WAZ-Offensive oder Nicht bestellt und trotzdem geliefert

„Und in den nächsten drei Tagen bekommen Sie dann kostenlos die neue, großartige, einzigartige WAZ – mit MEHR LOKALTEIL!!! – ins Haus.“ – So stand das natürlich nicht wörtlich auf diesen roten Postkarten, die irgendwann im Hausflur rumlagen, aber dem verzweifeltem Tonfall von Herrn Reitz zu Folge und der vor kurzem stattfindenden Preiserhöhung scheint die WAZ ja enorme Auflagenprobleme zu haben.  A propos: Bitte aufzeigen, wer weiß jetzt aus dem Kopf den aktuellen Slogan der Plakatkampagne der WAZ? Na, Sie wissen schon werter Leser, diese roten aufdringlichen Plakate, die die Landschaft – ähm – verschönern?

Sehen Sie: Ich weiß den auch nicht mehr. Ich bin mir auch gar nicht mehr so sicher ob außer einer einzigen roten Flächen noch irgendwas anderes auf dem Plakat drauf war, aber ich meine so aus den Augenwinkeln schwarze Linien gesehen zu haben. Blöd, wenn der rote Farbton so kräftig ist, dass man im Vorüberlaufen das eigentlich Plakatmotiv – er kuschelt sich an sie oder war es jetzt umgekehrt? – gar nicht erkennen kann. Und der Slogan war irgenwas „mit“. „Mit Dir.“ Kann sein. „Mit ihm.“ Auch was mit „Wer weiß, liest WAZ.“ Aber fragen Sie mich bitte nicht danach, ich habs schon wieder verdängt. Jedenfalls: Bei den alten Griechen gabs dieses Sprichwort. Was Zeus darf, darf der Bauer nun nicht. So in der Art jedenfalls. Und ich habe mir wirklich die Frage gestellt ob die BILD hier echt das Vorbild lieferte – die droht ja wieder am 03. Oktober mit einem kostenlosen Exemplar, nur bei mir im Briefkasten nicht, weil ich das energisch widersprach, übrigens auch der WAZ gegenüber was Verwendung meiner Daten zwecks Werbung betrifft, Datenschutz kann sexy sein. Vermutlich schon. Sei mal froh, Herr Reitz, dass die Ausgabe, die ich hier zum Durchblättern für diese Kolumne vorliegen habe nicht direkt in meinem Briefkasten gelandet ist. Sonst hätte es Ärger gegeben. Übrigens rechnen Sie schon mal damit, dass da einiges an verärgerten Mailings auf Sie zukommt – im Bekanntenkreis war man not amused. Zumal etliche Leute schon nachdachten, ob sie wirklich die WAZ noch brauchen würden. Ich glaube, die denken jetzt noch mal stärker über eine Abokündigung so generell nach…

Die WAZ also. 13.09.2012. Oben wird man aufgefordert die beste Fußball-Elf des Landes NRW zu wählen. Juhu. Grace Kelly wird gewürdigt. Weiteres dann im Innenleben der Zeitung. Aufgemacht wird heute mit einem Bild von einem Wildschwein und der banalen Aussage, Wälder seien „faszinierend“. Angeteasert wird wohl ein Dokufilm über – unsere Wälder. Hätte mich nicht überrascht wenn noch irgendwas von grün dringestanden hätte. Der Kommentar von Herrn Dirksen widmet sich der Frage des Gewichts. Das Zitat darunter auch. Beides bezieht sich auf die DAPD/DPA Meldung, dass die Deutschen zu dick würden. Gut, kann man machen. (Komisch, haben die ganzen Abnehmkursaktivitäten die man beim letzten Mal als es die Meldung gab hektisch im Politikerland vom Zaun riß – vor einem, zwei Jahren – wohl nichts genützt… Aber nur so am Rande.) Kate bewies irgendwie Muskeln. Immerhin: Die Meldung des Tages – Karlsruhe und der Rettungsfond – steht ausführlich auf Seite Eins. Und mehr Hilfe für Roma-Familien wird von Brüssel gefordert – das Roma-Thema schlägt ja momentan in Duisburg einige Wellen.

Hätte ich mir diese Ausgabe wirklich gekauft frage ich mich und blättere um… Karlsruhe bestimmt dann die Tagesthema-Seite mit einer Analyse des Urteils. Kommentar dazu, Karikatur, Glosse. Was erschreckend kurz ist: Die Leserbriefspalte. Würde ich eine Zeitung kaufen, die einen derart kurzen Draht auf dem Papier zum Leser hat? Hört die mir zu? Scheint nicht so. Kein Wunder dann, dass die Kommentare auf dem Online-Angebot dann etwas länger sind bisweilen. Gut. Karlsruhe halt. Ordentlicher Bericht, ordentliche Einschätzung – es ist halt nicht das Handelsblatt. Ich frage mich aber die ganze Zeit, was daran denn nun neu und verbessert sein soll. Bisher fällt mir nichts auf.

