Offener Brief: Antrag auf Fristlose Kündigung des Duisburger Stadtdirektors Peter Greulich

Duisburger Stadtdirektor Dr. Peter Greulich - Foto: Thomas Rodenbücher

Duisburger Stadtdirektor Dr. Peter Greulich - Foto: Thomas Rodenbücher

Sehr geehrter Herr Jäger,
die Verfehlungen des amtierenden Stadtdirektors Duisburg, Herrn Peter Greulich, haben mittlerweile Ausmaße angenommen, die Leib und Leben von uns Duisburger Bürgern und Bürgerinnen gefährden. –

Ich beantrage hiermit die Entlassung von Herrn Greulich, die angesichts der nachfolgend geschilderten Gefahr im Verzug sogar fristlos geschehen muß. –

Begründung u.a. am Beispiel Bruckhausen (Auswahl):

– In Duisburg-Bruckhausen sind auf Betreiben der Stadtverwaltung im Rahmen des schändlichen Projektes „Grüngürtel“ schon Häuser abgerissen worden, bevor überhaupt der Bebauungsplan und Flächennutzungsplan geändert worden ist, was ich für ungesetzlich halte. Letzterer garantierte sogar den Bestandsschutz. –

– Die Verwaltung hat wg. des Projekts „Grüngürtel“ Mieter von Privathäusern eine Prämie angeboten, damit diese ausziehen, was eindeutig gegen § 826 BGB verstößt („Sittenwidriges Handeln“). –

– Die Verwaltung hat die so leergeredeten und leergehandelten Häuser danach nur unzureichend abgesichert und die Absicherungen nicht weiter kontrolliert. Es standen z.B. u.a. immer wieder Haustüren offen, was insbesondere für Kinder hochgefährlich ist. –

– Die Häuser selber wurden derart dem Verfall preisgegeben, daß von ihnen eine ständige Gefahr ausgeht und ging, weil z.B. Dachziegel auf die Bürgersteige fallen und fielen, Fenster nicht arretiert waren und die Scheiben zu Bruch gingen und ebenfalls auf den Bürgersteig fielen etc. –

– Die Häuser wurden nicht sach- und fachgerecht abgerissen. Teilweise waren wiederum die Bürgersteige nicht abgesichert und die Arbeiter (z.B. Dachdecker) arbeiteten ungesichert auf den Dächern etc. –

– Zumindest einem Mieter, der noch in dem Abrißgebiet wohnt und wohnte, wurden die Scheiben eingeworfen und diese erst nach Protest von Mitbürgern und Mitbürgerinnen durch Plastiplatten unsachgemäß ersetzt. Das Nachbarhaus desselben Mieter wurde „entkernt“. Dabei durchstieß man auch die Haustrennwand mit einem Preßlufthammer in den Wohnraum hinein. Von dem unerträglichen Lärm der Entkernungs-und Abrißarbeiten mal ganz abgesehen. Eine Ersatzwohnung wurde diesem
Mieter zwar angeboten, diese war aber nicht behindertengerecht, was geboten war. –

– Ich habe bei Herrn Greulich persönlich schriftlich angefragt, ob es für die abzureißenden Häuser eine Statik gebe und ob und wo ich diese einsehen könne. Eine statische Untersuchung ist insbesondere bei gemeinsamen Giebelwänden zwingend erforderlich. Ich habe lediglich die Antwort erhalten, es sei alles in Ordnung. –

– In den Abbruchhäusern ist bereits eine Gasleitung undicht geworden, worauf wiederum die Anwohner aufmerksam gemacht haben. Selbst darauf hat die Stadtverwaltung in der Folgezeit nicht reagiert, sodaß nunmehr die Anwohner eine Initiative gegründet haben, weil sie Leib und Leben gefährdet sehen:
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/nord/angst-vor-gasexplosion-in-duisburg-bruckhausen-id6626035.html

– In den Hinterhöfen und Durchfahrten türmt sich teilweise Müll aller Art. Es besteht Seuchengefahr für die Anwohner. –
Weitere Gründe (Auswahl):

Verhalten nach der Loveparade:
Herr Greulich hat nach der Tragödie der Loveparade aus fadenscheinigen Gründen seinen Urlaub nicht abgebrochen, auch mit der unsäglichen, absurden Bemerkung, es gäbe ja eine intakte Stadtverwaltung. Wie eben an dem Beispiel Bruckhausen gezeigt, ist das in keiner Weise der Fall. – Allein mit diesem Verhalten hat Herr Greulich zumindest grob fahrlässig gegen die Pflichten seines Amtes verstoßen und ist für Unsere Stadt untragbar und unerträglich geworden. –

