Stellungnahme der Traumzeitretter: Es besteht erheblicher Klärungsbedarf

Sehr geehrter Herr Gerste, sehr geehrter Herr Janssen, sehr geehrter Herr Jebavy,

um Sie vorab zu beruhigen: Wir haben Tim Isfort bislang als ausgesprochen loyale, sich seiner Pflichten im hohen Maße bewußte Person kennengelernt,
die weder an uns noch an die Öffentlichkeit Interna preisgibt und geben wird, die für diese nicht bestimmt sind. So betonte Isfort noch bei der jüngsten Diskussionsrunde, dass er weiterhin seinen offenbar juristisch noch gültigen Vertrag zu erfüllen und somit zur Zusammenarbeit mit Ihnen
bereit ist. Wir selbst werden nur durch die Lokalpresse informiert und können somit keine Informationen weitergeben, die nicht ohnehin der Öffentlichkeit bekannt sind.

Doch genau hier ergeben sich Fragen, die unserer Ansicht nach erheblichen Klärungsbedarf haben. In der lokalen Berichterstattung war wiederholt zu
lesen, dass der Kulturdezernent und die DMG „alle Anstrengungen“ unternommen habe, das Traumzeitfestival zu retten. Das Ergebnis Ihrer
Bemühungen ist der Öffentlichkeit ja seit Freitag Mittag bekannt.

Ferner erfährt man, dass Herr Isfort zwar „verständliche Motivationen“ für sein Verhalten habe, letztlich aber dem Festival erheblich „geschadet“
habe. Selbst wenn man die unprofessionenelle und journalistische Minimalstandarts unterlaufende Berichterstattung einmal außer Acht lässt,
so fragt man sich doch als Leser, wie der künstlerische Leiter seiner Veranstaltung solchen Schaden zugefügt habe. Darüber verrät die Presse
nämlich nichts. Und auch Sie selbst wiederholten diese Anschuldigung ja in der Öffentlichkeit, ohne sie mit Inhalt zu füllen. Ohne jede inhaltliche
Füllung wirken die Behauptungen aber wie Rufmord, einzig mit dem Zweck, eine der hervorragendsten Persönlichkeiten im kulturellen Leben dieser
Stadt öffentlich zu demontieren. Die Absage des Traumzeitfestival hatte aber, folgt man der Berichterstattung, keine personellen, sondern einzig und allein finanzielle Gründe. Öffentlich bekannt ist das Fehlen von 230.000 Euro durch den Ausfall des Sponsorings von RWE.

Es ergibt sich nun der Eindruck, dass das Festival durch eine Summe von 230.000 Euro hätte gerettet werden können. Ihre öffentlichen Aussagen kann
und soll man also so verstehen, dass es Ihnen nicht gelungen ist, zwischen dem 12. September 2011 und dem 16. März 2012 diese fehlende Summe zu
generieren.

Über diesen Zeitraum erfahren wir durch Sie widersprüchliche Angaben: Zum einen erwähnt Herr Janssen, dass er im Sommer 2011 eine mündliche Zusage des RWE-Vorstandes über eine weitere Förderung bekommen habe. Er räumt selbst ein, dass er versäumte, sich diese Zusage schriftlich geben zu
lassen. So gesehen kam der Ausstieg von RWE im September überraschend. Auf der anderen Seite wird sowohl von Ihnen als auch vom künstlerischen Leiter Herrn Isfort mitgeteilt, dass RWE keineswegs aus laufenden Verträgen ausgestiegen ist, sondern einfach einen befristeten Vertrag
erfüllte. Nach zwei Dreijahresverträgen (2005 – 2007, 2008 – 2010) hatte RWE für 2011 noch um 1 Jahr verlängert. So gesehen hätten Sie schon mit
Hinblick auf das Vertragsende 2010 frühzeitig tätig werden müssen. Warum verhallten die Anmahnung des künstlerischen Leiters, die Förderungen auf
breitere Füße zu stellen, ungehört? Wie wollen Sie der Öffentlichkeit erklären, dass hier nicht vielfache Möglichkeiten bereits VOR September
2011 ungenutzt blieben? Und wie wollen Sie glaubhaft vermitteln, dass zwar sechs Monate „intensiver Bemühungen“ kein anderes Ergebnis als die Absage
des Festivals für 2012 brachten, dass aber die verbleibenden 15 Monate bis zum Festival 2013 ausreichen, um eine Traumzeit, die den Namen verdient,
zu organisieren. Und das, nachdem Sie in der Presse äußerten, dass der inhaltliche Kopf des Festivals aufgrund eines nicht näher erläuterten
„Zerwürfnisses“ untragbar geworden ist?

