Vorsicht Satire! Ein Beitrag zum 30. Januar

Deutsch: Marina Weisband

Image via Wikipedia

Man ist sich einig: über diese kleine Glosse müsse unbedingt „Satire“ drüber stehen, sonst verstünden einige Leser sie nicht als solche. An dem, was ich damit sagen will, muss also etwas dran sein. Wenn Sie sich stark genug für diesen Text fühlen, können Sie ihn hier lesen.

Also: wenn man das alles so liest! Was so geschrieben wird. Oder wenn man das alles so hört, was so erzählt wird! Die leben doch alle auf einem anderen Stern! Alle! Die tun doch gerade so, als stünde hinter jedem zweiten Baum ein Neonazi. Ja, hier bei uns in Deutschland. Da können Umfragenkommen, so viel Sie wollen. NPD, Rechtsradikale und so – totale Fehlanzeige. Trotzdem: die hören ja nicht auf. Da können wir machen, was wir wollen. Ständig dieser Nazi-Mist.

Oder das mir den Juden. Als wenn dies heutzutage noch irgendeine Rolle spielen würde. Bei uns kann doch jeder glauben, was er gerade will. Jude oder nicht, Buddhist oder Körnerfresser – wen bitteschön interessiert das?! Es ist schon ärgerlich, wie da über unser Deutschland so ein Zerrbild in Umlauf gebracht wird. Und wir können uns noch nicht einmal dagegen wehren. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006: Die Welt zu Gast bei Freunden – alles schon vergessen? Scheinbar schon.

Jeder hat da sehen können, was wir für ein tolles Land sind. Spaß haben wir gehabt. Gefeiert haben wir, getanzt – zusammen mit brasilianischen Sambabräuten. Zusammen gesoffen mit schottischen Geizkrägen, sogar eingood Feeling gehabt mit diesen Freaks aus Ghana. Und? Hat es irgendetwas gebracht? Nein, ich meine nicht, dass uns der Italiener wieder einmal verraten hatte. Sondern dass das, keine fünf Jahre später, schon wieder alles in Vergessenheit geraten ist.

Was wir für Spitzentypen sind. Eine an und für sich richtig fröhliche Nation. Schwarz-Rot-Gold an den Autos. Oder auch die großen Fahnen in den Fenstern und gleich richtig geflaggt im Vorgarten. NPD? Diese Möchtegernnazis konnten nur noch blöde gucken. Als wenn wir, um so richtig deutschen Spaß zu haben, irgendwelche Spinner mit einem Nazischaden bräuchten! Wir brauchen so einen Scheiß nicht. Aber das Ausland scheint wohl nicht so richtig damit klarzukommen, dass wir eben keine Nazis sind.

Da brauchen nur mal so ein paar jugendliche Spinner durch die Gegend zu streunen und ein paar Ausländer abzuknallen, schon heißt es wieder: DIE Deutschen. Als wenn es bei uns Irgendjemanden gäbe, der so etwas gut findet. Und „nationalsozialistisch“ … – wenn ich so etwas schon höre! Beim Hitler wären diese Typen doch sofort an die Wand gestellt worden. Der Führer hatte persönlich angeordnet, dass wenn ein deutscher Soldat über die Türken auch nur einen Witz reißt …

Wobei, um das auch mal klipp und klar zu sagen: mit dieser ganzen Hitlerei hatten wir nichts am Hut. Also meine Großeltern und die andere Verwandtschaft dieser Generation. Außerdem: was hätten die denn machen sollen?! Die konnten doch gar nichts machen! Und das mit den Juden, da hatten die schon gar nichts mit zu tun. Die waren sogar mit welchen befreundet; das hatten sie mir selber erzählt. Ich weiß jetzt gerade nicht, mit welchen genau. Vielleicht hatten sie mir die Namen auch aus Datenschutzgründen erst gar nicht gesagt.

Herrgott nochmal! Das ist doch auch alles schon Ewigkeiten her. So etwas vergisst man doch. Normalerweise. Nur das Ausland, das vergisst nichts. Ewig diese Nazi-Litanei. Als wenn die selbst keinen Dreck am Stecken hätten! Wie war das denn mit den Türken und den Armeniern. Aha! Oder mit den Franzosen, da hat der Türke natürlich recht, und den Algeriern. Und was die Amis mit den Indianern angestellt hatten, weiß ja wohl echt jeder. Nur uns wird diese Judensache immer und immer wieder aufs Butterbrot geschmiert.

Ausgerechnet der Jude. Oder finden Sie das etwa in Ordnung, wie der da unten mit den Palästinensern umgeht?! Schlimm ist das doch. Wobei, darauf lege ich größten Wert: man muss schon sehr genau unterscheiden zwischen diesen Israelis und – wie soll ich sagen? – ganz normalen Juden, z.B. hier bei uns. Wie gesagt: hier spielt das überhaupt keine Rolle mehr. Jeder, der sich ein bisschen anpasst, kann hier nach seiner Façon glücklich werden.

