Das Grauen der Stammtischpolitik

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Deutsch: Finkenkrug innen, Duisburg, Kneipe, Bier Deutsch: Finkenkrug Innenansicht, Duisburg, Kneipe, Bier (Photo credit: Wikipedia)

Der vom Land NW auferlegte Zwang, in Duisburg erneut massiv zu sparen, ebenso die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl, haben zu einer umfangreicheren öffentlichen Diskussion lokalpolitischer Themen geführt. Dies ist durchaus zu begrüßen. Mit einem breiter angelegten Austausch werden jedoch nicht automatisch die Beiträge besser. Stammtischfloskeln helfen selten, politische Probleme zu lösen. Dienen sie nicht eher einem Schulterklopfen, einer dunstbefangenen Bestätigung, bevor es ins in welches auch immer Bett geht?

Ob es zu einer aufwallenden Erregung gekommen ist, kann als sekundär gelten. Stammtischgespräche können reichlich wortkarg ausfallen. Und obgleich gerade Politiker selten wortkarg sind, kommt es doch vor, dass die vertretenen Ansichten erstaunlich ‚inhaltsleer‘, formal bleiben. Der OB-Kandidat der SPD, Sören Link, hat sich in dieser Weise kulturpolitisch geäußert:

Sein zentraler Ansatz ist, Duisburg als Oberzentrum zu betrachten, unabhängig davon, ob die Stadt diese Funktion überhaupt ausfüllen kann und tatsächlich ausfüllt. Sieht man von Formalismen ab, schaut auf das Verhalten der Wirtschaft und der Menschen, dann ist Düsseldorf das regionale, den Niederrhein einbeziehende Zentrum. Diese Konkurrenz zu Düsseldorf macht es u.a. außergewöhnlich schwer, Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche für Duisburg zu interessieren.

Aus der Illusion, regionales Oberzentrum zu sein, lassen sich fatale Konsequenzen ziehen: Diese beginnen mit Ansprüchen. Einer davon ist, eine Oper unterhalten zu müssen, auch wenn es in diesem Fall um eine Operngemeinschaft, zumal um eine – im Vergleich – zum Schnäppchenpreis geht. Ständen Gelder zur Verfügung, so viele, dass sich jeder Stadtteil eine eigene Oper leisten könnte, warum nicht! Aber aus einer Illusion heraus den Opernerhalt zu fordern, das ist nicht mehr als ein kleines Pils wert, mit Stickstoff gezapft, leblos, tot.

Die Ansprüche verhindern, eine Politik zu betreiben, die Angebote anderer Städte zur Positionierung einbezieht. Duisburg ist als Oberzentrum eine Insel, ein Paradies, das von anderen frequentiert, ja ersehnt wird. In Duisburg trifft sich die Welt, zumindest die Unterwelt, in dieser Hinsicht hat es die Stadt inzwischen bis ins Wikipedia geschafft! Und Duisburg steht mit dieser Haltung nicht alleine: Jede Ruhrgebietsstadt unterliegt der Illusion, alles für jeden anbieten zu müssen, anstatt sich als Teil einer zu bildenden Metropole zu sehen, die nicht in jedem Stadtteil ein Theater betreiben muss.

Hält man der Großmannssucht aber die Finanzkraft der Städte entgegen, die kaum eine von Kirchdörfern übersteigt und bislang mit Kassenkrediten kaschiert wurde, ja dann …
… dann setzt ein Reflex ein, der schon bei der Arbeit im heimischen Garten geholfen hat: Da muss man mal mitm Rasenmäher drübergehen! Überall wird gespart, bis nichts mehr geht, der Acker hinterm Haus nichts mehr trägt.

Aber nur zum Schein, denn die Illusion, Oberzentrum zu sein, ist in Duisburg die einzige Wahrheit, die zählt, über die Stammtische hinaus, bis in den wohlverdienten Schlaf.

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