Kleber interviewt Ahmadinedschad: Ein Irrer in Teheran

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German journalist Claus Kleber attending the speech of Barack Obama in July 2008 at the Victory Column in Berlin. Deutsch: Der deutsche Journalist Claus Kleber bei Barack Obamas Rede vor der Siegessäule in Berlin im Juli 2008. (Photo credit: Wikipedia)

Claus Kleber, Nachrichtenchef beim ZDF, „hält das Gespräch mit dem Regierungschef für gelungen“, wie er jetzt den Tagesspiegel hat wissen lassen. „Zwar hat Ahmadinedschad versucht, die Kontrolle über das Gespräch zu gewinnen, aber das ist ihm nicht gelungen.“ Kannste mal sehen: die ganze Welt hat ihre liebe Last damit,Mahmud Ahmadinedschad irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Ganz offensichtlich ohne allzu großen Erfolg. Doch dann kommt der ZDF-News-Frontman. Ahmadinedschad versucht noch einmal, die Kontrolle zu gewinnen. Aber nicht mit Claus Kleber! „Aber das ist ihm nicht gelungen.“

 

Na sicher: einige „dürften enttäuscht sein“, räumt Kleber ein, z.B. „diejenigen, die auf eine Verhandlungslösung hoffen, und dazu gehört ja auch US-Präsident Obama“. Schon allein darüber, „dass Ahmadinedschad hinsichtlich der Überprüfung des Atomprogramms keine Zugeständnisse gemacht hat.“ Ja gut, ey – aber war das etwa zu erwarten? Man muss Geduld haben, hartnäckig sein, darf die Hoffnung nicht aufgeben. So wie z.B. Claus Kleber: „2008 hatte ich ihn das erste Mal angefragt, ohne Erfolg. Wir haben aber anschließend nicht aufgegeben. Am vergangenen Montag kam dann plötzlich die Zusage.“ Für das Fernsehinterview, 42 ½ Minuten Dauer, Kleber hat alles unter Kontrolle.

 

Nun ließe sich freilich die Frage stellen, warum Ahmadinedschad nach vier Jahren nicht mehr in der Lage war, dem einfach nicht aufgeben wollenden ZDF ein Interview zu verweigern. Oder, um die Originalworte des Tagesspiegel zu benutzen: „Warum ist Ahmadinedschad überhaupt auf das Interview eingegangen?“ Antwort Claus Kleber: „Das weiß ich bis heute nicht.“ So etwas ist eigentlich auch schier unerklärlich. Wie kann man nur so irre sein, sich einem Rededuell mit Kleber, dem einfach nicht unter Kontrolle zu Bekommenden, auszusetzen?! Irre. Kleber spekuliert: „Offenbar wollte er nach innen, wo er umstritten ist, internationales Gewicht zeigen.“

 

Offenbar geht Kleber davon aus, dass die Bürger Irans entweder gleich das heute Journal schauen oder aber ihre Informationen über das Gespräch mit dem ZDF aus der bekanntlich absolut freien und unzensierten Presselandschaft der Islamischen Republik beziehen. Oder aber, um es auf Klebers wirklich harte Mitteilung zu konzentrieren: „Das weiß ich bis heute nicht.“ Wie auch immer: am letzten Wochenende war es endlich so weit. Und am Montag, den 19. März 2012, konnten die Zuschauer der heute-Sendung und mit Ihnen die Welt („Herr Präsident, die Welt schaut uns zu“) an den Fernsehschirmen verfolgen, was der iranische Staatspräsident mitzuteilen hat.

 

Ahmadinedschad bezeichnete den Holocaust erneut als “Lüge”. Israel sei ein “künstliches Land”, entstanden durch “eine Geschichte mit dem Titel Holocaust” – eine zionistische Verschwörung auf Kosten der Palästinenser. Das findet Ahmadinedschad „ungerecht“, wozu die Frankfurter Rundschau treffend anmerkt: „Ungerecht ist eines der Wörter, das Ahmadinedschad besonders oft gebraucht.“ In der Sache des Atomprogramms gibt er keinen Millimeter nach, und in Bezug auf die Sanktionen macht er darauf aufmerksam, dass in Europa 200-300.000 Arbeitsplätze vom Handel mit dem Iran abhängen deutet an, das könne sich bei Bedarf auch ändern.