Es muss also ein neuer künstlerischer Leiter eingearbeitet werden, ein komplett neues inhaltliches Konzept entwickelt werden, eine offenbar
ungenügende finanzielle Lage auf solide Füße gestellt werden – und das alles von Personen, die in den letzten sechs Monaten nichts erreicht
haben. Können Sie es den Bürgern dieser Stadt ernsthaft verdenken, wenn diese an Ihrer Kompetenz und Glaubwürdigkeit zweifeln?

Einen weiteren Widerspruch möchten wir ebenfalls gern geklärt wissen: Herr Janssen erklärte, dass es keine andere Möglichkeit gebe, das Festival
finanziell abzusichern, als durch einen Großsponsoren, der RWE ersetzen kann. Vorschläge in Richtung Kleinsponsorenakquise lehnte er als
ineffektiv ab. Gleichzeitig aber erläuterte er, dass die Marke Traumzeit für Großsponsoren nicht attraktiv genug sei und verwies darüberhinaus auf
die angeblich schlechte finanzielle Allgemeinsituation. Folgt man dieser Argumentation, so ergibt sich, dass ein Großsponsor nicht zu finden ist,
trotzdem aber weiter gesucht werden muss. Man postuliert hier also bereits im Vorfeld sein eigenes Scheitern. Ein Verfahren, das uns, bei allem
gebotenen Respekt, höchst fragwürdig und ineffektiv erscheint. Wie möchte Herr Janssen der Öffentlichkeit erklären, dass er zwar wusste, dass seine
Sponsorensuche erfolglos bleiben muss, er es aber dennoch immer weiter versuchte und alternative Möglichkeiten ablehnte?

Nun wurden in der Diskussion ja diverse Zahlen genannt, die zusammen diese bzw. eine ähnliche Summe durchaus hätten ergeben können. Es war die Rede von einem Zuschuss der Stadtsparkasse in unklarer Höhe (18.000 – 60.000 Euro wurden genannt), es soll Restmittel aus dem Akzentetopf geben (30.000 Euro), es war von 40.000 Euro von Seiten der Stadt die Rede, es gab einAngebot der Firma Höhnerbach in Höhe von etwa 45.000 Euro. Und allgemein bekannt (und auch oft kritisiert) ist ja der Zuschuss an die Kulturzentrale Hundertmeister in Höhe von zuletzt 100.000 Euro p.a. Bitte
korrigieren Sie uns, aber unserem Kenntnisstand nach ist dieses Geld 2011 nicht geflossen. Was ist mit diesem Geld? Es war doch ausdrücklich für die
kulturelle Szene Duisburgs, im besonderen für die Kulturzentrale, vorgesehen. Können Sie belegen, dass es anderen kulturellen Einrichtungen
zugesprochen wurde? Oder gibt es davon eventuell noch einen Teil, der dem Traumzeitfestival hätte zugeführt werden können?