Beschlußvorlagen:
Die Beschlußvorlagen für die Beschlüsse der Bezirksvertretungen und den Rat sind fachlich und formal derart stümperhaft verfaßt, daß ich die Ratsbeschlüsse zunehmend anfechte, weil sie keine Grundlage für ernsthafte Beschlüsse sein können. Ich beziehe mich nicht nur auf die z.T. unsachgemäßen Inhalte, sondern z.B. auch auf das miserable Deutsch und den Umfang, was es den Beschlußfassern (auch in ihrer weiblichen Form) fast unmöglich macht, den wahren Sachverhalt zu
enträtseln. Bei der Beschlußvorlage zu dem „Grüngürtel“ habe ich nach der 2. Seite von ca. 130 aufgegeben, weil schon diese beiden Seiten übersät waren mit inhaltlichen und formalen Fragezeichen. –

Bemerkung: Auf das unwürdige und grob fahrlässige Verhalten des Herrn Greulich direkt nach der Loveparade hätten Sie als sein oberster Dienstherr aber m.E. eingreifen müssen, was sie nicht getan haben. Andererseits mischen Sie sich seit geraumer Zeit unzulässig in unsere städtischen, bürgerlichen Angelegenheiten betreffs der OB-Ab- und Neuwahl ein – Ihr Amt somit in die Waagschale werfend, um nicht zu sagen mißbrauchend. –
Ich mache Sie nicht nur an dieser Stelle auch darauf aufmerksam, daß der Alt-OB nur abgewählt werden konnte, weil wir Bürger die Initiative ergriffen haben. Wohl hat das Land die Gesetze hierfür geändert, aber wiederum erst, nachdem wir das gefordert haben. Und daß Sie samt Ihrer Partei (SPD) jetzt die Loorbeeren ernten wollen, die wir Bürger gesät haben, finde ich schon beschämend. Damit haben Sie den Niedergang der Parteien beschleunigt, die eh‘ schon nur noch durch Substanzlosigkeit glänzen konnten und können, diese Bemerkung aber allgemeiner Natur ist, ohne dadurch unwichtiger zu sein, und sich natürlich auf alle im Rat vertretenen Parteien bezieht, die einen eigenen OB-Kandidaten aufgestellt haben.-

Diese eklatanten Verstöße gegen Recht und Gesetz sind nur eine Auswahl von vielen, andere beziehen sich auch auf andere Stadtgebiete, diese also sozusagen als flächendeckend zu bezeichnend sind, was wiederum positif zu sehen ist: Entweder Alle oder Keiner. Wir Bürger haben die Verwaltung immer wieder darauf hingewiesen und angemahnt, diese zu beseitigen, worauf sie nur teilweise und unsicher reagiert hat. Auch kann ich alle Verstöße durch Dokumente bzw. Zeugenaussagen/Photos etc. nachweisen. –
Ich betone an dieser Stelle ausdrücklich, daß sich die Vorwürfe nicht gegen einzelne Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen persönlich richten, weil sie nach meinem/unserem Eindruck extrem verunsichert schienen und scheinen, was auf eine noch extremer schlechte Amtsführung hindeutet.

Ich erwarte eine schriftliche Bestätigung meines Antrags oder wie das juristisch auch immer heißen mag. – Ersatzweise zeige ich Ihnen alle Umstände / Vorwürfe/ Verfehlungen etc. an. –

Gruß Harald Jochums

14 thoughts on “Offener Brief: Antrag auf Fristlose Kündigung des Duisburger Stadtdirektors Peter Greulich

  1. Die Rechten sind mal wieder gnadenlos. Erst Pro NRW mit dem sofortigen Rücktritt (dann der Abwahl) Sauerlands, nun die Bürgerunion mit der fristlosen Kündigung Greulichs. Und die Duisburger Piraten werden das sicher alles kräftig mit unterstützen.

  2. Auch, wenn ich auch Sie, Herr Bochums unsittlich finde, einen Kündigungs- bzw. Suspendierungsgrund haben Sie noch vergessen: Das Gelände des Alten Güterbahnhofes ist Komplet gerodet worden ohne sachgemäße Artenschutzkontrolle, auf die der Umweltdezernent hätte bestehen müssen. Roden und planieren ließ Aurelis Real Estate Duisburg. Die Stadt Duisburg hätte dies aber tun müssen. Zwei Gründe also.