Ah, die Implanation der Lunge bei Rhein-und-Ruhr. Hab ich doch gestern bei Twitter gelesen und dann im Dradio von gehört. Was auffällt: Den Namen der Protagonistin in der Reportage hat man gehändert, aber gleich ein dickes Porträtphoto daneben gepackt. Ähm… Kommt Ihnen das irgendwie logisch vor? Mir auch nicht. Okay. Gelungen. Darunter dann ein Bericht darüber, dass man eine Brücke für Wildtiere im Ruhrgebiet baut. Was leider den guten Eindruck wieder reinreißt: „Eine Autobahn kann nicht fallen.“ – Im Halbsatz war vorher die A 31 als Mauermetapher genannt. Das „Damwild“ könne dann auch wieder „wild wechseln.“ Stöhn. „Denn das Wild an sich liebt es zu wandern…“ – halli,hallo, das Waaa-aaaa-nnn… Ups. Entschuldigung. Aber da fällt einem nur Volkes Lied ein um im Tonfall zu bleiben. Mein Lieblingsausdruck den Frau Fischer unbefragt übernommen hat ist übrigens „ökologisch dekorieren“. Abbaubare Weihnachtskugeln an den Tannen und Kiefern und Lametta mit Öko-Bilanz oder wie? Man wird da wohl was anpflanzen vermute ich stark. Und ja, es fehlt auch nicht dass die Tiere des Waldes sich „Gute Nacht“ sagen. Genug von diesem Graus…

In der Politik dreht es sich um Kraft und die SPD. In treuer Chronistenpflicht rasselt man dann das Programm von Frau Kraft gegen Armut herunter und erwähnt nur kurz zum Schluss die Bedenken der Opposition und der GEW. Was aber die Kleidfarbe von Frau Kraft mit ihrer Politik zu tun hat – na ja, irgendeine Einleitung braucht man wohl auch für harte politische Fakten oder so. Insgesamt, kommentiert derselbe Chronist des Kraft-Programms, sei es glanzlos und entspräche dem Koalitionsvertrag. Mag sein, mag auch nicht sein. Schade, dass sich keine zweite Meinung auf der Seite dazu findet. Wirkt dann doch etwas einseitig. Was Duisburg dann von Berlin angesichts der Roma-Frage lernen kann, steht direkt darunter – Fortführung von Seite 1 also praktisch, da war ja die Brüssel-Meldung. Huch – ausgerechnet Neukölln als Vorbild zu nehmen ist natürlich gewagt, aber gut. Immerhin gute Ratschläge dabei.

Und immer noch die Frage im Hinterkopf: Hätte ich diese Zeitung jetzt so gekauft beim Blättern am Kiosk?

Nochmal Politik. McAllister-Interview. Respekt für die Griechen. Ist da irgendwas, was ich über MacAllister nun nicht wissen würde und seine Position? Na ja, man darf ja nicht von sich selbst ausgehen, aber durchgelesen hab ich mir das Interview nicht zur Gänze. Und Chinas Wirtschaft schwächelt. Weiß ich schon längst per Online-Medien… Nein, nicht die Homepage der WAZ… Nächste Seite: „Gewalt und Hass gegen die USA“ – Grundlage hierfür wohl eine DAPD-Meldung mit eigenen Erkenntnissen angereichert. Lässt jedenfalls das Kürzel unterm Artikel vermuten. Beziehungweise:  Unter Mithilfe des „Wall Street Journal“. Kann man machen, wenn man nicht die reine Agenturmeldung abdrucken will. Ein bißchen merkwürdig finde ich, dass die Zeilen über das Video so klingen, als haben die Journalisten die Auszüge des Mohammed-Films selbst gesehen – ob dem so ist oder nicht? Merkle und Wilder jedenfalls unterhalb des USA-Artikels. Okay.

