NRW-LSU-Vorsitzender Manuel Hase zu Gast bei der JU Kreis Warendorf

Die Junge Union Kreis Warendorf hatte anlässlich ihrer Kreisvorstandssitzung am 4.6.2012 den Vorsitzenden der Lesben – und Schwulenunion (LSU) NRW, Manuel Hase, zu einem Vortrag, mit anschliessender Diskussion, über seine Arbeit in der LSU eingeladen. Hase erläuterte den anwesenden Vorstandsmitgliedern die politischen Ziele seiner Organisation, verwies aber auch auf die immer noch vorhandenen Ressentiments vieler Parteimitglieder der CDU, auch aus den Reihen der Nordrhein-westfälischen Union. Die Mitglieder der Jungen Union im Kreis Warendorf zeigten sich durchgehend offen und interessiert für die Anliegen der LSU.

Die männlichen Mitglieder des Kreisvorstandes waren in deutlicher Überzahl bei der gestrigen Veranstaltung unter der Leitung des JU-Kreisvorsitzenden Michael Sendker. Dies kann durchaus als positiver Indikator gewertet werden bei einer Diskussion über die Thematik Homosexualtät, mit welcher sich oftmals gerade junge Männer schwer tun. Ernsthaft und interessiert folgte der Kreisvorstand den Ausführungen Manuel Hases und stieg schnell in eine Diskussion ein. Keineswegs erfüllte die JU Kreis Warendorf das in großen Teilen der „Community“ vorherrschende Klischee, sich bei diesem gesellschaftlichen Thema zu verweigern. Im Gegenteil: der LSU-Vorsitzende NRW konnte diesen Abend als Erfolg für seine Organisation verbuchen. Denn es zeigte sich, dass junge Menschen, im Grunde parteiübergreifend, oftmals im Gegensatz zu ihren älteren Parteifreunden, völlig unverkrampft mit diesem Thema umgehen.

Michael Sendker verwies zu Beginn der Sitzung auf die Bereitschaft der Jungen Union, sich auch sozial-und gesellschaftspolitisch immer stärker zu engagieren. In diesem Zusammenhang erwähnte er den Arbeitskreis Integration (zuständig dafür Ugur Dogan, Ahlen) und plädierte zudem für Toleranz und Offenheit im Umgang, sowie einer nötigen Auseinandersetzung, mit den politischen Zielen von Schwulen, Lesben und Transgendern und sprach sich gegen Homophobie aus. Sendker verwies in seinen Eingangsworten darauf, dass es noch „lange dauern wird, bis es innerhalb der Union eine breite Zustimmung zu den Forderungen der LSU geben wird“. Für ihn ist es aber wichtig in einen offenen und fairen Dialogprozeß diesbezüglich zu treten. Allerdings erwähnte Sendker, als praktizierender Katholik, auch das katholisch geprägte Familienbild, welches Mann, Frau und Kinder als das, aus christlicher Sicht, einzig gültige ansieht. Für ihn sei es wichtig, besonders Kinder innerhalb  einer Familie, in den Mittelpunkt der Politik zu stellen und jedwede Benachteiligung auszuschliessen.  Michael Sendker ist mit seinem Standpunkt Teil der Mehrheit der CDU/CSU, die nach wie vor, das klassische Familienbild präferiert.

Und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die politische Arbeit der LSU insgesamt.

Manuel Hase, erst seit 6 Monaten Vorsitzender der Nordrhein-westfälischen LSU, stellte seinen ParteifreundenInnen von der Jungen Union sich und seine Organisation vor. Der NRW-Landesverband hat derzeit rund 100 Mitglieder. In seinem Vortrag appellierte er an die anwesenden Mitglieder der Vorstandssitzung offen mit dem Thema Homosexualität umzugehen. „Denn gerade wir jüngeren sollten die erforderliche Toleranz aufbringen. Wir sind schliesslich die Zukunft unserer Partei“, so Hase. Er betonte, dass die Akzeptanz, gerade der älteren Unionsmitglieder, gegenüber seiner Organisation zunimmt. Zwar noch nicht in dem Ausmass, wie gewünscht, aber man wolle stetig an dem Ziel weiter arbeiten. „Die CDU befindet sich bei diesem Thema nicht mehr in der rechten Ecke, sie gestaltet sich zunehmend moderner“, befand der LSU-Vorsitzende, und weiter: „Die Union wird in Fragen Homosexualität und Rechte gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften nicht mehr von einem Geis oder Gauweiler meinungsführend vertreten“.

Das Mülheimer CDU-Mitglied Hase spricht Klartext. Wie auch bereits Anfang des Jahres in einem Interview mit der größten NRW-Tageszeitung DER WESTEN, in welchem er von Homophobie innerhalb seiner Partei sprach und welches ihm auch Anerkennung in schwul-lesbischen Kreisen einbrachte. Anpassung an althergebrachtes Denken in Bezug auf die Rechte Schwuler, Lesben und Transgender scheint nicht sein Fall zu sein. Er wirbt leidenschaftlich für seine politischen Anliegen und Ziele, eckt dabei innerparteilich auch mal an, aber ist damit ein bemerkenswertes Pendant zu Teilen seines LSU-Bundesvorstandes, welche eher weniger auffallen und bei der öffentlichen Umsetzung ihrer Ziele mitunter brav daherkommen. Ausgenommen Thomas Steins und Ronny Pohle, beide Bundesvorstand der LSU, die sich immer wieder zu der Thematik offen und zuweilen durchaus parteikritisch äussern.

Die lebhafte Diskussion nach dem Vortrag von Manuel Hase mit den Kreis Warendorfer JU-Mitgliedern war konstruktiv und offen. Punkte wie „Coming-Out“ und „Homophobie“ wurden ebenso diskutiert wie der im Jahre 1994 aufgehobene § 175, der Sexualität unter Männern unter Strafe stellte. Die JU war sich einig darin, dass es eigentlich in der heutigen Zeit kein Thema mehr sein sollte, welcher Sexualität und persönlicher Lebensplanung ein Mensch anhängt. Die Vorsitzende des JU-Ortsvereins Ennigerloh, Marion Sendker, fasste es in einem „Schlusswort“ zusammen, in dem sie sich für Aufklärung und Offenheit im zeitgemäßen Umgang mit dem Thema Homosexualität aussprach.

Für den nordrhein-westfälischen LSU-Chef war die Fahrt ins Münsterland ein Erfolg, der ihm Auftrieb geben wird, weitere JU-und CDU-Kreisverbände in NRW aufzusuchen um sich und seine LSU vorzustellen. Die Akzeptanz im westfälischen Warendorf war erfreulich vielversprechend. Auf ihrer Facebookseite schreibt die JU Warendorf heute u.a. dazu: „Das Thema Homosexualität ist Realität unserer Gesellschaft, um die man nicht umhin kommt. Homophobie bringt gar nichts.“

*Gruppenfoto von li. n. re.: Sebastian Vennebusch, Johannes Richard, Lea-Sophie Oeckermann, Andreas Collet, Manuel Hase, Michael Sendker, Matthias Wanger, Marion Sendker, Fredreik Büscher, Thomas Lorenz, Johannes Austermann, Matthias Berief.

D.O.

 

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