Und was jetzt Duisburger Kultur oder die Frage nach der Demo

Warum ich nicht auf der Demo gewesen sei, fragte man mich kürzlich. Wo ich doch so für Kultur in Duisburg sei und eintrete, da müsse ich doch auch Initiativen wie diese Demo in der Innenstadt unterstützen. Ich zog a la Vetinari meine Augenbraue hoch und entgegnete: „Der Beziehungsstatus zwischen Duisburg, der Kultur und mir besteht momentan in der Anzeige, dass es kompliziert ist. Außerdem muss ich nicht mit Duisburg reden.“

Von Seiten der Stadt hört man ja in Bezug auf das Festival oder die Kultur oder was man nun so machen möchte nun nicht viel Neues – nicht nur im Fernsehen wird alles wiederholt zudem ist klar: Wir müssen sparen. Auf der anderen Seite gabs zwar die Konferenz von DU-Kultur – und es mag sein, dass dort konstruktiv gearbeitet wurde, ich zweifle das nicht an – deren Schlusserklärung jedoch reichlich vage und abstrakt aufscheint. Man fordert. Man proklamiert. Wie man seine Ziele aber erreichen möchte – Fragezeichen. Immerhin: Wenn es einen Kulturentwicklungsplan für die Stadt geben sollen wird in der Zukunft, man hörte den neuen OB ja davon reden, müssten sich diese Akteure zumindest laut deren Schlussdokument dort einbringen. Allerdings: Beispiele aus Detroit werden Duisburg wohl kaum etwas bringen. Duisburg ist schließlich auch nicht New York.

Sicherlich haben die Traumzeitretter plus Kultursprung eine nette Demo organisiert. Auch eine Traumzeitnacht ist sicherlich nett. Dass das geplante Minifestival im Lapano als eigentliches Ziel von der DMG wohl verhindert wurde ist nun nicht Schuld des Vereins, andererseits aber war leichte Skepsis wegen des engen Zeitplans eh schon angesagt. Dabei erfüllen die Traumzeitretter durchaus das Ziel ihrer Satzung: „Der Verein widmet sich der Wahrung, Förderung und Weiterentwicklung der Kunst und Kultur in Duisburg und bringt sich aktiv ins Kulturleben der Stadt ein.“ Eine öffentliche Demonstration bzw. Aktionen sind natürlich eine aktive Einmischung ins Leben der Stadt. Bisher allerdings wenig wahrgenommen ist der Teil, der davor steht: „Wahrung, Förderung und Weiterentwicklung der Kunst und Kultur in Duisburg.“ Würden sich die Mitglieder nun ebenfalls an einen Tisch mit Sören Link setzen um die Kunst und Kultur gemeinsam mit allen anderen Initiativen voranzubringen?

Momentan ist das so, dass ich mit Duisburg nicht reden muss. Weil in jeder guten Beziehung auch ein wenig Abstand zum Nachdenken und zum Reflektieren gehört – zum Planen – zum Luftholen. Dass Duisburg sich nicht bei mir beliebt gemacht hat neulich trug noch dazu bei, dass ich erstmal den Status mit ihr und der Kultur auf  „Es ist kompliziert“ setze. Wenn ich mir dann die ganzen Protagonisten anschaue, die einem geradezu das MUSS ins Gesicht schmettern – „Du musst jetzt aber dich vernetzen! Und überhaupt!“ – und dann einen Blick ins Rathaus werfe kann ich nur hoffen, dass der Versuch eines Kulturentwicklungsplans von dem da die Rede ist gelingt. Stirbt ja bekanntlich zuletzt diese Hoffnung.

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2 thoughts on “Und was jetzt Duisburger Kultur oder die Frage nach der Demo

  1. Gut gebrüllt, bzw gefaucht hinsichtlich der, sagenwirmal, voluntaristischen Überschätzung der Protagonisten.

    Dieses Appellative an die Kommune ist ja auch nur eine Forderung an die Kommune nach einem warmen Arsch.

    Hinsichtlich der der Propagierung und Realisierung hiesiger lokaler Kulturarbeit verweise ich auf Wilfried:

    http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/duisburg/nachrichten/schaus-sahm-wieder-festivalmacher-1.2903668

    Darin ist dargetan:

    „Die jüngsten Entwicklungen rund um das Traumzeit-Festival hat Schaus-Sahm mit Interesse, aber ohne jede Überraschung verfolgt: „Das war bis in die Einzelheiten vorherzusehen. In dieser Stadt gibt es seit den Zeiten von Konrad Schilling und Iris Magdowski einfach keine Entscheidungsträger mehr, die überhaupt eine Beziehung zur Kultur haben, von Herzblut ganz zu schweigen. Und ohne Leidenschaft und Interesse erreicht man in der Kultur gar nichts.“

  2. Danke für Dein Interesse, Heiko. Das Neue, das die Initiativen wollen, ist eine Strukturveränderung. Dazu gehört ein Kulturentwicklungsplan und ein Gremium, in dem ein solcher erarbeitet werden kann. Das Motto der Demo ‘wir müssen reden’ trifft diesen Sachverhalt ganz gut. OB Link hat Gesprächsbereitschaft signalisiert und wie ich erfahren habe, kommt es bereits zu ersten Aussprachen. Dass Du mit der Stadt nicht reden musst, wie Du in Deinem Artikel erwähnst, lässt Dich wohl übersehen, dass zu reden der Beginn einer neuen Kooperation von Szene und Stadt werden könnte. Ich zumindest bin gespannt 🙂