Bei der Wirtschaft wird in einer Serie zugepackt und der Gründer der Hochschule Ruhr-West – Mülheim, Bottrop – porträtiert. Okay, den Reportage-Stil der WAZ kann man mögen oder auch nicht – solides Stück jedenfalls. Ansonsten passend zur Rubirk: Die LIDL-Werbung. Nächste Seite: Apples neues iPhon 5. Fasst alle Details im Groben zusammen, lässt aber beim LTE-Standard die Tatsache aus, dass vorerst wohl nur die Telekom als Carrier dafür in Frage kommt – jedenfalls laut der Applenote von gestern, die ich in einem bekannten Blog als Ticker mitverfolgt hab. Geht in Ordnung. Was ich nicht verstehe ist, warum bei der WAZ der Kommentar vor der eigentlichen Meldung einsortiert ist – da lese ich irgendwas von Dispo-Begrenzungen, stoße aber erst weiter unten auf die Meldung auf die sich der Kommentar bezieht. Bevor ich also Fakten lese, kriege ich die Meinung präsentiert. Hmm.

Großformatige Anzeige und bei mir im Kopf verdichtet sich allmählich eine Feststellung, aber noch ist sie zu vage um ausformuliert zu werden.

Oh Gott. Im Panorama: Frau Wulff. Das Überspringe ich mal, die Dame hat dank einer geschickte PR-Agentur schon genug Selbstdarstellungsbühnengewese erhalten. Irgendwas tolles Neues stelle ich übrigens bisher nun nicht fest – die üblichen Rubriken halt, die man so kennt, die Schrift scheint auch nicht geändert worden zu sein – was das großartig Tolle dran sein soll erschließt sich mir nicht, vielleicht aber jetzt, denn jetzt kommt der Lokalteil. Wichtig ist ja das Lokale. Vor allem weil auch wir bei Xtranews ja hin und wieder sowas wie hyperlokalen Inhalt anbieten – was nun nicht heißen soll, nein, in keinster Weise, also, da deuten Sie jetzt was rein, was wirklich nicht…

Lokalteil Duisburg. Es soll, so habe ich das verstanden, eine Seite mehr vorhanden sein. Mal schauen: „DUskatet“ hat Saisonabschluss. Hauptaufmacher der ersten Seite. Neu, die „Rhein-Tour“ von hier nach Düsseldorf. Gut. Scheint wohl sonst nichts Dringenderes zu geben. Außer: Die Proteste der Ärzte. Die stehen direkt untendrunter. Achselzucken beim Lesen. Max Goldt ist übrigens im Grammatikoff – was für Kurzentschlossene. Nächste Seite: Es geht um den Darm. Hätte ich jetzt fast übersehen, dass das ein Artikel in der Reihe des WAZ-Medizinforums ist und dass es eine dazu passende Veranstaltung gibt. Jede Menge über den Darm gelernt. Immerhin. Sehr schön: Die TOP-5-Online-Themen – ohne irgendwelche Links zur Webseite. Müsste man nochmal drangehen das nächste Mal, hmm? Ich google die jedenfalls nicht.

Die Meldung zur Ermittlung des Mordmotivs bei einer Schießerei las ich schon gestern online. Centaplan-Prozess startet. Juhu: Segways haben es auch nach Duisburg geschafft. Gähn. Erstmal zu Penny. Nein, moment, erstmal nach Neudorf: Ein „Wunderschwamm“ wurde hier erfunden. Nett, aber ich könnte auch ohne diese Meldung weiterhin friedlich gelebt haben. Netto hat übrigens auch noch Angebote fürs Wochenende. Bei der Zeitarbeitsfirma PEAG legt man – was schön für die dort Beschäftigten ist – Wert auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Findet sich unter „Arbeit und Soziales“, natürlich. Mein Blick schweift allerdings zur bunten Verheißung der Edeka-Reklame, die direkt daneben platziert ist. Zwänge mich zurück zum Artikel, in dem die Arbeit der PEAG als vorbildlich dargestellt wird. Flexiblität sei sehr wichtig. Schräg dadrüber lädt dann die SPD zur Diskussion über den Duisburger Arbeitsmarkt ein.

Was vage wabert wird allmählich zur Gewißheit.

Frauennetzwerk wird 15 Jahre. Wer den Artikel geschrieben hat, steht drüber. Wer den Artikel über „Gefährliche Feinstäube“ daneben verfasst hat – keine Ahnung. Könnte identischer Autor sein. Oder auch einfach eine Pressemeldung. Wer weiß. Man lernt: Das Agenda-21-Netzwerk in Duisburg ist quasi so mit eines der letzten seiner Art. Rio und so. Umwelt und so. Man wolle jetzt das Einkaufsverhalten des öffentlichen Dienstens in Duisburg hinterfragen, damit das nicht zu Lasten der Dritten Welt geht. Löbliche Initiative. Passend dazu untendrunter ein Artikel wie man Job und Kind unter einen Hut bringt. Gilt aber für alle Alleinerziehenden nicht nur für Frauen.