Antisemitismus, auch so ein Schlagwort! Regelmäßig machen sich irgendwelcheselbsternannten Forscher ihre Taschen damit voll, dass sie behaupten, soundso viel Prozent der Deutschen hätten etwas gegen Juden. So ein Quatsch!In der heutigen Zeit. Aber so ist das: mit Nestbeschmutzung lassen sich immer ein paar Mark dazu verdienen. Ach nee: Euros. Die Mark haben sie uns ja auch schon weggenommen. Jetzt wollen sie uns auch noch die Euros wegnehmen.

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber aufregen könnte. Inzwischen ist es so weit gekommen, dass Deutschland in der EU völlig isoliertdasteht. Nicht einmal auf die Holländer oder Finnen ist mehr Verlass. Sogar die Österreicher! Alle, wirklich alle wollen an unser Geld. Da sind sie sich einig: jahrelang die große Party machen und wenn dann die totale Pleite droht, kann der doofe deutsche Michel ja zahlen. Erst die deutsche Wertarbeit abgreifen und dann den Deutschen auch noch dafür blechen lassen.

Natürlich weiß das Ausland auch selbst, dass sich so etwas echt nicht gehört. Genau deshalb wird ständig – und jetzt, wo man an unsere Kohle ran will, verstärkt – dieser Nazi-Quatsch aufgewärmt. Der Grieche ist dabei nur besonders frech. Klar: der ist ja auch besonders pleite. Aber im Grunde machen sie alle mit. Tja, wenn es heißt, in die Hände zu spucken und ehrlich zu arbeiten, lässt das Ausland seine Maske fallen. Hoffentlich bleibt die Merkel hart!

Doch es ist ja nicht das Ausland allein. Die Nestbeschmutzer sind unter uns. Und wie abgeschmackt die dabei vorgehen, direkt schon feindselig. Beispiel Eins: da wird unserem Verfassungsschutz vorgehalten, er habe keine gute Arbeit abgeliefert. Also, da in dieser Dönermorde-Geschichte. Kann sein, kann nicht sein – die Sache wird ja jetzt gründlich untersucht und aufgeklärt. Wenn aber der Verfassungsschutz mal ganz zweifellos richtig gut arbeitet, wird auch wieder rumgenörgelt.

Ich meine: nur weil sie sich jetzt ganz unverdächtig „die Linken“ nennen, so nach dem Motto: die einen sind eben rechts und die anderen links, sind doch Verfassungsfeinde immer noch Verfassungsfeinde. „Kommunistische Plattform“ – da muss ich ja nicht mehr viel sagen. Andere sind gerissener: Gysi, Bartsch und wie sie alle heißen. Altkommunisten mit SED-Parteibuch machen jetzt auf Reformer. Ja, für wie bescheuert halten die uns denn?!

Oder dieses Mädel von den Piraten, Marina Weisband heißt sie. Ja, die ist schwer auf Zack! Die hat also als Geschäftsführerin der Piratenpartei ihre Plörrenhingeschmissen. Schade, hatte ich gedacht, die sieht doch gut aus. Ein Lichtblick unter all diesen Nerd-Kerlen. Sie habe nicht damit gerechnet, dass die Piraten so groß rauskommen. Ja, wer hatte das schon?! Sie müsse doch jetzt ihr Diplom machen; da sei das einfach zu viel.

Alles okay, für so ein Mädchen von 24 Jahren ist das auch nichts. Doch dann lese ich in der WAZ, dass sie etwas später eine neue Begründung für ihre Fahnenflucht hingelegt hat: „Macht ist nicht sexy“. Ach, dachte ich mir: „Das ist ja interessant! Was kommt wohl jetzt wieder?“ Bestimmt Systemkritik oder sowas. Verstehen Sie mich nicht falsch! Selbst das hätte ich noch so eben akzeptiert; es ist ja schließlich eine junge Frau, diese Marina Weisband.

Aber sicher ist sicher; das musste ich dann doch mal lesen: das Weisband-Interview mit Daniel Freudenreich – allein schon dieser Name! Er fragt: „Was war ihr positivstes und negativstes Erlebnis?“ Frau Weisband antwortet: „Die Unterstützung durch die anderen Piraten war sehr positiv.“ Ja, sehr schön, blabla … jetzt mal zur Sache, Schätzchen: „Nicht schön war, dass ich um den Jahreswechsel Drohbriefe bekommen habe. Teilweise ging es darum, dass ich Jüdin bin, die die Piratenpartei `unterwandert´“.

Sehen Sie?! Genau das meine ich: erst wird auf kleines Mädchen gemacht, das überfordert ist. Das ist doch sympathisch. Und dann wird – scheinbar unauffällig („teilweise“, „um den Jahreswechsel“), aber doch knallhart wieder einmal so getan, als gäbe es in Deutschland Antisemitismus. Logisch, dass ein Freudenreich da nachhakt: „Wie haben Sie reagiert?“ Und jetzt – halten Sie sich fest! – diese jüdische Piratin: „Ich habe mit meinem Freund darüber gelacht und die Rechtschreibfehler in den Briefen korrigiert.“

Unglaublich! Die lachen über uns. Die lachen uns aus! Die tun so, als könnten Sie Deutsch und wir nicht. Soll man da etwa nicht sauer werden?! Also: wenn man das alles so liest! Was so geschrieben wird. Oder wenn man das alles so hört, was so erzählt wird! Also: wenn ich zu sagen hätte!!! Wir schreiben den 30. Januar.

