Merkel – und sonst nichts! Königin ohne Thronfolger

Es ist immer fatal, wenn eine Partei sich einzig und allein nur über eine Person definiert. „Merkel-Vertraute“ und (geheime) „Merkel-Kritiker“- das allein sagt schon alles über die CDU aus. Einen tut sie jedenfalls alle der nicht immer selbstlose Wunsch, dass dieser „Solitair“ der Partei noch möglichst lange erhalten bleibt – koste es, was es wolle. Was aber, wenn die Leuchtkraft nachlässt? Und aus der C“M“U wieder eine stinknormale CDU werden soll?

Die Angst vor der Nach-Ära Merkel lähmt eine ganze Partei. Eigentlich gehört sie aus CDU-Sicht in Watte gepackt, auf das ihr bloß nichts geschieht….denn wer sollte ihr folgen im Amt einer/eines Vorsitzenden einer einstmals großen 40%-Volkspartei oder gar als CDU-Kanzlerin?

Mit dem Rauswurf ihres Musterschülers Norbert Röttgen aus dem Bundeskabinett zog Angela Merkel eine Reißleine. Zu sehr geriet sie in den Sog des erfolg- und fortunelosen NRW-Kandidaten. Das er sie und ihr Hauptthema -Eurorettung- selbst zum Gegenstand seines Wahlkampfes machte, hat den Bogen überspannt.

„Ich stand in NRW nicht zur Wahl!“, sprach sie und vermittelte damit den Eindruck, dass sie über der CDU steht, welcher sie eigentlich qua Amt vorsteht. Nein, eine Mitschuld wolle sie sich nicht anlasten lassen. So, als wenn NRW nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fiele. Die Verantwortung dafür hat Röttgen schon allein zu tragen. Und als dann noch ihr bayerischer Unionskollege Seehofer im Off-Gespräch mit dem ZDF am letzten Montag öffentlich und unverblümt Konsequenzen aus dem NRW-Wahldebakel forderte, war klar, was kommen musste. Norbert Röttgen musste gehen. Kurz, prägnant und schmerzvoll. Ihr einstiger Musterschüler hat die Rechnung ganz allein zu begleichen.

Ihm im Amt des Umweltministers folgt Peter Altmeier. Ein Mann, dem nachgesagt wird, eine besondere Nähe und Loyalität zur Kanzlerin zu haben. Einer der wenigen, die diese Attribute noch haben. Röttgen war zu seinen guten Zeiten auch einer von denen. Heute darf man ihn getrost zu ihren Kritikern zählen. Ob er auch schweigen wird, wie die vielen, oft unerkannt bleibenden, Merkelkritiker seiner Partei?

Röttgen hat die NRW-Wahl verloren. Aber verliert die Parteivorsitzende nicht mit? Ist es nicht gerade die Vorsitzende, der Vorsitzende, einer demokratischen Partei, der jedes Wahlergebnis, und sei es noch so desaströs, mittragen muss, bis hin zu persönlich-politischen Konsequenzen? Offensichtlich gilt dies für Angela Merkel nicht. Und es gibt auch niemanden, der dies offen in der CDU einfordern würde.

Kanzlerin und Vorsitzende gleichzeitig zu sein, ohne potentielle Nachfolger, ohne Alternative, kann eine ganze Partei lähmen. Sie wird Helmut Kohl immer ähnlicher, der die CDU zunehmend als seine Partei betrachtete und nach Wohlwollen aus einem Pool von Vertrauten fischte um mit ihnen öffentliche Ämter oder Partei- und Fraktionsposten zu besetzen. Irgendwann war der Pool leer und Kohl fischte im Trüben. Und auch bei Kohl erwiesen sich, gleich wie bei Merkel, die Vertrauten nicht immer als die beste Wahl. Aber auch das bekamen sie dann stets, um des eigenen Machterhaltes willen, zu spüren. Freund? Feind? Der Wechsel geht mitunter in Unionskreisen schnell.

Wenn die CDU nicht aus eigener Kraft eine politische und personelle Erneuerung, und nicht nur in NRW, herbeiführt und weiterhin alles auf eine Karte mit Namen Merkel setzt, werden die 40% für immer ein unerfüllbarer Traum bleiben. Auch für ihre bayerische, oft zickige, „Schwesterpartei“.  Denn das es ganz tief nach unten gehen kann, zeigt nicht nur NRW. Merkel braucht derzeit keinen Gegenpart in der eigenen Partei zu fürchten. Da emanzipiert sich aktuell niemand. Ohne sie geht nichts in der Union. Im wahrsten Sinne! Denn wer sollte sie, bei all dem Personalverschleiß, ersetzen? Ein wahrlich hausgemachtes Problem, dass sich die Union da selbst beschert hat.

*D.O.

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