 

Charlotte Knobloch, die ehemalige Zentralratsvorsitzende der Juden in Deutschland und jetzige Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses hat sich entsetzt darüber gezeigt, dass die ungenierte Holocaustleugnung und Israelhetze des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. “Seit vielen Jahren leugnet Ahmadinedschad regelmäßig und auf offener Bühne den millionenfachen Mord an den europäischen Juden, und kaum einer sagt mehr etwas dagegen. Seine Verschwörungstheorien über Zionisten sind wahnhaft und antisemitisch.”Die Bundesregierung solle Ahmadinedschads Aussagen auf das Schärfste verurteilen“.

 

Unwidersprochener Judenhass. Hätte Kleber Ahmadinedschad widersprechen müssen, wie z.B. die tazmeint? Im Tagesspiegel-Interview hat Sonja Pohlmann auch diese Frage gestellt: „Ahmadinedschad hat in dem Gespräch erneut den Holocaust als „Lüge“ bezeichnet. Warum haben Sie nicht widersprochen?“ „Weil ich mir“, antwortet Claus Kleber, „von vornherein vorgenommen hatte, nicht in diese Falle zu tappen.“ Das ist ja clever! Also: nicht in der Höhle des Löwen gepatzt, sondern „von vornherein vorgenommen“. Denn: „Eine Debatte über den Holocaust hätte ihm die Gelegenheit gegeben, seinen Mist voll auszubreiten“, sagt Kleber.

 

Und dann? Eine Zensur findet nicht statt. Nicht im ZDF, und schon gar nicht bei Herrn Ahmadinedschad. Punkt Eins, und Punkt Zwei: was hätte denn der Herr Kleber machen sollen, wenn der Herr Ahmadinedschad seinen Mist voll ausgebreitet hätte?! Der Holocaust, die millionenfache Ermordung europäischer Juden – die Einen sagen halt so, die Anderen so. Da kann man nichts machen. „Als Ahmadinedschad Sie fragte“, hakt Sonja Pohlmann nach, ob jedes Land, das wie Israel nicht Mitglied des Atomwaffensperrvertrags sei, frei zu tun ist, was es will, antworteten Sie: `So ist das wohl.´ Damit gaben Sie genau die Antwort, die der Präsident hören wollte.“

 

Über weite Strecken dieses denkwürdigen Gesprächs lief das tatsächlich so: Ahmadinedschad fragte, Kleber würgt sich irgendetwas zurecht. So geübt antwortet er der Frau vom Tagesspiegel: „Darauf immer wieder hinzuweisen, ist sein alter Trick.“ Tja, da kann man also auch nichts machen. Zumal: „Aber es ist auch ein nicht unberechtigtes Anliegen“ (Kleber). Selbstverständlich ist Claus Kleber kein Ahmadinedschad-Fan, im Gegenteil: „Von diesem Mann geht eine böse Faszination aus.“ Von Ahmadinedschad, versteht sich. Und es wäre gewiss erhellend gewesen, wenn Pohlmann nachgefragt hätte, was er eigentlich darunter versteht. Unter „böse Faszination“, der Claus Kleber.

 

Hat sie aber nicht, stattdessen: „Würden Sie Ahmadinedschad noch einmal interviewen?“ „Nein“, antwortet Kleber, „ich glaube, ich habe jetzt alles gehört, was er zu sagen hat.“ Auch erhellend. Am Montag, den 19. März, erschien im ZDF das Interview mit Ahmadinedschad. Am Dienstag, den 20. März, das taz-Interview mit Kleber. Am gleichen Tag erschoss Mohammed Merah vor dem jüdischen Gymnasium in Toulouse drei Schüler und einen Lehrer.Catherine Ashton erinnert ebenfalls noch am gleichen Tag im Zusammenhang mit den ermordeten jüdischen Kindern an die toten Kinder in Gaza. Einen Tag später, also am Mittwoch, den 21. März, nennt der von der Polizei umstellte Merah „Rache für die Kinder in Gaza“ als sein Mordmotiv.

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