Aus den Stadtteilen schmückt ein Bild der Aktion – hmmm – also, die WAZ hatte ein Lesercafe in Neudorf und verspricht jetzt mit mehr lokalen Reportern mehr lokale Themen abzudecken. Man gehe in die Offensive. (War man vorher in der Defensive? Wenn ja, wem gegenüber?) Mehr Infos. Mehr Geschichten aus den Stadtteilen. WAZ-Reporter sind jetzt verstärkt vor Ort. Noch näher wolle man dran sein. Und kündigt das nächste Lesercafe an. Ja, ein Versprechen löse man demnächst dann ein: Eine Woche Themen über Mobilität wolle man dann demnächst – nächste Woche wohl – machen. Wenn das neue Lokalteil-Blatt schon mit einer Eigenwerbung startet anstatt mit irgendwie Themen aus Neudorf die die Bürger bewegten… Zwei Seiten Duisburg-Süd dann. Die B-228 wird nicht weiter ausgebaut, 21 Mediatoren stehen für agressive Jugendliche bereit. Drei Fragen an – Irene Scharenberg, wohl Autorin. Nichts, was man wirklich wissen müsste. Gesamtschüler in Unternehmen, Farbild mit Bikini-Damen… Direkt daneben: „Pluspunkte für große Kugeln.“ Nicht, was Sie denken. Es geht um Eis.

Anzeigen. Bisher keine emotionale Reaktion seitens des Herzens, der Verstand hält sich nochmal etwas zurück.

Oh dear. Sport. Damit kann man mich jagen. Ich habe keine Ahnung davon und kann also nicht beurteilen wie gut oder schlecht der Sportteil der WAZ ausfällt. Daher sehe man mir das Auslassen hier nach. Ich wende mich lieber der Kultur zu, davon verstehe ich immerhin etwas: Ich kann zwar keine Kunst, aber drüber reden geht. Ja, das war Selbstironie. Danke.
Moment, moment – das ist ja noch eine Seite Forum. Mit Leserstimmen. Auch von Onlinern. Das wiegt die Scharte der abgehackten Leserbriefe vorne etwas auf muss ich gestehen. Und eine Kolumne über Linkshänder. Okay. Jetzt aber dann die Kultur.

Oh – es ist Kultur UND Freizeit. Das macht nachdenklich: Ist Kultur sonst im Arbeitsalltag integriert? Die WAZ hat Mobilee im Probenraum besucht. Da bin ich außen vor, ich habe die Band schon desöfteren erleben dürfen. Frage mich, was eine Gothic-Göre sein soll. Finde wenige Meldungen auf der Seite über lokale Kultur in Duisburg, lasse mich aber überraschen… Nein, erstmal ein Porträt über Rene Steinberg. Der Mann wagt sich allerdings nicht „erst jetzt“ auf die Bühne, der ist das schon etwas länger. Wer den Humor mag, okay. Jetzt aber zwei Meldungen aus der Kulturszene Duisburgs. Insgeheim scheint „sprengerbleilevens“ eine gute PR zu machen – in den letzten Wochen und Tagen ist die neue Agentur in Ruhrort immer irgendwie in den Schlagzeilen. „Kunst hinter Bürotüren“ nennt sich die Reihe. Gut, wissen wir jetzt was da für Kunst im Büro hängt, dummerweise kommt der Bürger ja wohl kaum in die Lage selbige so zu Gesicht zu bekommen. Untendrunter dann immerhin die Meldung, dass die „Kniende“ auf Reisen nach Finnland geht. Also eine Bronzeversion derselben. Sie geht nach Tampere oder ist da schon gelandet. Ah, Zwangsumtausch für die Karten für Jürgen von der Lippe für das TaM. Beileid, ihr lieben Mitarbeiter im Servicecenter, Beileid.

Termine.

Mehr Termine.

Die Leben-Seite dann mit dem angeteasten Bericht über den Dokumentarfilm über den günen Wald. Jetzt steht auch wirklich grün da. So heißt der Film halt: „Das güne Wunder – unser Wald.“ Nächste Seite: Die Kinofilmbesprechungen der Neustarts. Ich überfliege die nur, Sternchenbewertungen bei Filmen sind mir suspekt und Kritiken in dieser Rubrik sind sowieso eine Sache des Betrachters. Muss der Freizeit-Aspekt des Abschnitts sein übrigens. Und dann: RTL zeigt die neue US-Serie „Person of Interest“. Vom Nolan und Abrams. Kenne ich keine Folge von. Klingt aber nicht so, als ob es mich anspricht. Wo ist eigentlich die fundierte TV-Programmkritik hingekommen? Überlässt man wohl lieber der FAZ oder der SZ? Schade.

