FOC Duisburg Hamborn: Dichtung und Wahrheit

Es ist nicht ganz einfach, Licht in das Dunkel des Informations-Chaos rund um das FOC Duisburg Hamborn zu bringen, mit ein wenig Geduld und Recherche über das Internet kommt man aber dem Ziel doch näher. So lohnt es sich, den nachfolgenden Zwischenbericht zu geben.

Beginnen wir einfach mit der Internet Seite der Douvil GmbH, einer kleinen, hastig gegründeten Firma, ohne nennenswertes Kapital. (www.douvil.de)

Auf deren Internet Seite wird uns der Entwickler vorgestellt, die German Development Group mit ihrem Geschäftsführer Herrn Sevenheck. Fünf erfahrene holländische Projektentwickler mit internationaler Erfahrung. Man sollte auf einer Internet Werbeseite erwarten, dass bei derartig erfahrenen Entwicklern von internationalem Rang auch ein paar Beispiele erfolgreich abgeschlossener Projekte genannt werden könnten. Es wird in Duisburg der Eindruck erweckt, als habe man die FOC Projekte, z.B. in Portugal, entwickelt. Davon kann keine Rede sein. Die Firma McKinney aus Belfast nennt auf ihrer Internet Seite u.a. das FOC in Portugal (www.rjmdevelopments.com) und man bekommt auch einen Eindruck davon, dass Referenzen durchaus auf der eigenen Internet Seite üblicherweise genannt werden. Schließlich will man ja auch für sich werben, was legitim ist.

Nach vergleichbaren Angaben sucht man aber bei German Development und Herrn Sevenheck vergeblich und der Grund ist der, dass es keine erfolgreich abgeschlossenen Projekte gibt, sonst wäre deren Nachweis ja kein Problem. Ein Blick in das Handelsregister der genannten Firmen lässt erahnen warum. So sind die Zahlen der German Development Group eher ein Trauerfall, auch fünf holländischen Gesellschafter sind nicht genannt, es werden andere Firmen aufgeführt mit insgesamt ebenfalls sehr notleidenden Finanzzahlen, alles Sanierungsfälle ohne richtiges Kapital mit teilweise merkwürdigen Namen, die eher auf erfolglose Projekte bzw. Versuche hindeuten. Von formalen Fehlern in den Jahresabschlüssen gar nicht zu reden. Schnell und unprofessionell zusammengeschustert. Und wenn man dem Link www.germandevelopmentgroup.de folgt, so funktioniert dort auch nur eine Seite, der Rest sind Fehlermeldungen. Sehr kompetenter Auftritt.

Dann schwenken wir auf die Seite der Betreiber. Herr Roberts von Freeport Retail strahlt uns an. 1994 gegründet und eines der erfolgreichsten Unternehmen im Bereich FOC. Erfolge wohin man nur schaut, natürlich an der Börse in London notiert, wie wir auf der Seite freeportretail erfahren, was sonst. Die Realität sieht etwas anders aus: Die Freeport Gruppe wurde 2007, zu Zeiten der Finanzkrise, vom amerikanischen Carlyle Investment Fund erworben, nach Angaben des Fonds restrukturiert und ein Turnaround geschafft, was nichts anderes bedeutet, dass es den FOCs wirtschaftlich nicht gut ging. Sonst braucht man keinen Turnaround.  Im November 2011 wurde noch eine erfolgreiche Refinanzierung der Freeport Gruppe mit frischem Geld aus Asien bekannt gegeben (International Property Magazin, 2.Nov. 2011 „ Carlyle Group successfully refinances Freeport with new investment from SWF“).

