Die Gerüchteküche brodelt immer heftiger … Kommt ein weiterer Kohlekraftwerksblock nach Duisburg Walsum?

Seit Beginn der Genehmigungsphase rund um das umstrittene Steinkohlekraftwerk Walsum 10 rankten sich immer wieder neue Gerüchte um den Kraftwerksstandort, die besagten, dass dort ein großer Kraftwerkspark seitens des Esseners Steag- Konzerns entstehen könnte. Ein Gastkommentar von Ralf Welters,

Wie die Neue Ruhr Zeitung schon am 30.03.2006 in ihrer damaligen Ausgabe berichtete, waren schon Planungen des Steag-Konzerns für weitere Kraftwerksneubauten im Ruhrgebiet, neben den bereits angekündigten Projekten in Duisburg-Walsum und Herne erkennbar. Nur der Ort eines weiteren Kraftwerksneubaus mit einem Investitionsvolumen von 800 Mio Euro war nach Ansicht der Zeitung noch nicht bekannt.

Es verdichten sich heute nun die Hinweise, dass der Standort Walsum durchaus geeignet erscheint. Der Platz auf dem stillgelegten Zechengeländes scheint dafür ideal zu sein. Die Infrastruktur für einen weiteren Kraftwerksblock ist geradezu gegeben.

Es gibt Indizien, die durchaus dafür sprechen, dass dieser Standort favorisiert wird. Nehmen wir das Beispiel des geplanten neuen Kohlehafens zwischen den Kraftwerksstandorten Voerde und Duisburg-Walsum.

Dieser Kohlehafen wird nach Angaben des Betreibers die Standorte der Steag-Kohlekraftwerke mit der Belieferung von Importkohle aus Übersee zur Befeuerung der Anlagen sichern.

Nach Ansicht vieler Fachleuchte dient dieser Kohlehafen mit angeschlossenem Kohlelager daher nicht ausschließlich der Versorgungssicherheit des Kraftwerkstandortes Voerde, sondern darüber hinaus soll er auch zukünftige, noch in Planung befindliche Kraftwerke versorgen.

Ein weiteres Indiz für einen neuen Kraftwerksblock auf einem Gelände, wie das des alten Bergwerks Walsum, ist ein von der Elektrizitätswirtschaft in Auftrag gegebenes Gutachten vom 03.12.2006 der Technischen Universität Dresden.

Dort werden für Investoren verschiedene Kraftwerksstandorte unter die Lupe genommen. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass das