Kreise: Nominierung Adolf Sauerlands zum BP-Kandidaten „so gut wie sicher“

EILMELDUNG: Vorentscheidung für die Nominierung des CDU-Kandidaten zum neuen Bundespräsidenten (BP) angeblich schon gefallen

Kreise: Nominierung Adolf Sauerlands zum BP-Kandidaten „so gut wie sicher“

Berlin / Duisburg (Jurga, mit Material von apf, pda, Teurers, …). Mittwoch, 4. Januar 2012. Während sich am Dienstag bis zum Abend noch, begünstigt durch das Schweigen des Bundespräsidialamtes und des Bundeskanzleramts, ebenso wilde wie wüste Spekulationen um die Wulff-Nachfolge im Amt des Bundespräsidenten (BP) rankten, sickerte am späten Dienstagabend aus für gewöhnlich gut informierten Kreisen durch, dass die Koalitionsparteien offenbar dabei sind, sich auf einen Namen zu verständigen. Die Gerüchte fokussieren sich deutlich auf Adolf Sauerland, den inzwischen bundesweit bekannten Oberbürgermeister der Rhein-Ruhr-Metropole Duisburg.

Offiziell ist freilich weder aus dem Bundeskanzleramt (BK) noch aus dem Schloss Bellevue, dem Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten (BP), irgendetwas zum Thema Wulff-Nachfolge in Erfahrung zu bringen. Behördensprecher gehen sogar so weit, den Eindruck erwecken zu wollen, dass die Demission des jetzigen BP nicht einmal feststehe. Hinter vorgehaltener Hand wurden den ganzen Dienstag nichtsdestotrotz alle möglichen Namen gehandelt. von der Leyen, de Maiziere, Schäuble – die kuriosesten Kandidaten und absurdesten Vorschläge wurden mit dem Brustton der Überzeugung und der dringenden Bitte, nicht als Informant genannt zu werden, auf dem Basar des offiziellen Berlin gehandelt. Damit zeichnete sich nach Einschätzung von Beobachtern immerhin schon im Laufe des Tages ab, dass auch der neue BP ein Mitglied der CDU sein dürfte.

Am frühen Abend soll dann, so ein Insider, die Kanzlerin selbst in verschiedenen kleinen Gesprächsgruppen darauf bestanden haben, dass der Wulff-Nachfolger ein CDU-Mann sein müsse, wobei ihr das Parteibuch wichtiger als das Geschlechtsteil gewesen sein soll. Bestätigungen für diese Information liegen leider zur Stunde ebenso wenig vor, wie Einzelheiten darüber, wo und wenn welche Gesprächsgruppe beraten hat. Hinweise darauf, dass es Gespräche gegeben hat, liegen allerdings dieser Redaktion vor. Schon in einem relativ frühen Stadium der Verhandlungen – einige Teilnehmer deuten 22 Uhr an, was andere nicht bestätigen wollen – soll sich abgezeichnet haben, dass der CDU-Landesverband NRW mit Macht entschlossen sei, einen Kandidaten aus seinen Reihen durchzusetzen.

Collage: Gilda Krauser, auf Basis einer Titanic-Grafik

Hier könnte es zu einem Zusammenspiel zwischen dem CDU-
Generalsekretär Gröhe und ChefBK Pofalla gekommen sein, die beide erfahrungsgemäß den Niederrhein kompromisslos vertreten. Möglicherweise zunächst mit Unterstützung der Abteilung Ruhr, repräsentiert durch Bundestagspräsident Lammert und NRW-Oppositionsführer Laumann, der als erster den Namen Sauerland in die Runde geworfen haben soll. Für diese Vermutung liegt jedoch bislang ebenso wenig eine Bestätigung vor wie für diese, dass Pofalla an Laumanns „Scheiß-Fresse“ Anstoß genommen haben könnte, weil der „sowieso immer nur Scheiße erzählt“ – nämlich dass der neue BP unbedingt im Ruhrgebiet verankert sein müsse. Ob nun Gerücht oder Tatsache, jedenfalls scheint es der Kanzlerin in dieser schier ausweglosen Situation (gegen Mitternacht?) gelungen zu sein, als Kompromiss zwischen der Rheinschiene und der Ruhrfraktion die Stadt Duisburg ins Gespräch zu bringen.