Ob das FOC in Portugal wirklich erfolgreich ist kann niemand sagen, angesichts der bekannten Probleme in Portugal habe ich daran meine Zweifel. Dazu passt auch die Nachricht vom November, denn wofür braucht man frisches Geld wenn doch alles so gut läuft. Und an der Londoner Börse notiert ist man auch nicht. Der Gesellschaftsvertrag der Freeport Retail Limited in seiner aktuellen Fassung, der mir vorliegt, datiert vom 12.4.2011 und die Gesellschaft wurde 2010 in das Handelsregister in London eingetragen. Nach dem Gesellschaftsvertrag werden u.a. Management Leistungen erbracht. Jahresabschlüsse oder Zahlen, die eine Aktivität belegen, gibt es nicht. Die Gesellschaft ist nach einer mir vorliegenden E-Mail Auskunft des britischen Handelsregisters eine kleine Gesellschaft.

Trotzdem wissen wir (ob die Stadt Duisburg das weiss kann ich nicht sagen) wenigsten jetzt, wer hinter dem ganzen Projekt stecken könnte: Laut Wikipedia gehört Carlyle zu den größten privaten Beteiligungsgesellschaften weltweit mit fast 100 Mrd. $ an Vermögen, investiert in diversen Schwerpunkten wie Automobile, Transport, Telekom und Medien, Technologie. In Wachstumsmärkten, versteht sich. Ein Mission Statement gibt es auch, wie bei US Unternehmen üblich. Ethische Standards werden sehr gross geschrieben. Und diese enthalten Werte wie etwa „Be responsible citizens in the communities in which we work and live“, also so in etwa „Verantwortungsvolles Handeln dort wo man tätig ist“.

Auf der Internet Seite des Fonds unter www.carlyle.com muss man etwas suchen, bis man das FOC Investment unter Real Assets Europe findet. Es wird nicht weiter groß erwähnt, auch in den Jahresabschlüssen von Carlyle nicht. Das Projekt ist für die Gruppe kein strategisch entscheidendes Investment, eher ein Mitnahme Objekt, so wie man im Ausverkauf mal gerne etwas in die Tasche packt.

Jetzt kommt die große Frage: Wie passt ein solch renommierter Investment Fonds wie Carlyle mit notleidenden Firmen wie German Development, einem Entwickler ohne nachweisbare Erfolge und anscheinend ohne richtiges Kapital sowie dem Standort Duisburg Hamborn, nicht gerade das Zentrum international operierender Megafonds, zusammen?

Antwort: Gar nicht.

Das mag auch der Grund sein, weshalb von Carlye als neue FOC Projekte eines in China genannt wird, aber mit keiner Silbe die Projekte in Bonn und Duisburg, wobei diese schon seit Jahren in einer nicht endend wollenden Vorbereitungsphase sind. Wenn das Management von Carlyle in Washington der Meinung wäre, unbedingt ein FOC in Duisburg Hamborn bauen zu wollen, dann würden sie es tun ohne grosses Lamento. Auch eine angemessene Behandlung der Mieter wäre kein Problem, zumindest kein finanzielles.  Man ist auf die Dienste eines Herrn Sevenheck, der noch nicht einmal eine ordnungsgemäße Internet Seite der German Development betreiben, geschweige denn ordnungsgemäße Abschlüsse seiner Firmen in den Bundesanzeiger veröffentlichen kann, nicht angewiesen. Es entspricht nicht der Mentalität erfolgreicher US Fondsmanager sich von nicht professionellen Personen beraten und vertreten zu lassen. Das haben diese Leute nicht nötig. Investoren dieses Kalibers sind zwar nicht überall gerne gesehen, aber zumindest kompetente Gesprächspartner und Akteure, die es gewohnt sind Investments schnell umzusetzen.

Es entspricht auch nicht dem Geschäftsmodell eines solchen Investment Fonds, Projekte neu zu entwickeln, man beteiligt sich in der Regel an bestehenden Firmen. Man ist Kapitalgeber, eben ein Equity-Fund. Eine Exit Strategie muss dabei auch zu sehen sein, denn in aller Regel steigen solche Fonds nach einer gewissen Zeit wieder aus. Man will „Kasse machen“.

Eine Idee über die Aufgabe von Herrn Sevenheck könnte es sein, die schmutzige Arbeit zu erledigen, also die Mieter vertreiben, die finanziellen Risiken der Planungsphase auf die Stadt Duisburg und andere Teilnehmer verteilen, im Endeffekt die bereinigte Fläche dem Investor übergeben um dann mit einer Prämie zu verschwinden. Das ergibt aber auch keinen Sinn, denn eine Gruppe wie Carlyle mit einem Vermögen, das etwa 50 mal so hoch ist wie die Schulden der Stadt Duisburg, muss keine Rentner aus ihren Wohnungen vertreiben. Duisburg Hamborn ist für diesen Megafonds uninteressant und es widerspräche auch den eigenen Standards. Ein Mission Statement hat in den USA seinen Stellenwert, das sollte man nicht unterschätzen. Die hier in Frage stehenden Summen sind viel zu gering um überhaupt diskutiert zu werden. Da sind die Märkte in Asien doch lukrativer. Die Aussagen und Strategien von Carlyle sowie der Portfolio sprechen eine ganz eindeutige Sprache.

Oder handelt es sich bei dem FOC Duisburg um ein strategisches „Geheimprojekt“ wie man es mir auf Nachfrage aus London weismachen wollte. So geheim, dass man auf Messen nach Mietern Ausschau hält und es ins Internet stellt? Die Qualität der Auskünfte der hier involvierten Personen entbehrt jeder Form von Seriosität. Soviel steht zumindest fest.

Da das alles nicht wirklich einen Sinn ergibt geht meine persönliche Vermutung dahin, dass sich einige Personen an den Projekten in Duisburg und Bonn mal selbst versuchen, so nach der Devise „Schauen wir mal“. In Duisburg ist das durchaus vielversprechend, haben doch im Innenhafen Firmen zweistellige Millionenbeträge verdient ohne dass auch nur eine Schüppe in die Hand genommen werden musste, und das bei einem Bauprojekt.

Wie kommt man an dieser Stelle weiter? Da gibt es nur eins: Das Management in Washington fragen, wie denn das eigenen Mission Statement mit dem Agieren hier in Duisburg in Einklang zu bringen ist? Da bin ich auf die Antwort durchaus gespannt. Vielleicht ist das bunte Treiben hier in Duisburg in Washington gar nicht bekannt. Wundern würde es mich nicht. Es schadet eher dem Ruf einer solchen Finanzgruppe, die auch in Deutschland investiert ist.

Die negativen Auswirkungen der FOC Diskussion bekomme ich hautnah mit, denn ich werde als OB Kandidat von den Geschäftsleuten im Forum angesprochen ob das FOC denn wirklich kommt. Die negativen Auswirkungen auf die Geschäfte in der Innenstadt sind zumindest den Geschäftsleuten klar. Auch das Krieger Projekt wird kritisch gesehen, aber das ist ein anderes Thema.

Die Gier nach dem großen Geld, dem Megainvestor, macht wieder einmal einige in der Stadt blind und taub. Alle Vorsichtsmaßnahmen werden über Bord gekippt, Hauptsache die Folien und Filmchen sind schön anzusehen. Eine schöne neue Welt, allerdings nur in der virtuellen Welt. Wohin der Glaube nach einem Second Life in Duisburg führt, zeigt das gescheiterte Marientor Carree an der Steinischen Gasse. Für ein Bauloch hat es gereicht. Das ist die Realität, die Scheinwelt kann man im Internet und den Hochglanzbroschüren bewundern u.a. auf duisburg.de. Einfach mal googeln. Da können sich alle Duisburger bedanken, dass nun die preiswerten Parkplätze weg sind. Eine ganz feine Planung.

Ich bin mal gespannt, was auf der nächsten Messe an der Cote d’Azur unter dem Einfluss von Sonne und mediterranem Flair sowie Champagner an Luftschlössen präsentiert wird. Man möchte ja immer in „aller Munde“ sein. Das ist man tatsächlich, aber anders als gedacht.

Was das FOC und die genannten Personen und Gesellschaften anbelangt ist weitere Nachfrage und Recherche angesagt. Bürgerbeteiligung in Duisburg bedeutet auch weiterhin selbst machen, selber suchen und recherchieren. Von den Verantwortlichen ist nichts, aber auch gar nichts, zu erwarten. Das kann niemanden wirklich überraschen. Wir sind halt in Duisburg.

Enhanced by Zemanta

22 thoughts on “FOC Duisburg Hamborn: Dichtung und Wahrheit

  1. Obwohl ich Sie nicht für den idealen OB-Kandidaten halte, finde ich immer wieder Ihre wahrscheinlich gut recherchierten Beiträge sehr wichtig. Sie tun die Arbeit, die normalerweise die Verwaltung und der Rat tun müssten, doch die denken nicht daran. Der Ratsbeschluss über das FOC erfolgte aufgrund einer Unkenntnis, die schlimmer nicht sein kann.

    • Frage an Presse iriwaz: „Jahrzehntelang Ruhrdom und Gomorra?“

      Antwort von Presse iriwaz: „Im Prinzip schon. … (langsam senkt sich nachdenklich der Blick) … Mal was anderes: Wer macht denn mal die Bahnhofsplatte?“

      • Frage an Presse iriwaz: „Moment mal. Und wer hat hier die publizistische Verantwortung? Das ist doch nur eine Ablenkungsmaneuver.“

        Antwort von Presse iriwaz: „Im Prinzip schon. Betondeckel drauf und aufhübschen“ *grins*

    • Hallo Bandelier,

      mir würde Job-Sharing gefallen.
      Rubinstein und Wittsiepe im Team.
      Was Hr. Wittsiepe recherchiert kann Hr.Rubinstein in seiner
      umgänglichen Art in die Öffentlichkeit transportieren.
      Weiß nur nicht, ob die miteinander können.
      und ob Job-Sharing bei OB geht.
      Beide sind unbelastet von der LP, was für mich das Wichtigste ist.
      Grüße ins Müntefering-Land.

      Katharina

      • Hallo, Katharina, na ja, auf den Müntefering bin ich persönlich nicht besonders stolz. Als ich ihn in seinen jungen Jahren kennenlernte, war er ok, doch das ist lange her. Heute ist er so abgehoben, wie Politiker eben sind.
        Die 2 x 50%OB-Variante ist sehr charmant, leider jedoch nicht machbar. Allerdings ist alles besser als ein SPD-OB, und so langsam müssen wir anfangen zu beten, dass der Duisburger nicht wieder reflexartig sein Kreuzchen bei der SPD setzt. Die anderen Kandidaten sind nicht optimal, aber in jedem Fall besser.

        • Leider höre ich sehr oft:
          Wir haben immer SPD gewählt.
          Mein Mann, meine Mutter usw. sagt, ich muß SPD wählen.
          Die Piraten kann man aus verschiedenen Gründen nicht wählen, höre ich oft, die Grünen sind eine einzige Enttäuschung und die Linken und die CDU sind gar kein Thema.
          Viele, viele Duisburger leben in der Vergangenheit. Zeche usw.
          und natürlich SPD. Das gehört sich einfach so für diese Leute.

          Die SPD tut, als hätte sie nie was mit der Loveparade zu tun gehabt. Diese Selbstzufriedenheit der SPD ist ekelig.

          Einen Superkandidaten werden wir nicht finden. Macken hat jeder.
          Einen Batman können wir uns nicht backen.

          P.S. Müntefering mag ich auch nicht , habe mich mit ihm auf dem Kirchentag in Düsseldorf heftig gezankt.

    • Frage an Presse iriwaz: „Darf man welke Salatblätter essen?“

      Antwort von Presse iriwaz: „Im Prinzip schon. Betondeckel drauf und aufhübschen. …
      Also, nee. Mal ehrlich.
      Gewiss, vergilbende Blätter sind wahrlich kein Genuss. Aber so ganz praktisch: Verzehren Sie doch einfach auch welke Blätter. Schließlich kauft man WAZ Duisburg und NRZ Duisburg – druckfrisch täglich. Hauptsache, man hat was im Bauch. Alles andere belastet den Kopf.“

