Sie kommen – sie gehen: Facebook-Freunde

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Das Leben ist real, ist fühlbar, spürbar. Es ist nicht immer leicht, aber dennoch auch oft voller Leichtigkeit. Man teilt es mit anderen, teilt sich aus, bespricht sich, immer auf der Suche nach persönlichen Lösungen und auch manchmal nach Bestätigung und Anerkennung, und auch Liebe. Der Mensch sucht sich sein Gegenüber aus. Fühlt instinktiv, welche Person ihm oder ihr liegt und vertraut, und bestenfalls, freundet sich dann an. Man hat sich eben kennen gelernt. Und so eine Freundschaft dauert oft jahrelang, mitunter sogar lebenslang. So soll es sein. So war es auch einmal.

Heute ist die Welt eine andere. „Freundschaft“ zu schliessen bedarf nur eines Mausklicks. Nur eine Meinung, die man mit einer imaginären Internetperson teilt, reicht manchmal aus, den Freundschaftsbottom zu klicken. Dank Facebook sind Freundschaften heutzutage so inflationär und inhaltslos wie nie zuvor.

Und wie schnell, und ebenso praktisch, sind derartige Freundschaften wieder auflösbar. Ein Klick genügt auch da, dem Freund den medialen Tritt in den Allerwertesten zu geben, hat er doch etwas gepostet, was einem nicht behagt. Und wer auf Facebook viele Freunde hat, scheint ein super Typ zu sein. Schnell bringt man es da auf über 1000 und sonnt sich im Glück, verdrängend, dass nur ein Schneeballsystem einem die vielen Freunde ins Haus brachte.

Wer sich allerdings die Mühe macht, seinen neuen Freund, seine neue Freundin, ein wenig näher zu betrachten, wird auch feststellen müssen, dass er oder sie mit so jemandem im realen Leben nie zusammen gekommen wäre. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen  oft die Regel! Hinter einigen Facebook-Freunden verbergen sich auch Trolle, Agent Provocateurs, Aufmerksamkeitstäter und anderes frustriert-gelangweilte Volk. Eben solche, die ausser ihrem Laptop eigentlich keine Freunde kennen. Menschen, die oftmals nicht in der Lage sind, Freundschaften und Beziehungen zu pflegen und zu halten. Denen das Meckern und Stänkern in der virtuellen Welt ein mehr an Befriedigung als im wirklichen Leben bringt, zumal da in aller Regel niemand ist, den das Gezänk auch nur ansatzweise interessiert. Die eigentlich nach Aufmerksamkeit und Beachtung geifern, aber deren bettelnd-bemitleidenswerter Schrei niemand hört. Aber auch sie finden im WWW ihre Zuhörer. Sie werden wichtig, und sei es nur für den einen -den großen- Moment des Postings.

Im Internet, und im besonderen auf Facebook, geht alles viel einfacher. Schnell ist man wer, die eigene Meinung wird gelobt, geteilt und diskutiert. Wenn schon die eigene Familie oder Nachbarn und Bekannte kein Interesse an dem haben, was der Mensch zu sagen hat, so  ist es doch zumindest der Facebook-Freundeskreis, welcher mitliest und Teilhabe vorgaukelt. Im Reich der weltweiten Daten bin ich groß, bin ich stark, bin ich wer! Da werde ich –endlich– zu einer wichtigen Person. Auch wenn ich es nicht bin, aber dank Facebook darf ich so fühlen. Vielleicht bin ich nur ein einsamer Wicht, dessen Meinung sonst niemanden interessiert, aber hier auf Facebook finde ich die Menschen, die mich verstehen und die dafür meine Freunde geworden sind. Aber nur solang wie sie den Facebook-Daumen heben. Kritisieren sie mich, ist es aus mit der Freundschaft! Dann werden sie bekämpft.

Welch trügerischer Gedanke von Freundschaft, wenn man bedenkt, dass kaum jemand der vielen Millionen User weltweit, alles von sich preis zu geben wirklich bereit ist. Warum sollte der/die User/in auch? Die Internetwelt kann vieles, macht eine Menge möglich aber eines kann sie nicht: Echte Emotionen beim Gegenüber erzeugen oder gar zu transportieren.

Viele Facebook-„Freunde“ zu haben kann von Vorteil sein, besonders dann, wenn man das Medium zur Verbreitung eigener und fremder Meinungen und Ansichten nutzen will. Wenn man selbstverfasstes „unters Volk“ bringen möchte und es letztlich auch für eigene Vermarktung und Profilierung nutzen will. Das ist nicht schlecht, das ist sogar legitim. Aber  es gibt dann doch einen Unterschied was man wirklichen Freunden im realen Leben und Freunden der Facebookwelt mitteilt. Einem wahren Freund tägliche Belanglosigkeiten mitzuteilen wirkt wie Gift für eine Freundschaft und erfüllt keinesfalls den tieferen Sinn einer funktionierenden Beziehung, gleich welcher Art.

Und doch: es gibt sie, die Menschen, welche meinen über Facebook die Welt an ihrem Erlebten, Erfundenen oder gar Erdichteten teilhaben zu müssen. Und oft sind es gerade die Menschen, die sich dann dort treffen und finden, weil sie im gleichen Keller zum Lachen waren. Wer nicht mit ihnen auf der gleichen Ansichtswelle schwimmt, wird gnadenlos angegangen und diffamiert, bis hin zum Internetstalking. Nur werden diese Menschen schnell erkannt und es ergeht ihnen wie im wahren Leben: Keiner will sie so wie sie sind. Daran ändert auch ein social network nichts, denn gerade diese Menschen entblößen sich und ihren Charakter auch dort derart auffällig, dass ihre Freundschaftsliste zwar lang, aber völlig bedeutungslos und inhaltsleer ist.

Als jemand, der Facebook oft und gern nutzt, und der tatsächlich viele „Freunde“ dort hat, kann ich für mich nur schreiben, den mir passenden Nutzen daraus gezogen zu haben. Ich treffe dort einige, die mich (im positiven) amüsieren und interessieren, wie einen Olaf K. oder einen Johannes K. beispielsweise, aber ebenso treffe ich dort Menschen, die scheinbar schweres Leid zu tragen haben und das Elend der Welt in allen ihren Postings zum Ausdruck bringen. Aber auch das ist Facebook. Die meisten haben einfach Spaß mit diesem Medium, andere aber bringen dort ihren persönlichen Frust und ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck. Beides sollte möglich sein, solang es nicht die Kreise des anderen tangiert oder gar verletzt.

D.O.

 

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