Til Schweiger. Oh Gott. Die nächste Seite verdrängt sich automatisch aus meinem Gedächtnis, Tratsch und Klatsch halt.

Zum Schluss noch „Deine Seite“ – Nachrichten für Kinder und Jugendliche. Wer die Artikel schrieb? Keine Ahnung. Weder oberhalb noch unterhalb der Artikel gibts ein Kürzel. Wer die jungen Leute da mit „Du“ anspricht ist also nicht so ganz ersichtlich. Karlsruhe spielt auch hier eine Rolle, wichtiger aber ist die Presefreiheit – oder das Buch von Jugendlichen, dass diese erklärt. Diese durften dann nach Berlin, ein Wettbewerb wurde gewonnen. Morgen sei ein ganz besonderer Tag, schwafelt der Artikel. Nicht, dass man sich das nicht aus der Überschrift herleiten hätte können. Warum Zeitungen und Zeitschriften wichtige Informationsmedien sind – darum ging der Wettbewerb der Nationalen Initiative Printmedien erfährt man. Unfreiwillig komisch: Die WAZ berichtet über ein Buch, in dem ein Junge bemerkt, dass es auf einmal nur noch eine einzige Zeitung gibt. So mancher Leser in NRW wird sich da wiederfinden können. Pressevielfalt sei ja ganz wichtig, erfährt man. Was man nicht erfährt – wer ist eigentliche diese Initiative, die den Wettbewerb ausgelobt hat? Kein Infokasten dazu? (Es ist übrigens die Bundesregierung, was dann natürlich auch die Fahrt nach Berlin erklärt und das Programm. Interessanter ist natürlich, wer sich da so alles organisiert hat, aber diese Info kann man den Kleinen nicht zumuten. Die Liste gibts aber natürlich im Netz. Lobby? Nicht doch…)

13,09.2012. Ein Tag wie ihn die WAZ darstellt. Mit Karlsruhe und Wirtschaftskrise. Mit Interviews und Reportagen. Mit viel Lokalen – wobei man da erstmal eine Seite abziehen muss wegen Eigendarstellung. Wenn Sie jetzt bis hierhin brav alle Abschnitte durchgelesen haben, stellt sich Ihnen wie mir die Frage: Würde ich die WAZ freiwillig am Kiosk heute gekauft haben? Ja, würde ich sie gar immer und immer täglich kaufen wollen sprich ein Abonnement abschließen mögen?
Die Antwort ist subjektiv und heißt Nein. Jetzt aber muss ich einschränken: Es gibt gute Stücke in der WAZ, wenn ich auch deren Reportage-Stil nicht so ganz was abgewinnen kann – und das liegt nicht am Journalisten übrigens, die WAZ scheint da wie der Spiegel die Mitarbeiter zu einem gewissen Stil zu erziehen. Es gibt auch hier in Xtranews durchaus misslungene Stücke, vielleicht sind Sie der Meinung gerade eines zu lesen. Nein, ich verfalle nicht in ein Schwarz-Weiß-Denken wie das Journalisten gegenüber Bloggern immer mal wieder bedauerlicherweise vollziehen – ich sehe durchaus, dass man in der WAZ diverse gute Artikel finden kann. Doch gerade das, was die neue WAZ nun auszeichnen soll – mehr Lokales! Mehr Reporter in den Stadtteilen! Mehr News! – gerade das finde ich zumindest in dieser Ausgabe nicht. Mir allen Ernstes ein Lobhudeln zum Start einer neuen Seite unterjubeln zu wollen – und dann zudem auch nur noch eine halbe Seite – passt mir nicht. Wenn, dann bitte richtig neustarten und nicht so halbwegs.

Eine gute Zeitung packt mich nicht nur mit dem Verstand. Eine gute Zeitung packt mich auch am Herzen. Eine Zeitung rührt an, rührt auf, deckt auf, mischt sich ein. Das vermag jetzt bei mir die WAZ nicht mehr. Hat sie mal gekonnt. Schade. Nun denn: Schön, dass ihr bei der WAZ wieder erkannt habt wo eure Stärke liegen könnte. Im Lokalen nämlich. Deswegen kauft man eine Zeitung in der Stadt. Jedoch: Nur eine Seite Lokalberichterstattung mehr und dann solches Birmborium mit kostenloser Zeitung und neuen Plakaten und Gedönse? Wisst ihr was das ist? Tinnef.

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