Duisburg von unten – Duisburg HBF

„Meine Damen und Herren…in wenigen Minuten erreichen wir Duisburg Hauptbahnhof. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrichtung links“, sagte die Lautsprecherstimme des ICE 642 aus Kirschhausen. Ich saß für ein paar Drinks im Bordrestaurant des Zuges und zögerte mit dem Gedanken eine Station weiter zu fahren, um in Düsseldorf bei einem leckeren Chicken Vindaloo die schönen letzten Tage Revue passieren zu lassen. Es half alles nichts. Ich musste aussteigen und mich der Monotonie stellen. Ich war hungrig und auf der Suche nach dem kulinarischen Kick.

Ich lebe in einer Stadt, in der es kein einziges indisches Restaurant gibt. Das ist unfassbar bitter für mich als Fan der Curry bzw. Vindaloogerichte und ein weiterer kleiner Grund, diese Stadt zu verlassen. In Kirschhausen dagegen wimmelt es von Indern, aber das ist hunderte von Kilometern entfernt. Ich ging also mit meinem Koffer aus dem Haupteingang des Bahnhofs und dachte über eine Alternative nach. In Marxloh gibt es absolut grandiose türkische Spezialitäten, aber der Weg erschien mir viel zu weit. Ich entschied mich für das Bistro „NT“ am Neudorfer Tor, welcher mich schon vor Monaten begeistert hatte und wählte den Weg zurück zum Ostausgang. Nach wenigen Metern schnorrte mich ein Typ an, dem ich schon zigmal am Bahnhof begegnet bin. Stets fehlten ihm 60 Cent für den Erwerb einer Fahrkarte. „Wie oft willste mir diesen Scheiß eigentlich noch erzählen? Willste saufen“? baffte ich ihn an. Verblüfft stand er da und ging von dannen. Dabei hätte ich ihn tatsächlich auf ein Bier eingeladen. Kurz vor dem Ostausgang ermahnten zwei Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens junge, rauchende Teenager. Wussten Sie eigentlich, dass es in Duisburg Mitarbeiter im Ordnungsamt gibt, die sowas in ihrer Freizeit machen? Meiner Frau ist sowas letztens passiert. Sie wollte zugegeben angetrunken im Zug rauchen, was ein festangestellter Mitarbeiter unterbinden wollte. Er war zwar nicht im Dienst, aber so sind sie nun mal. Direkt neben dem Ausgang bemerkte ich am Kiosk neben dem Dönerladen die Säuferfraktion. Kaputte gestrandete Typen um die 40 hatten die Lampe schon ziemlich an, flankiert von einer grandios schlecht geschminkten Trash-Fregatte mit gewaltigen Hängebrüsten. Spontan holte ich mir ein Pils und grinste die Dame an. „Bock auf n Bier und n Doornkart“? flirtete ich sie an. Dies alles natürlich nur in der Hoffnung, um mehr über die Truppe zu erfahren. Der Plan ging auf, denn sie erwiderte „Hau mir ab mit Schnappes. Landfürst gerne“. Knappe 10 Minuten quatschten wir letztendlich. Ursprünglich kamen sie aus Bayern, aber sind in Duisburg hängengeblieben. „Was zur Hölle wollt ihr hier in Duisburg? Zieht weiter in die Metropolen dieses Landes. Was ist mit Hamburg oder Berlin? Ist es wirklich so toll hier“?  „Schau mal“, sagte ein Vertreter mit Schnäuzer. „Ob ich hier sauf oder in Berlin. Wo ist da der Unterschied?“. Dafür bekam er einen Schmatzer seiner molligen Maus. Angewidert drehte ich mich um. Was sind das eigentlich für Frauen, die auf Männer mit Schnäuzer stehen? Und warum ist der Schnäuzer-Anteil in Duisburg deutlich höher als z.B. in meinem geliebten Kirschhausen?

Der Hunger war mir ein wenig vergangen und ich stieg in das nächste Taxi. Beim Small-Talk mit dem Fahrer erfuhr ich von einer Bar, in der es hoch hergehen soll. Vielleicht das nächste Mal. Wir sehen uns an der Bar!

 

XTRANEWS verlost einen Abend mit Roman Romero in einer Bar seines Vertrauens. Drinks inklusive! Ihr müsst nur folgende Frage richtig

beantworten:

 

Welche große deutsche Stadt ist mit „Kirschhausen“ gemeint? Antworten bitte an roro@xtranews.de. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen!

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