Duisburg von unten – Casino Duisburg

Melancholie, Schlafentzug und die Lust nach einem Kick haben mich mal wieder veranlasst die modernen Gangster des Casino Duisburg im „City-Palais“ aufzusuchen. Ein romantischer Start, missglückte Flirts, teure Drinks und Glück im Unglück waren die Folge.
Ich war schon länger nicht mehr dort aber werde trotzdem erkannt. Kein Wunder denn dies ist mein 116. Besuch wie mir die nette Frau Curtis am Empfang auf Nachfrage bestätigt. Ich seufzte auf angesichts dieser schlimmen Bestätigung. Dabei bin ich grundsätzlich nur Pokerspieler. Texas Hold em. Kleiner Tisch. 100€ Einsatz minimum bei kleinen Blinds. Wenn sie verstehen was ich meine. Es gibt allerdings Tage an denen ich unfassbare Fiaskos ertragen musste. Aber auch grandiose Gewinne. Bevor ich mich zum Pokertisch setze, geht’s kategorisch ins Restaurant „Inside“. Und beileibe. Es ist definitiv das beste Restaurant in ganz Duisburg. Mein Lieblingskellner „Sven“ bedient mich. Es gibt kein besseren. Die Gerichte sind stets tadellos. Wie z.B. die Hummerschaumsuppe mit Aal und Trüffel. Pretty bizzare und lecker.
Um 20h eröffnet der Pokertisch und der eigens dafür zuständige Concierge bedauert mir, dass ich auf der Warteliste stehe. Vor 23h geht da erfahrungsgemäß nichts. Anscheinend habe ich doch am Nachmittag zu spät meine Reservierung bekannt gegeben. Ich begrüße zunächst die Stammspieler. Jeder für sich ein kleines Genie, wenn auch manchmal etwas durch geknallt. Zur Bar schlendernd begegne ich dem wohl sympathischsten Mitarbeiter des Casinos. Herr Osterkamp dreht seine Runden. Karriere hat er gemacht, der gute. Schon in Ordnung so. An der Bar dann vermisse ich Barkeeper „Leif“. Ich frage seine Kollegen und man teilt mir mit, dass sein Vertrag nicht verlängert wurde. Ich fass es nicht. „Leif“ war der kompetenste Barkeeper ever. Mein Vertrauter beim spielen. Er wusste stets welcher Drink zur rechten Zeit kam. Zwei Jahre lang ging das so. Nun ist er weg. Schämt euch, Casino Duisburg. Das kleine, teure Bier schmeckt wie immer einwandfrei. Ich ziehe mich zurück in die Raucherzone und unterhalte mich mit einem Roulettespieler welcher quasi zum Inventar gehört. Die „26“ läuft gut heute, berichtet er. Gelangweilt schlendere ich zum WC und hoffe auf eine Begegnung mit jenem gut situierten, braun gebrannten Herrn im Maßanzug, welchen ich vor Wochen dort antraf als er einen mitgebrachten, mittleren Jägermeister auf Ex runterspülte. Als er mich erblickte, entschuldigte er sich und ging verschämt nach draußen.
Nach zwei Stunden warten, erklang via Lautsprecher meine Spielernummer und ich begab mich zum Pokertisch. Die ersten 10 Minuten waren furchtbar. Kein einziges Blatt ließ mich dazu bewegen mitzugehen. Dann endlich, „Ass-Bube“ auf der Hand. „Raise“ raunte ich. „Re-Raise“ erwiderte mein Nachbar. Der Pott füllte sich als der „Flop“ doch tatsächlich eine 10, Dame und König herbeizauberte was letztendlich 130 Euro für mich bedeutete. Dies war das Startsignal einer Euphorie meinerseits in Form von ständigen Einsätzen abseits der Vernunft. 80 € Verlust nach weiteren 10 Minuten. Ich pausierte und orderte angesichts meiner Müdigkeit einen „Wodka-Redbull“ für sagenhafte 10€ als ich die verdammt gut aussehende Lady neben mir an der Bar bemerkte. Nach kurzem zögern dann „Wie wäre es mit einem Drink gegenüber im Steigenberger?“. Die Lady mustert mich von oben bis unten bis ein bitteres „Sehe ich so aus“? kam. Bad Luck. Nicht viel anders erging es mir vor geraumer Zeit als ich eine fett cajal-geschminkte Asiatin mit einem Dee Dee ramonesken Pony im samtgrünen Kleid erblickte. Ich konnte mein Glück kaum fassen denn sie grinste mich beinahe permanent an. Ich empfand eine Investition in Höhe von 2 Champagnern als angemessen für ein vermeintliches Abenteuer abseits des Kuschel-Mainstreams. Als ich cool genug war der englisch sprachigen Lady die Frage aller Fragen stellte, nämlich „Let´s go to another Place?“, kam ein noch cooleres „For 300 Bucks we can go“ zurück. Dankend lehnte ich ab. Luxus-Huren werden durchaus geduldet solange sie nicht zu aufdringlich sind, erzählte mir später der Pokerdealer breit grinsend als ich ihm meinen Fauxpas mitteilte. Zurück zum Spiel also. Wieder schlechte Karten und nach einer Stunde nur noch ca. 40€ an Jetons. Mit dem Verzehr an Getränken bis dato also ca. 100€ Verlust. Ich zögerte und beschäftigte mich mit der Frage nach Hause zu gehen mit einer Pizza und paar Bier oder doch die letzten 40€ zu verzocken. Mutig stand ich auf und machte mich auf dem Weg zur Kasse. Ein kurzer Stopp am Roulettetisch noch. Ein 5€-Chip auf die Zahl „5“ und siehe da….die verdammte 5 kommt doch tatsächlich. Ich kassierte also das 35fache meines Einsatzes und schwankte leicht alkoholgeschwängert zur Garderobe. Nichts wie weg aus dieser Hölle des Verderbens. Ich komme auch nicht wieder. No way….es sei denn ein Lottogewinn oder ähnliches ereilt mich und ich setze 300€ auf Cajal.
Enhanced by Zemanta

Comments are closed.