Duisburg von unten – „Conny´s Kneipe“

Goodbye Duisburg? Roman Romero (im Bild links neben Tommy Ramone und Karsten Sulewsky) will nach Kirschhausen.

Es ist an der Zeit zu gehen. Trash ist schön und gut. Duisburg eine Trash-City zu nennen ist vielleicht ein wenig übertreiben aber wenn der Trash überhandnimmt sollte man einen Cut machen. Auf meiner langen Abschiedstour durchs Duisburg Kneipen gerate ich durch puren Zufall in „Conny´s Kneipe“. Arbeiter-Kultur im Herzen Marxlohs.

Ich bin immer seltener in Duisburg. Grund dafür ist die alte Liebe zu Norddeutschland. Insbesondere ein geheimnisvoller Ort namens „Kirschhausen“ hat mich in seinen Bann gezogen. Beinahe an jedem Weekend bringt mich der ICE zurück in die Heimat. Der Kontrast ist bitter und macht jeden vernünftig denkenden Menschen nachdenklich. Als ich meiner wie immer charmanten Begleitung fragte, wie ich es nur solange in Duisburg ausgehalten habe, kam nur ein furchtbares „Anscheinend haste die letzten Jahrzehnte dein Gehirn ausgeschaltet“ zurück.

Gemeinsam trotten wir die Krummacherstraße im Dellviertel hoch und ich erschrak wie oft ich in diesem Dreieck der Tristesse meine Drinks genossen habe. „Pampus“, „Cafe Graefen“, „Movies“, „Harlekin“ oder „Goldengrün“. Alles zum Teil ja ganz nett gewesen aber will man hier bis zum Ende seines Lebens die Drinks genießen? Woanders ist auch Scheiße? Eben nicht! Schon gar nicht wenn man „Kirschhausen“ gesehen und erlebt hat.

Kurz bevor ich erneut das „Pampus“ samt Koffer entern will, hält ein sehr guter Freund mit seinem Auto vor der Tür. „Kommze mit nach Marxloh? Bei Peter Pomm Pusztetten essen?“ Mein Buddy hat schon vor Jahren die Stadt verlassen und fragt mich als erstes wann ich denn aus diesem Loch hier endlich raus will. Bald, entgegnete ich…bald.

„Conny´s Kneipe“ liegt im Herzen Marxlohs direkt am Pollmann-Kreuz an der Haltestelle der legendären Linie „901“. Neugierig betrachtet mich das eher gepflegte Volk an der Theke. Ich werde freundlich begrüßt was bestimmt auch an meinem teuren Maßanzug samt Manschetten-Hemd liegt aber verwirre das Thekenvolk schnell mit einem „Ich hätt gern n doppelten Gehörnten und ein Pils“. Ich bin überrascht, dass dies alles andere als eine Spelunke ist. Wie ich erfahre, verweist man bei Eintritt von Trash-Typen auf das Schild direkt am Eingang: „Sparclub-geschlossene Gesellschaft“. Ganz schön tricky. Conny, der Inhaber seit 35 Jahren, ist gerade im Urlaub. Dafür serviert mir die überaus zuvorkommende „Jutta“ die Drinks. Das Pils kostet schlappe 1,10€. „Teuer genug“ grummelt der stoische Rentner neben mir. Neben Rentner sitzen noch ein paar Thyssen-Malocher an der Bar. Beim lauschen der Gespräche denke ich an den grandiosen Film „Zweimal im Leben“. In einer Szene sitzt Stahlkocher Gene Hackman in seiner Stammpinte und wird von Brian Dennehy gefragt wo er denn letzte Woche war. „Da hatte ich Nachtschicht. Und wo warst Du?“ „Ich hatte Frühschicht“. So oder ähnlich gestaltete sich die Gesprächskultur. Beim näheren Betrachten der Kneipe entdeckte ich einen Hauch von Trash in Form von zwei Tittenkalendern neben den WC´s. Gegenüber von mir saß eine sympathische Dame etwas älteren Semesters, welche die rumliegende Asche auf der Theke gekonnt mit großen Backen wegpustete. Musikalisch untermalt wurde das ganze doch tatsächlich von „CC Catch“ und ihrem furchtbaren Hit „Heaven and Hell“. Neben mir steht „Heinz“. Als ich ihn fragte was so schön an Duisburg ist, sagte er: „Hier bin ich geboren und hier bleibe ich“. Ich zahlte abrupt, fuhr zurück in meine noch vorhandene Wohnung und las online via Xtranews über die bevorstehenden Etatkürzungen im Bereich Kultur der Stadt Duisburg. Voller Sehnsucht dachte ich an „Kirschhausen“, wo fast jeden Abend Bands spielen, es noch richtige Punk Rock-Bars gibt und Kultur en masse das Volk bewegt. Es ist wirklich an der Zeit zu gehen.

 

Fußnote: Sitze im Zugrestaurant des ICE bei ein paar Bierchen und war es leid auf Rechtschreibung zu achten. Schließlich muss der Artikel laut meinem Chef so schnell wie möglich veröffentlicht werden und ich werde teuer bezahlt.

Roman Romero

P.S. ACHTUNG! XTRANEWS wird die große „Duisburg von unten“-Abschiedsparty anlässlich des Weggangs von Roman Romero feierlich in Form von Lesungen und Live-Musik präsentieren. Ort und Zeitpunkt werden zeitnah bekannt gegeben.

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2 thoughts on “Duisburg von unten – „Conny´s Kneipe“

  1. Na und? Wat willste uns denn sagen mit deinem Text? Wenns dir da so gut gefällt, dann gute Reise…