  3. Räsonieren unerwünscht? Aufarbeitung der Loveparade

    VHS Moers
    Donnerstag, 10.05.2012, 19.30 Uhr bis 21 Uhr
    Die politische Philosophie von Friedrich II., die den Freiheitsgedanken der Aufklärung mit der Vorstellung königlicher Autorität verband, wurde von Immanuel Kant prägnant formuliert: „Nur ein einziger Herr in der Welt sagt: Räsonniert, soviel ihr wollt, und worüber ihr wollt, aber gehorcht!“.

    „Räsonieren unerwünscht, aber gehorchen“ entspräche einem Geist vor der Aufklärung. Warnende Stimmen mussten sich verstecken: „Ich lehne jede Verantwortung ab!“, so Stadtentwicklungsdezernent Jürgen Dressler in einer Aktennotiz vor der Loveparade-Planung.

  4. @ Biodrilling

    Wie wahr, wie wahr:

    „„Räsonieren unerwünscht, aber gehorchen“

    Greulich gut beschrieben.

  5. > Ich habe bei Herrn Greulich persönlich schriftlich angefragt, …

    Bekanntermaßen nützt das nichts. Da muss schon das Informationsfreiheitsgesetz (IFG NRW) in Stellung gebracht werden, das zu den Bürgerrechten gehört. Sein Bürgerrecht in der Stadt Duisburg durchzusetzen, ist dann nochmal eine ganz andere Sache.

    Vor der Loveparade wurden Bürgerrechte bei kritischen Kommunalpolitikern eingeschränkt. Herrn Greulich wurde das bekannt; die Bitte um Abhilfe wurde nicht gewährt – mitgeteilt durch seine persönliche Referentin.

  6. Duisburger Politiker, die jetzt Stadtdirektor Greulich bei seinen Karriere-Wünschen unterstützen, sollten einige Termine im Auge behalten.
    2013 ist der Prozess-Beginn gegen die Beschuldigten der Loveparade – mit großen medialen Wirbel über viele Monate.

    Stadtdirektor Dr. Peter hat die Stadtverwaltung Duisburg seit 2000 geprägt – zehn Jahre lang bis zur Loveparade-Katastrophe.

    2014 ist Kommunalwahl Duisburg. Politker, die Greulich unterstützen, werden dann durch Machtentzug abgestraft. So schnell vergisst Duisburg nicht, weder Neuanfang für Duisburg noch Duisburg 21.

  7. Lass es Hirn regnen So, 20 Mai 2012 at 14:02:26 -

    Antrag auf Schweigegelübde von HJ:
    Bitte erst Hirn einschalten, bevor Tastatur & Leser mit diesem Geseier gequält werden.
    Aber HJ ist ja unbestechlich: Er nimmt nicht einmal Vernunft an, wenn sie kostenlos ist 😉

    • Fristlose Kündigung des Duisburger Stadtdirektors Peter Greulich

      Der eine hält diese Forderung für das Gegenteil von Vernunft, also mindestens für Unvernunft wenn nicht gar ohne Hirn, dann eben für Schwachsinn.

      Bei aller Meinungsvielfalt kann dieser Aufruf auch als edler Bürgermut aufgefasst werden: Da ist einer, der sich noch etwas traut. Dabei wird ein offenes Meinungsbekenntnis heute generell eher gemieden, weiß doch jeder, wie die Kosten dafür gerade in Duisburg recht hoch werden können.

      Immerhin hat so auch die Abwahl von Adolf Sauerland begonnen.

      Hilfreich war dann die Landtags-SPD, als die die Lex Sauerland schuf. Und jetzt könnte das Gesetz zügig weiterentwickelt werden, indem der Geltungsbereich auf Wahlbeamte ausgedehnt würde.

      Was bei der Loveparade nicht gelang, ein gerechtes Risikomanagement anzuwenden, wird jedoch die Genossen der Parteihochburg aufschrecken, sich nicht selbst ins Knie zu schießen.

  8. Heute lese ich, daß im Umfeld von Tiger&Turtle der Boden verseucht ist. Von einer Firma, die vor 10 Jahren ihre Zelte abgebrochen hat.
    Dann hat man auf diesem Boden Tiger&Turtle geplant und umgesetzt.

    Und jetzt nach 10 Jahren wird der Boden erst untersucht?!?!
    Habe ich das so richtig verstanden?

    Ist nach 10 Jahren die Frist für das VERURSACHERPRINZIP abgelaufen?
    Sprich, hätte man VORHER untersucht, hätte diese Firma noch den
    verunreinigten Boden entsorgen müssen. Natürlich auf eigene Kosten.