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6 thoughts on “Vorsicht Satire! Ein Beitrag zum 30. Januar

  1. Gut gemacht, Herr Dr. Jurga. Ohne Satire sind all die angesprochenen Themen wahrscheinlich nicht zu ertragen.

    • Anti-Katze Duisburg Mi, 01 Feb 2012 at 20:25:26 -

      Duisburg.
      > Ohne Satire sind all die angesprochenen Themen wahrscheinlich
      > nicht zu ertragen.
      Ich werd zur streunenden Duisburg-Katze und heiße „Anti-Schröder“ und sage: „Ich will hier raus!“

  2. Ist diese Satire eine Paradoxe Intention? Darauf wies http://www.brunoreisdorff.de im Zusammenhang mit der Verarbeitung der Love-Parade-Katastrophe hin.

    Das Schlechte der Welt könnte sich als Konzentrat Duisburg widerspiegeln. Paradoxe Intention http://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Frankl#Paradoxe_Intention

    Lieber Dr. Werner Juga, ich möchte Deine Satire für Duisburg neuerzählen: „Wenn ich einem Stadtbeamten und Stadtpolitiker begegne, lächeln sie mich freundlich an und schütteln mir warmherzlich die Hände.“

    „Wenn ich aufrichtig die Interessen meiner Mitbürger vertrete, kann ich des Verrats wie bei Siegfried sicher sein. In eine wunde Stelle trifft die Lanze!“ Bürger-Mobbing als System.

    Geschichte: Die Systeme machen die Menschen zu Lakaien ihrer Willkür.

    Es gilt die altertümliche Weisheit der Hebräer seit dreitausend Jahren:
    1. Mit jemand das Schwert kreuzen, wenn es von einem starken Arm geführt wird.
    2. Mit jemand eine Meile gehen (und eine Satire schreiben)
    3. Flucht – den MIGGER Duisburg machen.

    Aller fünf Jahre verliert Duisburg knapp 100.000 Einwohner durch Fortzug. Die Eingeborenen (sog. Ruhri als Einheimische durch Geburtsort Duisburg) sind etwa 45 %.

    Duisburg. Die Satire von Dr. Werner Juga folgte dem Prinzip „Abriss vom Netzende!“ Das passt zu Duisburg. Bumms – NEINZEICHEN Trotzdem Dank für einen Reibungspunkt mit dem P-R-O-L-L-Pott-Regiem.

    P.S. Das Vorstadiums eines MIGGERs ist der Prämigrant. (Zumindest neologistisch soll es Fortschritt in Duisburg geben.)
    Mit freundlichen Stadt Duisburg Deutschland Gruß: ‚Hafen Wasser Stahl‘ (Kulturdezernent Karl Janßen Duisburg zum Motto Hafen der Kulturhauptstadt RUHR.2010). Neo-Logistik Duisburg.

    P-R-O-L-L = Projektion Ruhrgebiet Ohne Langfristige Lösung

  3. Die unendliche Real-Satire Duisburg: Das Wunder von Hochfeld.
    … und die Nachhaltigkeit von http://xtranews.de seit Nov. 2011.

    Quäl mich, liebe Satire. Ich kauf mir den schwarzen medialen Nappa-Leder-Dress. http://xtranews.de schwingt die Geißel – jenseits einer neuen Reziprozität in den Medien durch Mediation wie z.B. PLiB-Eintext.

    Das Wunder von Hochfeld. http://fallback2.xtranews.de/2011/11/29/das-wunder-von-hochfeld/ (eine Erinnerung: Hilferuf. Ein weiterer Stadtteil von Duisburg kackt ab!)

    • Thoams Rodenbücher, Innovation braucht Kooperation. Das müssen wir bei allen unseren unterschiedlichen (politischen) Teilabschnitten des Wahrnehmungshorizontes für Duisburg lernen.
      Nun – das vermag dieses, unseres P-R-O-L-L-Pott-Regiem als eigensüchtiges Madenwerk von Systemfuttzies nicht zu leisten.

      Thomas Rodenbücher, http://xtranews.de. Wie geht Innovation durch themenorientierte Kooperation in Duisburg.

      Tommy, hau den Pfock rein! Statt Stadt-Blogging gibt es Stadt-Pflocking. Wir besetzen die Zukunft! Zukunft durch Zusammenarbeit.

      Kick die Satire. Mach´s ohne, aber mit Mut.

  4. Duisburg. Wie soll ich Dir begegnen?
    So – am besten?
    Duisburg ist Vielfalt – diversity.
    Duisburg. Das ist Zukunft.
    http://xtranews.de ist innovativ für neue mediale Konzepte – tr klopft auf Holz und lässt die Woods Duisburg raus.
    Duisburg. Gib mir Wirklichkeit! Das ist ein Schmäh auf den sogenannten i-NGO von Duisburg.