeier auch eine ansonsten geschätzte Kollegin sein – hier gilt nur eins: Pfui.

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