  2. Lass es Hirn regnen So, 10 Jun 2012 at 12:49:25 -

    Schöne Fleißarbeit, nur zu welchem Zweck und mit welchem Ziel? Alle Ihre schönen Ergebnisse sprechen zwar vielleicht(?) gegen den Akteur, aber überhaupt nicht gegen die Idee eines FOC oder einer ähnlichen Ansiedlung an dieser Stelle. Es werden immer nur Gründe für den Erhalt eines Status Quo angeführt. Ich glaube so etwas nennt man konservativ oder ist es doch schon reaktionär? Ich vermisse eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie es in Duisburg anders wird bzw. werden soll. Die Weisheit der Massen, vulgo Schwarmintelligenz hilft zwar bei Wikipedia in beachtenswerter Weise, aber wie Bürgerbeteiligung die Qualität des Städtebaus und die wirtschaftliche Situation der Stadt verbessern sollen, kann auch niemand erklären. Das Verfahren garantiert jedenfalls keine besseren Ergebnisse, sondern dient m.E. nur der Selbstlegitimation der Protestler, die beleidigt sind, weil in demokratisch institutionalisierten Verfahren eine andere Sicht der Dinge heraus kommt, als sich die Protestler wünschen. Stammtischstädtebau hat meines Wissens nach noch nie funktioniert. Zur Demokratie gehört auch, dass man manchmal verliert. Das ist aber nicht der Untergang des Abendlandes, sondern notwendige Bedingung des Spiels, das wir alle spielen.

    • Dr. Richard Wittsiepe So, 10 Jun 2012 at 14:38:16 - Author

      Zunächst einmal wird bewiesen, wie schlecht der Rat arbeitet und wie gut die „alte Schule“, recherchieren, lesen, verstehen, doch ist. Gegen das FOC spricht alles, Alternativen sind überhaupt kein Problem. Lesen Sie mein Wahlprogramm und Sie werden erleuchtet.

      • Lass es Hirn regnen Mo, 11 Jun 2012 at 09:02:00 -

        Gelesen – und leider ist mir keine Illumination gelungen 🙁
        Viel Soziokultur, wünschenswerte Wirtschaftsorientierung in den Slogans, aber leider doch wieder das alte, bekannte Duisburg erhalten. Ich bezweifle die Zukunftsfähigkeit der Duisburger Strukturen, nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch und daran unmittelbar gekoppelt, soziologisch.
        In Teilen Ihrer Beschreibung (Analyse ist es dann doch nicht) der Probleme (Mittelstand, Industrie und dem Rest Bruchhausens) sehe ich richtige Punkte, leider keine wirklich überzeugenden Argumente gegen den Grüngürtel oder neue Handelsstrukturen. Ihnen ist doch bestimmt Schumpeter bekannt? Das Neue zum Schutze des Alten zu verhindern versuchen erscheint mir etwas rückwärts-romantisch vulgo nostalgisch. Solange die Ruhrgebietsstädte alle auf kommunale Klientel im Einzelhandel setzen kannibalisieren sie sich selbst und führen dazu, dass alle Städte gleich (langweilig) sind, weil es überall das identische Angebot gibt. Toll! Was gänzlich fehlt ist eine Perspektive auf die Situation Ruhr, das heisst zum Städteverbund und dessen Angeboten im Umfeld. Mit der üblichen kommunalpolitischen Kurzsichtigkeit ohne regionale systemische Perspektive, die Fragen nach Handel und Einkauf, Verkehr und Wirtschaft und die besondere Situation der Agglomeration Ruhr berücksichtigt, wird das wohl nichts.

        • Richard Wittsiepe Mo, 11 Jun 2012 at 09:37:47 -

          Natürlich kenne ich Schumpeter, aber ich bin ein ausgesprochener Fan von Amartya Sen und seinen Ideen. Das ist aber für einen Vortrag hier bei der Kommunalwahl nicht geeignet.

