Kunst grenznah: Stefan à Wengen in Venlo

Der Schweizer Stefan à Wengen (1964, Basel) verknüpft abendländische kulturelle Codes mit jenen der Kopfjäger Neu Guineas. Die junge Galerie Wilms im nahen Venlo zeigt u.a. ein Heiligenbild ohne Heiligen und Trophäen von einer Reise ins eigene Oeuvre des in internationalen Sammlungen vertretenen Wahl-Düsseldorfers.

 

In seiner ersten Ausstellung in der Galerie Wilms, Venlo, verbindet Stefan à Wengen kulturelle Codes des Abendlandes mit jenen der Asmat, ein im westlichen Teil von Papua Neuguinea lebenden Volk, das à Wengen mehrmals besucht hat. Dabei bleibt er seiner Vorliebe für ‚das Unheimliche’ als einem traditionsreichen Standard in der abendländischen Malerei treu.

 

In der Venloer Galerie Wilms zeigt à Wengen das Gemälde Hieronymus Painting III (Acryl auf Leinen, 2012, 230 x 200 cm) und zitiert dabei die abendländische Ikonografie, in welcher der Heilige in Gesellschaft eines Löwen dargestellt wird. Ein Totenschädel kennzeichnet Hieronymus als Einsiedler, der bekannte Kupferstich von Albrecht Dürer ‚Hieronymus im Gehäuse’ von 1514 ist ein prominentes Beispiel für diese Symbolik.

In à Wengens Gemälde Hieronymus Painting III indes bleibt der heilige Gelehrte unsichtbar, existiert nur noch als Idee, als Erinnerung. Hingegen ist der Löwe, als Symbol für die Überwindung des Animalischen und die Idealisierung des Gartens Eden, sehr präsent. An der Rückwand des schummrigen Interieurs mit Tisch und zwei Stühlen prangt ein gerahmtes Bild des stilisierten Schädels.

Damit verschmelzen Todessymbol, Zähmung der Natur und Trophäenkult zu einem anspielungsreichen Ganzen. Mit dem Schädelsignet aus seinem Gemälde ‚Die Geschichte des Auges’ (1991) zitiert sich der Künstler selbst: „Insofern ist das Kapital von zurückliegenden Arbeiten – der als Wert verstanden werden kann und als solcher seine Beständigkeit bewiesen hat – gleichsam wie eine Trophäe, die es zu präsentieren oder neu zu interpretieren gilt. Ähnlich wie beim Volk der Asmat, bei denen der Schädel unter anderem als Trophäe eines erfolgreichen Kopfjägers gesehen und bewundert wurde, durch die sich Kraft und Seele (des Feindes) aneignen ließen.“

 

Mehrere, außerdem gezeigte Trophäenbilder (jeweils Trophy, Acryl auf Leinen/Leinwand/Pappe, jeweils 30 x 23 cm, 2012) betrachtet à Wengen als Herauslösungen aus dem zentralen Hieronymus Painting III und als ‚Ausbeute einer Reise in die eigene Biografie.

 

So wie das Boot in der abendländischen Ikonografie für die Fahrt vom Diesseits ins Jenseits steht, so evoziert der Einbaum auch bei den Asmat eine gewisse Todesthematik; diente das praktisch lautlose Gefährt doch nicht nur der lebenserhaltenden Jagd auf Tiere, sondern auch der Kopfjagd.

In der erstmals gezeigten, großformatige Zeichnung The Mission (Kohle auf Leinwand, 180 x 260 cm, 2012); verschmelzen diese beiden kulturellen Codes, analog Hieronymus Painting III.

 

Arbeiten von Stefan à Wengen befinden sich in bedeutenden öffentlichen wie privaten deutschen, niederländischen und schweizerischen, spanischen und US-amerikanischen Sammlungen. 2010 war à Wengen eine große Ausstellung in Luzern gewidmet.

 

Stefan à Wengen

Hieronymus and some trophies

2. – 29. September 2012

 

Eröffnung Sonntag 2. September 15.00 Uhr

 

Öffnungszeiten:

Mi – Fr: 13.00 – 18.00, Sa: 12.00 – 17.00 Uhr

 

Am ersten Sonntag des Monats von 13 bis 17 Uhr und nach Absprache.

 

Galerie Wilms

Bolwaterstraat 30

NL – 5911 GC  Venlo

Tel; 0031 6 43599407

www.galeriewilms.nl

 

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