Samstags in Duisburg, Teil 12: Olympia – schneller, höher, weiter

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rings (Photo credit: michael pollak)

Samstags in Duisburg ist toll! Eigentlich. Weil man doch am Samstag mehr Zeit hat – zum Beispiel auch zum Zeitunglesen. Eigentlich. Nur: jetzt ist gerade Olympia, also die Olympischen Spiele finden statt – nicht etwa die Olympiade. In London, wie Sie ganz bestimmt wissen. London ist supertoll. Duisburg ist selbstverständlich immer noch toll, glaube ich. Aber so ganz genau kann ich das natürlich auch nicht wissen.

Was haben wir denn heute? Ach ja, interessant: Triathlon der Damen, Volleyball der Herren, gefolgt vom Olympia-Telegramm. Damit man morgens auch nachrichtlich auf dem neuesten Stand ist. Sportlich, versteht sich. Genauer gesagt: olympisch. Das sagt aber auch schon der Name: Olympia-Telegramm. Sonst hieß es ja Sport-Telegramm oder, weil heute die ARD überträgt, Sportschau-Telegramm. Da hätten Sie aber auch selbst drauf kommen können!

Ja, ich weiß: diese Kolumne hier heißt „Samstags in Duisburg“. Sie halten sich für sehr clever, was?! Bitte sehr: heute steht ab 13 Uhr ein 24-Stunden-Mountain-Bike-Rennen im Landschaftspark-Nord auf dem Programm. In der Rheinischen Post steht: „1970 Teilnehmer aus 470 Teams brennen darauf, 24 Stunden lang auf einem 8,5 Kilometer langen Rundkurs um die Wette zu radeln. Dabei wird Geld für den guten Zweck gesammelt.“ Schöne Sache!

 

Gut. Dass Sie sich nichts aus Olympia machen, okay. Ihre Sache! Im Grunde nicht weiter überraschend. Aber dass 1970 Sportskanonen an einem Wochenende nichts Besseres zu tun haben, als in den Duisburger Norden zu kommen, um dann – ausgerechnet dort – 24 Stunden lang auf dem Drahtesel im Kreis zu fahren… – unter uns: wie bestusst ist das denn?! Da gucke ich mir lieber den Triathlon der Damen im Fernsehen an. Ein lecker Bierchen dabei…

Ich meine, in Duisburg ist doch jetzt sowieso nicht viel los. Mitten in den Sommerferien. Diese Mountain-Biker, sicher. Fahrradfahrer – nach oben buckeln, nach unten treten. Immer schön im Kreis. Mountain-Biken ist sogar olympisch! Und sowas gibt es zur Olympiade, Entschuldigung: während der Olympischen Spiele in unserem schönen Duisburg. Für einen guten Zweck. Toll! Wussten Sie eigentlich, dass der Personalchef, also der Leiter des Personalamts…?

Na, der Sören Link, der neue Oberbürgermeister, der hatte doch mit dem gesprochen. Vertraulich. Dass er doch lieber einen Mann seines Vertrauens auf diesem Posten sähe. Und das ist dann ein Grüner aus der Bildungsholding geworden – Leiter des Personalamts, darüber reden wir doch gerade. Dafür wird der ehemalige – der, wo das mit dem Vertrauen nicht so richtig will – jetzt Leiter einer Bildungseinrichtung für städtische Mitarbeiter.

 

Nein, die gibt es noch nicht, diese außerhalb der Verwaltung angesiedelte Bildungseinrichtung für städtische Mitarbeiter. Dafür hat sie aber jetzt schon einmal einen Leiter. Genau wie das städtische Institut für Aus- und Weiterbildung, das es auch noch gibt. Allerdings nicht mehr sehr lange. Wegen der Kosten, wenn Sie verstehen. Und dann gibt es noch die Bildungsholding, aus der, wie ich schon sagte, der neue Personalamtsleiter kommt.

Die dürfen Sie freilich nicht verwechseln mit dem alten Fortbildungsinstitut, schon gar nicht mit dem neuen, weil das doch extern ist. Weil die Bildungsholding sich doch intern um die Bildung Externer kümmert, also um all die Leute, die nicht bei der Stadt Duisburg beschäftigt sind, aber dennoch Bildung irgendwie nötig haben. Verstehen Sie?! Und selbstverständlich hat diese Bildungsholding auch einen Leiter. Das ist ja logisch.

Schon allein deshalb, weil es sie gibt. So ist das in der Verwaltung: es gibt nichts ohne einen Leiter. Für diejenigen Leser, die etwas Verwaltungserfahrung (wichtiger Begriff!) haben: dieses Prinzip nennen wir Hierarchie. Merke: nichts ohne einen Leiter! Umgekehrt geht das allerdings schon: ein Leiter kann zunächst einmal auch nichts an den Füßen haben. Siehe den bisherigen Leiter des Personalamtes. Immerhin muss der Mann ja versorgt werden.

 

Diesen Grundsatz wiederum nennen wir Versorgungsprinzip. Das ergibt sich aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, in diesem Fall also der Stadt Duisburg, die wiederum sozusagen spiegelbildlich die Loyalitätspflicht des Arbeitnehmers abbildet. Die Fürsorgepflicht natürlich, nicht die Stadt Duisburg, Sie Scherzkeks! Loyalität geht freilich als moralische Verpflichtung weit über die arbeitsrechtliche Kategorie der Loyalitätspflicht hinaus.

Ein Beispiel für diesen Fall wird heute und in den letzten Tagen in den Duisburger Zeitungen und Blogs erörtert. Es stammt aus dem Bereich der Kulturpolitik und besagt in etwa Folgendes: auch wenn jemand, der nicht als Arbeitnehmer an die so einem obliegende Loyalitätspflicht gebunden war oder ist, er sich aber dennoch gegenüber der Stadt Duisburg häufig genug loyal gezeigt hatte – sei es, aus moralischer Verantwortung, parteipolitischer Gebundenheit oder unternehmerischem Interesse -…

…dann kann, ich möchte mal sagen: soll die Stadt Duisburg wiederum sozusagen spiegelbildlich abbilden. Na, Sie wissen schon: Versorgungsprinzip, Fürsorgepflicht – in diesem Fall: Fürsorgepflichtgefühl. Olympisches Fahrradfahren, auf Duisburgerisch: 24-Stunden-Mountain-Bike-Rennen. Allein ist man da verloren; es geht nur im Team. Selbst in einer Einzelsportart. Der Einzelne ist nichts, das Team ist Alles. Jetzt gleich kommt im Fernsehen Springreiten: Einzel und Mannschaft.

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