          Man muss aber nicht weit fahren, ich empfehle Ihnen eine Tour nach Venlo, nicht zu den 2 Brüdern, sondern auf die kürzlich dort entstandenen Gewerbegebiete dieser kleinen Stadt. Dort kann man sehen wie ein Gewerbegebiet für mittelständische Unternehmen aussehen sollte. Und die Unternehmen sich in Venlo niedergelassen haben, fahren ihre Produkte über die A40 in das Ruhrgebiet. Alles Kandidaten für einen Ansiedlung hier vor Ort. Und NL ist weder ein Niedriglohn-, noch Niedrigsteuerland.

          In Duisburg sind wir zu einer solchen Ansiedlungspolitik nicht in der Lage, weil Leuchtturmprojekte gesucht, gefunden und in den Sand gesetzt werden. Man muss sich auch die Mühe machen die Seriosität der Partner genauer zu betrachten. Und da haben wir den nächsten grossen Mangel. Was nutzen die ganzen Broschüren wenn am Ende ein Bauloch übrig bleibt.

          In Duisburg müssen die handwerklichen Mängel in der Prrojektsteuerung beseitigt werden bevor man sich mit 2027 beschäftigt. Das Hier und Jetzt ist gefragt, denn auf lange Sicht sind wir alle tot.

          • Lass es Hirn regnen Mo, 11 Jun 2012 at 11:37:23 -

            Die Niederlande kenne ich aus eigener Anschauung sehr gut, es gibt wunderbar geglückte und und vorbildlich lehrreich gescheiterte Projekte. Ich habe mal eine zeitlang sogar einen Umzug in die NL in Erwägung gezogen. Die gestalterische Qualität niederländischer Gewerbegebiete ist auch Teil einer anderen Baukultur. Stichwort: Gestaltungsbeiräte etc., Wohlstandskommission (so ähnlich heisst das in NL). Unternehmen aus NL in DU ansiedeln? Eine andere Form der regionalen Kannibalisierung. Die Bahnstrecke Rotterdam-Oberhausen voran zu bringen, um den Logistikstandort DU zu stärken erscheint mir sinnvoller. NL hat auch keine schwerindustrielle Vergangenheit und damit völlig andere Bedingungen für kleinteilige Unternehmen. In den NL haben es Menschen mit guten Ideen zu beachtlichem wirtschaftlichen Erfolg gebracht, eher eine Unternehmer als Arbeitnehmer Mentalität. Aber Niederländer haben es ja derzeit eher schwer in Duisburg …
            Entfilzung und Strukturwandel lassen sich meiner Meinung nach prima kombinieren. Aber im kommunalpolitischen Wahlkrampf lässt sich anscheinend mit dem Hier & Heute (Gestern und Vorgestern) besser Stimmung machen, auch wenn auf Kosten der Zukunft aller ist. Aber die Bürger und die von ihnen gewählten Politiker haben auch ein Recht auf Irrtum, selbst wenn es ein fataler ist. Die anderen stimmen mit den Füßen (Wohnsitz) ab 😉 Manchmal erscheint mir die Überalterung unserer Gesellschaft vor allem ein mentales Problem zu sein. Sie äußert sich in der Verklärung einer Vergangenheit und dem Festhalten an erlernten Denkmustern, die zur derzeitigen Situation geführt haben. Der Bestandsschutz bevorzugt immer die Vergangenheit 😉
            Ich würde einen Kandidaten wählen, der den Küppersmühle-Kubus ohne Evonik-Logo fertig stellen lässt, damit das peinliche Gerippe endlich verschwindet. Das waren ja alles „seriöse“ Partner … Aber anstatt das Ziel zu verwirklichen geht das typische Schuld zu weisen und Verantwortliche suchen los. Sündenbockmentalität aber kein Wille (und Mut?) zu handeln.
            Was die unnötigen kostentreibenden städtischen Gese(i)llschaften anbelangt, die Parteibuch-Inhabern (und grünen Inhaberinnen – siehe Oberhausen) Jobs verschafft, bin ich Ihrer Meinung. Politische Frechheit und wirtschaftliche Dummheit.

          • „Wenn Du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis……“

            oder fahre in die Niederlande zur FLORIADE in Venlo.