Teilnehmer berichten, die CDU-Vorsitzende habe die kleine Verstimmung zwischen ihrem ChefBK und dem Ruhr-„Arbeitnehmer“ zum Anlass genommen, sich mit Pofalla und Laumann in einer Dreier-Klausur zurückzuziehen. Der Pofalla ticke nun einmal leicht aus, wenn es eng werde, lachte ein Minister, der selbstverständlich nicht genannt werden will. Über den Verlauf dieses Dreiergesprächs ist nichts bekannt; Laumann scheint es aber gelungen zu sein, Pofallas Foul in einen klaren Vorteil für sich ummünzen zu können. Merkel habe jedenfalls, wie kolportiert wird, nach dieser Runde mit der analytischen Schärfe der Physikerin messerscharf analysiert, warum die letzten beiden Präsidentschaften so jämmerlich in die Hose gegangen sind. „Weil die da beide keine Eier drin haben“, soll die Naturwissenschaftlerin angeblich gescherzt haben.

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Auch diese kleine Anekdote aus der letzten Nacht ist bislang leider noch unbestätigt; fest steht aber, dass sowohl Köhler als auch Wulff offensichtlich nicht in der Lage waren, Druck in erheblichem Maße Stand zu halten. Da der Rhein-Ruhr-Konflikt mit der vermeintlichen Vorentscheidung für einen Duisburger vollständig entschärft war, soll Merkel, die Technikerin der Macht, ihre Ausführungen auf die Vorzüge des mitunter umstrittenen Duisburger Bürgermeisters konzentriert haben. Sauerland habe – im Gegensatz zu seinen zukünftigen Amtsvorgängern – in eindrucksvoller Weise bewiesen, stehen zu können, auch wenn mal ein laues Lüftchen von vorn blase, erläuterte angeblich die spürbar aufgekratzte Kanzlerin. Selbst wenn es dicke komme, wackele Sauerland nicht, soll Merkel gelobt haben.

Es sei zu spüren gewesen, mutmaßt einer der Insider, dass Merkel sich über Wulffs Verhalten der Presse gegenüber noch nicht völlig habe beruhigen können. Erstens sei bei Sauerland von Vorteil, dass kaum noch etwas herauskommen könne – bei all dem, was schon jetzt auf dem Tisch liege. „Ein Restrisiko bleibt natürlich immer“, frotzelte der Gesprächspartner. Aber dann, zweitens: der Umgang mit den Medien! Das sei doch gar kein Vergleich, schwärmt der Merkel-Gefolgsmann. „Ich war nicht gradlinig.“ Ja, da habe der Wulff aber den Nagel auf den Kopf getroffen! Sauerland dagegen – immer geradeaus. Die Pressefreiheit, ein hohes Gut – der Informant kann nur mit dem Kopf schütteln. So einen Sch… bringe der Sauerland einfach nicht. Presse einschüchtern, so etwas mache der Sauerland nun einmal nicht.

„Der Sauerland, der geht hin und sagt: `Scheiß Presse!´ und dann ist auch gut.“ So einen brauchen wir jetzt im Schloss Bellevue. Oder, wenn da irgendwelche Tünnesköppe blöde Zahlen vom Arbeitsmarkt rausknallen, dann würde der Sauerland sagen: „Die sollen aufhören, so eine Scheiße zu machen!“ Dieser volkstümliche Ton käme im Grunde beim Volk sehr gut an. Das Volk könne ohnehin die ganzen Einzelheiten eines Politikerlebens mit allem Drum und Dran nicht so genau beurteilen und fühle sich von diesem ganzen Zahlengedöns schnell abgestoßen. Auf so etwas gehe man am besten erst gar nicht ein, meint der Polit-Profi. Auch hier wieder der Duisburger OB. „Alles Quatsch“, sagt der, und schon ist Ruhe im Karton.

