Die Tücken der Kommunikation: Sieben auf einen Streich?

Traumzeit Festival 2011

Traumzeit Festival 2011 (Photo credit: SimSullen)

Gleich zur Sache: Wozu taugen offene Briefe?! Zu berücksichtigen ist, dass eine Privatkommunikation nach außen getragen wird, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Soll zum Beispiel zu einer Unterstützung für ein Festival oder zu einer politischen Abwahl aufgerufen werden, die mehr als nur die Mitglieder einer Initiative mobilisieren will, wäre ein offener Brief eine akzeptable Möglichkeit. Was geschieht jedoch, wenn eine Privatkommunikation lediglich nach außen getragen, die Öffentlichkeit nicht oder nur beiläufig angesprochen wird, nur als Druckmittel dient, um den Angesprochenen unter Zugzwang zu setzen?

Konkret müssen zwei Anliegen unterschieden werden, die in dem angeführten Beispiel auf naive Weise vermischt sind: (1) das Anliegen, über die Öffentlichkeit mit jemandem ins Gespräch zu kommen, wobei die Frage aufkommt, weshalb auf diesem Weg, (2) der Wunsch, den Angesprochenen öffentlich bloßzustellen bzw. zu diskreditieren! Beides zugleich kann man nicht haben!

Die Initiative ‘Traumzeitretter’ ist mit ihrem brieflichen Engagement in eine Kommunikationsfalle getappt, die es schwierig macht, ihr gut gemeintes Engagment noch ernst zu nehmen. Eine Forderung gegenüber der Kulturadministration nach Erläuterungen über das Fehlschlagen der ‘Traumzeit 2012’ wird mit einer denunzierenden Haltung verknüpft, Interna wie die Verhältnisse von Kulturdezernat – Isfort (ehemaliger künstlerischer Leiter der ‘Traumzeit’), Festivalbüro – Isfort, ebenso die Verhältnisse zu Sponsoren sollen den Unterzeichnern des Briefes nach öffentlich gemacht werden. ‘Sieben auf einen Streich’ fällt mir dazu ein – und ein tapferes Schneiderlein, das nicht über die Enge seiner Nähstube hinauszublicken vermag.

Dabei ist ein Klärungsbedarf im Hinblick auf das Scheitern der ‘Traumzeit’ durchaus verständlich, man sollte als Kulturschaffender jedoch auch wissen, wie Kommunikation funktioniert und welche Informationen sensibel behandelt werden müssen, will man nicht durch öffentliche Personal- und Sponsorendebatten verhindern, dass es keine Zukunft gibt, weil sich niemand auf solche Umgangsformen einlassen möchte. Isforts Vertrag lief zum Jahresende aus, und wenn er sich auf eine vertragliche Option zur Verlängerung stützt, diese ist an die Finanzierung des Festivals gebunden. Panikmache hilft in einem solchen Fall wenig, nicht in der Öffentlichkeit, nicht im Hintergrund. Und auch nicht per Anwalt. Im Gegenteil: Der Aktionismus hat dazu geführt, dass ein neu gewonnener Sponser absprang! ‘Sieben auf einen Streich’ gelingt allenfalls in einer engen Nähstube, mit einem Marmeladenbrot!

Damit ist keineswegs ausgeräumt, ob und was in der Kulturadministration und in der Politik, dem Rat der Stadt, in den vergangenen Jahren fehlgelaufen ist oder versäumt wurde. Dass die Eigenmittel für ein Festival viel zu gering sind, hätte seit längerer Zeit auffallen können, ebenso dass sich Duisburg angesichts der Finanzsituation, aber auch aus strategischer Sicht, entscheiden muss, was es als wichtig erachtet!

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14 thoughts on “Die Tücken der Kommunikation: Sieben auf einen Streich?

    • Danke für den Hinweis, aber das Wort Kulturamt kommt im Text gar nicht vor! Die Rede ist von der Kulturadministration, ohne näher auf Institutionen einzugehen. Im vorliegenden Fall handelt es sich um das Dezernat und die Duisburger Marketing GmbH samt dem Festivalbüro.
      Unter den Stichworten habe ich es gefunden … ok, egal 😉

    • Elisabeth Höller Sa, 24 Mrz 2012 at 19:59:16 -

      Interna wie die Verhältnisse von Kulturamt – Isfort (ehemaliger künstlerischer Leiter der ‘Traumzeit’), Festivalbüro – Isfort

      aber um es mal genau aufzuklären, das frühere Kulturamt, ist nun aufgeteilt in Festivalbüro und Kulturbetriebe, ein Teil der Kulturbetriebe ist das Kulturbüro

  1. >> Die Tücken der Kommunikation:

    In der Stadt Duisburg sind keine Strategien des Interessenausgleichs bekannt. Hier gibt es Moderation von oben.

    Mediation ist Interessenausgleich und ein Teil von Bürgerbeteiligung, eben der Strukturwandel Ruhrgebiet.

    ‘Sieben auf einen Streich’ ist eigentlich ein Erfolg, nur der Vergleich damit war ‚Null auf einen Streich‘ von einem tapferen Schreiberlein.

  2. Reinhard, ich vermag im Sachverhalt keine Kommunikationsfalle zu erkennen.

    Diese Traumzeitretter zeigten etwa in ihrer Rollenzuweisung als Fans des Festivals das Engagement, einschlägige Sondierungsveranstaltungen zum Weiterspiel des Festivals anzuleiern sowie ein Crowdfunding zu initiieren.

    Dies Engagement wurde von offizieller Veranstalterseite mehr mehr oder mindert düpiert.

    Ebenso wurde von dieser dem Impresario schlecht nachgeredet – eigentlich eine weitere Ungeheuerlichkeit, die meine These stützt, daß es sich bei den stadtgebundenen Veranstaltern um konzeptionell überforderte Institutionen handelt. Eine Einschätzung übrigens, die auch die kommunalpolitische Oppsosition in der Kulturpolitik so sieht.

    In der Folge reagieren die Traumzeitretter, die noch mt einem Fünkchen Hoffnung beseelt sind, mit einem offenem Brief und einer Post-mortem-Analyse, die in Fragen an die Zuständigen mündet.

    Ein absolut klassisches Mittel, um weitere Aufklärung zu erheischen und den öffentlichen Druck zu erhöhen.

    • Hi Thomas, wenn die ‚Traumzeit‘ 2012 nicht stattfindet, wovon inzwischen auszugehen ist, dann ist sie nicht generell gestorben. Die Entscheidungen liegen bei der Politik – nicht bei der Kulturadministration.

      Der offene Brief ist eine Reaktion auf eine von außen chaotisch wirkende Situation, die man durchaus als Farce bezeichnen könnte. Die öffentlich zugänglichen (Presse) Kommentare der Administration waren mit Sicherheit alles andere als hilfreich und professionell. Mit solchen Andeutungen forciert man Grabenkämpfe, die meines Wissens vom ‚Impressario‘ durch blinden Aktionismus eröffnet worden waren. Wenn ein neuer Sponsor aufgrund eines solchen Verhaltens abspringt, kann man den Aktionionismus dann nicht als schädigend bezeichnen?

      Es hilft in einer solchen Situation nichts, wie die ‚Traumzeitretter‘ es nun versuchten, Interna öffentlich diskutieren zu wollen: passiert dies, ist Duisburg als Kulturstandort tot! Niemand, insbesondere kein Sponsor, wird sein Unternehmen in solche Diskussionen einbinden lassen! Dies betrifft nicht alleine die ‚Traumzeit‘, sondern generell jedes Kulturengagement, zu dem Sponsoren gebraucht werden. Es geht in diesem Fall nicht um einen Kulturkampf der Szene gegen die Stadt, sondern um die Kulturevents der Stadt. Das sind zwei verschiedene Sachverhalte! Isfort war als Freiberufler bei der Stadt engagiert, nicht als Vertreter der Szene, zumal sein Minimalkonzept auch kaum etwas mit der Szene zu schaffen hat, sondern mit seinen (geschäftlichen) Kontakten zum Goethe-Institut und nach Südostasien.

      Ich sehe momentan alle Beteiligte als hilflos Agierende an: die Kulturadministration in Reaktion auf den Ausfall des Sponsors, den ‚Impressario‘, dem nicht nur die ‚Traumzeit‘ entglitt, sondern auch seine wirtschaftliche Existenz, die Politik (Rat der Stadt), die nicht weiß, was sie will und im Grunde dokumentiert, von nichts Ahnung haben, am wenigsten von Kultur, und nun auch die ‚Traumzeitretter‘: Sich um eine Klärung zu bemühen, hätte ihnen gut gestanden, nicht aber in der von ihnen präferieren Art und Weise.

  3. Christian Heiko Spließ Mo, 26 Mrz 2012 at 20:38:32 -

    Da ich eine Vorgeschichte mit Herrn Pressler habe – weswegen mich der offene Brief nicht wundert übrigens – schreibe ich nur: So ist das wohl, eine verfahrene Situation und vermutlich sitzt die DMG und die Stadt das Ganze aus. Weitere Kommentare von mir sind dann dazu nicht mehr zu erwarten, ich bin raus, stehe mit den Rauchern vor der Tür und grinse nur ab und an noch.

  4. Jeder setzt ein NEINZEICHEN Duisburg auf seine Art:
    >> Weitere Kommentare von mir sind dazu nicht mehr zu erwarten,
    >> ich bin raus, stehe mit den Rauchern vor der Tür und grinse nur
    >> ab und an noch.
    Ist Christian Heiko Spließ ein potenzieller Prämigrant Duisburg?