            Soviel Schönheit und Kreativität macht den Kopf frei.
            Und das ist in Duisburg DRINGEND nötig.

            Also, ratloser Stadtrat, bildet Fahrgemeinschaften und fahrt mal hin. Aber bitte auf eigene Kosten. Venlo liegt nicht so weit.

          • Ja, das stimmt. Es gibt keinen Mut mehr in Duisburg, Gerechtigkeit zu verlangen. Sauerland musste gehen; danach geht es weiter wie bisher.

          • Frage an Presse iriwaz: Was ist der Unterschied zwischen Schreiben und Tun?

            Antwort von Presse iriwaz: Im Prinzip gar keiner.
            Es ist doch schön wie alle bei Xtranews.de schreiben tun.

    • @ Lass es Hirn regnen

      „Lass es Hirn regnen“ ist ein Wunsch oder Befehl. Wünsche werden ausgestoßen zur Überwindung eines Mangels oder als Befehl zu einer Wende oder neue Marschrichtung – eben Hirn als erquickendes Nass und Lebensspende.

      Wenn hier Die Weisheit der Massen, vulgo Schwarmintelligenz usf. Niedergemacht wird, dann antworte ich: Die Parteihochburg kennt keine Bürgerbeteiligung! – noch niemals und in alle Ewigkeit.

      Die Parteihochburg ist ein Monopol. Duisburg, Ruhrgebiet und NRW sind ein Spiegelbild der Parteihochburg. Wenn es hier tatsächlich Hirn regnet, wäre das eine Unwetterkatastrophe.

      „Zur Demokratie gehört auch, dass man manchmal verliert.“ Parteihochbürger verlieren nie, das kennen die nicht.

      • Frage an Presse iriwaz: Was ist denn der Unterschied zwischen einem Parteihochbürger und Parteihochb@ürger?

        Antwort von Presse iriwaz: Im Prinzip interessant. Aber gehen wir mal davon aus, das wird historisch in der Parteihochburg entschieden.
        Gut ist doch wirklich, dass Parteihochbürger und Parteihochb@ürger hier ihre Heimat haben. Hand und Fuß bekommen bald Flossen, weil alles den Bach runter geht.

        • Also, die schönere Version wäre:
          Das hat doch im Ruhrgebiet traditionell Hand und Fuß. Und die bekommen bald Flossen, weil alles den Bach runtergeht. Herz und Verstand ist ein flehentlicher Wunsch: Lass es Hirm regnen!

    • Ich begrüße den Wunsch: „Lass es Hirn regnen!“

      Das ist eine freie Meinungsäußerung, wie sie das Grundgesetz garantiert.

      Art. 5: (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
      (2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
      (3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
      http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html

      Ich freue mich über jede abtrünnige Initiative in der Parteihochburg – trotz absolut (na sagen wir mal) sehr ungewöhnlicher Vorstellungen zum Wetter, Klima und einer himmlischen Organspende.

      Für diese Zeichen eines ersten zarten Kräuseln der Wasseroberfläche sehe ich Chancen für ein Ende des Voll-P-R-O-L-L-Regiems. Projektion-Ruhrgebiet-Ohne-Langfristige-Lösungen

  3. Duisburg schafft sich ab …

    wenn es sich weiter zu Tode musealisiert.
    Welches (Un)Verständnis von Demokratie steckt eigentlich in einem Protest gegen den fast einstimmigen Ratsbeschluss gewählter Politiker und einer Mehrheit der Duisburger Bevölkerung, zuletzt belegt online in derwesten.de.
    Die Bewohner werden doch nicht auf die Straße gesetzt, sondern in modernere und schönere Wohnungen einziehen. Wo ist das Problem? Auch dort gibt es Menschen, die zu netten Nachbarn werden.
    Wo ist der Respekt vor dem Eigentums(grund)recht des Vermieters?

    traurige, schon fast verzweifelte Grüße
    Josef Kopp

    PS: Ich werde wohl auf meine alten Tage abergläubisch und führe einen Regentanz auf …