Ihrer eigenen Aussage nach, sollte 2012 eine verkleinerte Form des Festivals stattfinden. Das kann doch nur bedeuten, dass Sie planten, das
Festival auch dann durchzuführen, wenn weniger als die oben genannten 230.000 Euro zusammenkommen. Nun können Sie oben sehen, dass die Summen, die unwiderlegbar da waren, zusammen, je nach Höhe des Sparkassenzuschusses, 133.000 – 175.000 Euro ergeben. Zusätzlich befinden
sich auf unserem Spendenkonto nach nur 2 Tagen bereits 11.000 Euro. Selbst wenn die Klärung des Verbleibs der Zuwendung für die Kulturzentrale
Hundertmeister ergibt, dass dieses Geld vollständig anderweitig verwendet wurde (oder eben doch noch 2011 der Kulturzentrale zugeflossen ist), hätte
man den Ausfall von RWE mit mindestens 144.000 Euro kompensieren können. Zieht man Ihre eigene Aussage, das Festival sei 2012 nur in einer
verkleinerten Form möglich, dazu, so ergibt die Absage des Festivals wegen des (bis dato unbestätigten) Ausfalls von in letzter Minute beantragen
Landesmitteln keinen Sinn.

Als Steuerzahler und Bürger dieser Stadt, die Sie bezahlt, als Ihre eigentlichen Arbeit- und Auftraggeber fordern wir Sie auf, unverzüglich, öffentlich und allgemeinverständlich folgende Punkte zu erläutern:

1. Inwieweit machen sIe Herrn Isfort für eine Schädigung des Festivals
verantwortlich?
2. Inwieweit schädigen Herrn Isforts konstruktiv gedachte Aktivitäten wie
Kleinsponsorenakquise, Vernetzung mit überregionalen Festivals, Ausweitung
der Werbung bundesweit, Inanspruchnahme zusätzlicher Förderungen durch
Kulturinstitute u.a.m. das Festival?
3. Was passierte mit den 100.000 Euro, die im Haushalt 2011 für die
Kulturzentrale Hundertmeister vorgesehen waren?
4. Erklären Sie den Umstand, dass Ihrer Aussage nach die Stadtsparkasse
noch keine Förderung für 2012 gezahlt habe, während Herr Tomalak Herrn
Höhnerbach gegenüber bestätigte, das Geld sei bereits im Dezember 2011 an
die Stadt überwiesen worden.
5. Warum wurde auf das Angebot der Firma Höhnerbach in keiner Weise
eingegangen?
6. Warum haben Sie, für uns sehr überraschend, ein Festival abgesagt, das
rein rechnerisch in der von Ihnen postulierten verkleinerten Form durchaus
hätte stattfinden können?
7. Wie erklären Sie Ihre Untätigkeit vor dem offenbar ja zu erwartendem
RWE-Ausstieg? Wie begründen Sie, dass die von Herrn Isfort gemachten
Vorschläge (s.o.) nicht zumindest im Ansatz versucht wurden?
8. Wie erklären Sie Ihre völlig ineffektive und im Ergebnis (Absage des
Festivals am 16.3.) ja auch auf ganzer Linie erfolglose Suche nach
Rettungsmöglichkeiten?

Wir behalten uns unser demokratisches Grundrecht vor, auf einer klaren und nachvollziehbaren Beantwortung dieser Fragen öffentlich zu bestehen.

Mit freundlichen Grüßen
Traumzeitretter
i.A Eckart Pressler, Luise Hoyer, Philippe Micol

One thought on “Stellungnahme der Traumzeitretter: Es besteht erheblicher Klärungsbedarf

  1. Hochinteressantes Vorspiel.

    Die detailgenaue Darlegung und der Fragenkatalog laufen ja zwingend auf eine dargetane zweifelhafte Rolle des Duisburger Kulturdezernenten Janssen hinsichtlich des Scheiterns der Traumzeit hinaus.

    So wie sich das liest, hat Janssen nur eine Chance:

    Entweder er entlastet sich dezidiert beantwortend.

    Oder – er wird als Totengräber der Traumzeit seine unerfolgreiche kommunale kulturelle Wirkungsgeschichte zum Höhepunkt fortschreiben.