    Und jetzt nach 10 Jahren muß es der gemeine Bürger machen.

    Das erinnert mich doch sehr an Neukirchen-Vluyn, das Zechengelände und die RAG. Das gleiche Prinzip, die Stadt, sprich der Steuerzahler ist für die Ensorgung des verseuchten Bodens haftbar zu machen und nicht die vorher ansässige Firma, in dem Fall, die Zeche.

    Soviel zum Verursacher-Prinzip. Oder gibt es das Gesetz gar nicht mehr?
    Habe ich da was verpaßt?
    Der Bürger mit seinen Steuern wird´s schon richten.Brav.Prima (Ironie)

    Lieber Harald Jochems.
    Ich halte ihre Kritik für berechtigt.Ihre Schlußfolgerung für bedenklich.
    Gerade ein GRÜNER sollte mit der Umweltproblematik sachkundig und gesetzeskonform umgehen. Er geht auf die Industrie und Wirtschaft ein
    und scheint dort Erfüllungsgehilfe zu sein. So wirkt es.
    Die Gesundheit und das Wohlergehen des einfachen Bürgers hat er nicht im Blick. Müßte er aber, er ist zu unserem Wohl verpflichtet worden.
    Und das bezieht sich nicht nur auf´s Geld.

  9. http://fallback2.xtranews.de/2012/09/08/umleitung-presseschau-vom-8-9-2012/

    Frage an Presse iriwaz: Ein gläubiger Experte meint, Outlet-Center in Duisburg-Hamborn ist noch zu stoppen?

    Antwort von Presse iriwaz: Im Prinzip schon, aber nicht in Duisburg – wie bei der Loveparade.

    (Anm.: Die Stadtverwaltung Duisburg hat kein Risiko- und Konfliktmanagement. Ob Loveparade oder FOC, warnende Stimmen werden einfach platt gemacht. Die politische Verantwortung lag einst bei Adolf Sauerland, heute bei Sören Link und administrativ immer bei Stadtdirektor Dr. Peter Greulich.)

  10. Kurz nach der Veröffentlichung war der Bericht Stadtdirektor Peter Greulich soll Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe werden (Ingo Blazejewski, NRZ Duisburg 10.09.2012) nicht mehr auffindbar.

    „Es kann doch nicht sein, dass ein so wichtiger Artikel einfach im Nirwana verschwindet“, so einer der vielen zornigen Kommentar.

    Dieser Eingriff bei DerWesten.de hat die Proteste über die berufliche Zukunft von Stadtdirektor Dr. Peter Greulich erstickt. Jetzt ist Totenstille bei den Kommentaren auf DerWesten.de.

    Ich hätte da mal eine Frage. Seit sieben Jahren ist DerWesten.de online. „Kann sich jemand erinnern, dass all die zornigen und engagierten Kommentare über die unendliche Serie unerwünschter Duisburger Entwicklungen je genutzt hätte?“

    Ich denke, es ist Zeit, hier bei Xtranews die Zukunft von Duisburg zu gestalten. Kommentare bei DerWesten.de nutzen nichts. Zu dieser Erkenntnis bin ich 2008 gekommen und bis heute bestätigt worden.

    Ich lasse mich nicht mehr von DerWesten.de-Moderatoren knechten.

    🙂 Alle Mann zu Xtranews!
    Kommentiere, hier das tu´s!
    🙂

    Jakobswege. Protest gegen DerWesten.de Duisburg

    • Zur Nachhaltigkeit bei Xtranews kann üebrlegt werden, ob nicht eine Liste mit den Überschriften von den Artikel mit Lokalthemen gemacht wird.

      Ich denke, das Lokale wird man meisten kommentiert. Und manchmal fällt mir zu einem ältereen Beitrag was ein. Dann beginnt die Sucherei (meist über Google wie hier „fristlose Kündigung Greulich“).

      Die neue Seite mit den Lokalthemen muss nicht chique sein, sondern nur eine einfache praktische Liste der Überschriften ohne weiteren Text).

      Was meint Ihr? Gibt es dafür Bedarf?

      Aus meiner Sicht ist das eine wesentliche Verbesserung gegenüber DerWesten.de. Wenn dort zunehmend redaktionell und politisch unerwünschte Kommentare abgegeben werden, verschindet der Artikel – wie gehabt.

  11. Frage an Presse iriwaz: Manchmal frage ich mich, hilft in Duisburg ein Karcher?

    Antwort von Presse iriwaz: Im Prinzip schon – vielleicht in einer mittelalterlichen Version als Düsen-Hochburg-Reiniger.