Loveparade Duisburg: Die Katastrophe aufklären! Hinterbliebenen und Traumatisierten helfen!

Loveparade-Selbsthilfe e.V. ist der Zusammenschluss der Hinterbliebenen, Verletzten und Traumatisierten der Loveparade – Katastrophe in Duisburg am 24. Juli 2010. Anlässlich des 2. Jahrestages der Katastrophe erklärt der Vorsitzende der Vereinigung, Jürgen Hagemann:

Auch zwei Jahre nach der Loveparade Katastrophe von Duisburg, bei der 21 junge Menschen getötet und hunderte verletzt und traumatisert wurden, ist nicht geklärt, wer politisch, organisatorisch und strafrechtlich für diese beispiellose Missachtung der Teilnehmer verantwortlich ist.

Bisher sind zahlreiche Fragen zur Loveparade 2010 unbeantwortet geblieben. Nicht selten hat man man uns gezielt desinformiert. Wir fordern daher die an Planung und Durchführung beteiligten Institutionen, also den Veranstalter Lopavent, die Stadtverwaltung Duisburg und die Polizei dringend auf, ihre Dokumente zu Planung und Durchführung der Loveparade den Betroffenen und ihrer Selbstorganisation vollständig zur Verfügung zu stellen.

Der im Auftrag der Stadt Duisburg durch die Rechtsanwälte Dr. Ute Jasper und Andreas Berstermann erstellte Bericht zum „Verwaltungshandeln der Stadt Duisburg“ hat Unsummen gekostet. Er ist jedoch kaum geeignet, das Handeln innerhalb der Duisburger Verwaltung aufzuklären. Jasper und Berstermann schrecken nicht davor zurück, Fakten zu verschweigen und Dokumente gezielt zu selektieren.Das ist inzwischen durch ergänzende Recherchen nachgewiesen:

Ein Treffen im März 2010 der für die Loveparade verantwortlichen Mitarbeiter der Stadtverwaltung Duisburg mit auswärtigen Experten, die vor der Katastrophe warnen, wird unterschlagen.

Es bleibt unklar, warum das Duisburger Bauamt eine Lautsprecher – Anlage für Durchsagen an Besucher der Loveparade erst fordert, dann aber das Gelände ohne deren Einbau abnimmt.

Die Rolle des Krisenstabes der Stadt Duisburg unter dem Duisburger Rechtsdezernent Rabe, im Zwischenbericht noch angedeutet, fehlt im Endbericht.

Verwaltungsvorstand und Rat der Stadt Duisburg sollten daher umgehend eine unabhängige Kommission einsetzen. Ihre Aufgabe wäre es, die Lücken dieses Berichtes zu schliessen, die bisher unterschlagenen Dokumente zu veröffentlichen und damit eine politische Bewertung durch Betroffene, Rat und Öffentlichkeit zu ermöglichen.
Chancengleichheit herstellen…

Die Staatsanwaltschaft Duisburg wertet immer noch die Ermittlungen der Sonderkommission zur Loveparade der Polizei in Köln aus. Dafür haben wir Verständnis. Warum allerdings allen Beschuldigten und ihren Anwälten bereits vor Monaten Akteneinsicht in diese Ermittlungsergebnisse gewährt wurde, uns als Nebenklägern diese Akteneinsicht jedoch verweigert wird, ist uns völlig unverständlich.

Nur wenn wir diese bisherige Arbeit kennen, können wir – wenn nötig – Anregungen zu weiteren Ermittlungen geben. Wir haben ein Recht ebenso gut vorbereitet wie die Beschuldigten unsere Rechte wahr zu nehmen. Diese Ungleichbehandlung kränkt uns. Die Staatsanwaltschaft sollte ihre Weigerung überdenken und aufheben.

Die vom Land NRW unmittelbar nach dem 24. Juli 2010 aufgelegten Soforthilfefonds haben hervorragend gearbeitet. Ihre Mittel sind inzwischen erschöpft. Danach ist der Kampf um Entschädigung für viele Betroffene schwierig und belastend geworden. Insbesondere die AXA als Versicherung des Veranstalters Lopavent, die inzwischen auch Gelder der Stadt Duisburg verwaltet, erleben wir als äußerst restriktiv.

Zahlreiche Verletzte und Traumatisierte brauchen Hilfe bei ihrem Weg zurück ins Leben. Wir bitten Land, Stadt Duisburg und Lopavent sich gegenüber der AXA für eine grosszügigere Entschädigungspraxis einzusetzen.
Selbsthilfe und Begegnungen fördern

Die Begegnung mit anderen Geschädigten der Loveparade – Katastrophe ist sowohl für die Hinterbliebenen als auch für die Verletzten und Traumatisierten ein entscheidendes Element die Folgen und Traumata des Geschehens am 24. Juli 2010 in Duisburg zu verarbeiten. Diese Begegnungen, bisher durch das Land finanziert, sind für die Zukunft nicht gesichert.

Wir bitten Stadt Duisburg und Landesregierung dringend, diese Treffen auch in Zukunft sicher zu stellen.

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