Das Volk wolle nämlich weder so einen Zahlenklauberer wie den Köhler und schon gar nicht so einen „Milchbubi“ (Titanic) wie den Wulff. Gerade in der Krise brauche dieses Land ein Vorbild. Führung. Einen väterlichen Freund. Und wenn am Papa rumgemosert wird, dann grinst man eben nicht dösig in die Kamera, sondern dann haut man auf den Tisch und sagt „Alles Quatsch“ oder sowas. Klar, dass man da auch mal eine mehrjährige Hexenjagd durchstehen können müsse. Wie solle man denn das Vaterland schützen, wenn man nicht einmal auf sich selbst aufpassen könne, fragt der Politprofi rhetorisch. Nein, nein, die Nummer Eins müsse klare Kante zeigen, sagt er. Alles andere schade dem Amt.

Das einzige Problem, was noch bestehe, bestünde in Sauerlands Abneigung, rechtsverbindliche Dokumente, demnächst gar Gesetze zu unterzeichnen. Sauerlands Linie „ich unterschreibe nichts, ich habe nichts unterschrieben“ sei zwar im Prinzip nicht dumm, ließe sich aber aus verfassungsrechtlichen Gründen im Amt des Bundespräsidenten (BP) auf Dauer nicht durchhalten. „Darüber reden wir aber mit dem Adolf noch“, wird einer der Teilnehmer zitiert. Mit den Duisburger Verhältnissen vertrautere politische Beobachter sehen in diesem Punkt etwas hartnäckigere Schwierigkeiten auf die CDU-Strategie zur BP-Wahl zukommen.

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5 thoughts on “Kreise: Nominierung Adolf Sauerlands zum BP-Kandidaten „so gut wie sicher“

  1. Da geht Ihre Fantasie heftig mit Ihnen durch. Weder originell noch komisch, sondern einfach billig. Was soll der Quatsch?
    Genauso gut könnten Sie zum Besten geben, Daniela Katzenberger wäre eine heiße Kandidatin für das Familienministerium.

    • Nein, nicht Journalismus am Abgrund, sondern einfach ein Mittel, um nicht an Wut und Ohnmacht zu ersticken über die Vorgänge, gegen die wir Bürger uns nicht wehren können.

      • Hoffnung. Unsere Kultur heute ist reif für ein Neinzeichen als Satzzeichen in der Schrift.

        Vision. Ich freu mich auf den Moment in fünf Jahren, wenn das Neinzeichen einen ascii-Code erhält.

        Chance. Das Neinzeichen ist ein Sinnbild zweier Opponenten, die anfangs auf von einander abweichenden Wegen sind und sich dann auf einer Linie treffen.

        Zukunft. Google oder Bing zählen die Fundstellen bei einer Suchanfrage zu einem Thema, wo gegen die Erwartungen ungünstiger Entwicklungen ein Neinzeichen gesetzt wurde.

        Demokratie durch Satzzeichen. http://negationmark.wordpress.com

        Jetzt ist Schluss: Wir werden die Geschichte hierarchischer institutioneller und vergreister Kulturstrukturen überwinden.

        Das war schon immer so. Martin Luther kämpfte mit dem Buchdruck gegen den Ablass und verbreitete Flugzettel. Der Papst musste öffentlich reagieren. Die Reformation wurde nicht durch das Annageln von Thesen an Kirchentüren ausgelöst.

        Bandelier, hab Mut und Hoffnung. Lass uns ein erstes Neinzeichen setzen. Daraus werden einst ganz viele, so meine Zuversicht.

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