Angela Merkel – „grundsympathisch“

Angela Merkel, the Chancellor of Germany

Angela Merkel, the Chancellor of Germany (Photo credit: Wikipedia)

Wissen Sie eigentlich, was ich an Angela Merkel so schätze? Ich will es Ihnen sagen: Ich schätze an ihr, dass sie ihr Amt nicht wie eine Monstranz vor sich herträgt. Sie hat Selbstironie. Das macht sie grundsympathisch. Und sie ist sehr verlässlich. Und deswegen bin ich auch der Meinung, dass die Euro-Rettung bei Angela Merkel „in guten Händen ist”. Das heißt, ich wollte sagen: auch ich bin dieser Meinung. Ich auch, auch ich, egal: 70 Prozent der Deutschen finden dies jedenfalls auch. Ja, das steht bei Bild: Top-Ranking für Merkel.

Wie bitte? Sie glauben der Bildzeitung nicht? Verstehe, macht aber nichts. Denn diese Zahlen sind aus dem ARD-Deutschlandtrend: Jörg Schönenborn sieht „Kanzlerin Merkel im Stimmungshoch“. Mit ihrer Arbeit insgesamt sind 68 Prozent der Deutschen zufrieden – ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Vormonat. Sehr aufschlussreich sind auch die Antworten auf die Frage „Welcher Partei trauen Sie zu, die Eurokrise zu bewältigen?“ 42 % trauen dies der Union zu, 17 % der SPD, und 36 % sehen keine Partei dazu imstande.

In der Sonntagsfrage schlage sich das, meint Schönenborn, „allerdings nur sehr bedingt nieder“. Nun gut, die Zahlen von Infratest Dimap unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der anderen Institute und auch nicht von den im Vormonat gemessenen Werten. Klar ist: Schwarz-Gelb wird 2013 keine Mehrheit haben. Mehr aber auch nicht, da es heute noch unmöglich ist zu prognostizieren, welche der kleinen Parteien den Einzug in den Bundestag schaffen wird und welche nicht. Die Aussage, dass im Herbst 2013 eine Regierung links der Mitte Chancen habe, ist folglich etwas gewagt.

Die Chancen Angela Merkels, auch nach der nächsten Wahl Bundeskanzlerin zu bleiben, stehen jedenfalls weit besser. Rot-Grün kommt über die 42 % oder 43 % nicht hinaus; Merkel dagegen könnte sich mit ihren 35 % oder 36 % beim jetzigen Stand der Dinge den Koalitionspartner aussuchen. Entweder eine Neuauflage der Großen Koalition oder mal etwas ganz Neues: Schwarz-Grün auf Bundesebene. Die grüne Basis ziert sich gegenwärtig noch, ihre Obermacker im Kabinett Merkel Drei mitmachen zu lassen. Doch der linke Trittin dürfte ihnen die Sorgen schon nehmen.

Voraussetzung wäre natürlich, dass die Grünen noch gut ein Jahr lang ihr Gewicht halten können. Wenn nicht, gibt´s weder Rot- noch Schwarz-Grün. Wenn aber doch, nun ja… Bei uns ist klar: Wir wollen keine große Koalition, weil sie nicht genug Gemeinsamkeiten hätte. In der Europafrage vielleicht. Aber was ist mit der Bürgerversicherung, einem gerechteren Steuersystem, der Bildung? In allen wichtigen Fragen sind die Überschneidungen zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen weit größer. Und deshalb wollen wir mit ihnen regieren.

Andererseits möchten die Sozialdemokraten ihren grünen Freunden nicht unbedingt den Vortritt lassen. Man kriegt nicht alles, was man will. Und mit Angela Merkel könnte es zur Not doch auch gehen. In der Europafrage vielleicht. Heißt hier: ganz bestimmt. Und in den anderen wichtigen Fragen sind die Übereinstimmungen mit den Grünen weit größer als mit der Union. Gut, wenn es aber weit größer  nicht geht, dann muss „groß“ reichen. Man kann sich nun einmal die Welt nicht nach seinem Wunsch zurechtlegen. Aber es kann sich ja noch so viel tun bis zum Wahltermin.

Vor allem beim Euro. Zwei Möglichkeiten: entweder die Gemeinschaftswährung überlebt oder sie fliegt auseinander. Werden dann die Sympathiewerte für Angela Merkel immer noch so blendend aussehen wie heute. Antwort: Ja. Wird nämlich der Euro gerettet, wer dürfte dann diese heldenhafte Leistung zustande gebracht haben? Anders freilich, wenn die Eurozone auseinanderfliegt, auch Deutschland in die Depression rauscht und nach der Tagesschau Sondersendung auf Sondersendung folgt. Wer hat dann den Anderen – bei allem Entgegenkommen – klipp und klar gesagt: Bis hierhin und nicht weiter!?!

Es ist gut, in diesen schweren Zeiten eine Regierungschefin zu haben, die mit jeder – auch selbst provozierten – Situation fertig wird. Die Angela Merkel. Zudem: Ich schätze an ihr, dass sie ihr Amt nicht wie eine Monstranz vor sich herträgt. Sie hat Selbstironie. Das macht sie grundsympathisch. Und sie ist sehr verlässlich. Nicht zuletzt auch deshalb sollte man sich gut mit ihr stellen, wenn man endlich einmal wieder regieren möchte. Mitregieren möchte. Und deshlab stammt dieser kursiv dargestellte Satz auch nicht von mir, sondern vom SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel.

Genau wie alle anderen kursiv dargestellte Sätze. Gabriel sagte sie gestern in einem Interview mit der taz. Zum Abschluss, liebe Genossinnen und Genossen, singen wir „Brüder zur Sonne zur Freiheit“! Wie bitte? Auch Schwestern? Ja natürlich: auch Schwestern! Klare Sache. Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter. Brüder und Schwestern. Ohne Schwestern läuft heutzutage gar nichts mehr. Erst recht nichts ohne die Genossin Oberschwester. Die Angela. Grundsympathisch. Sie hat Selbstironie. Und wie die über uns lachen kann! Da schüttelt sie sich mit Tränen in den Augen. Grundsympathisch.

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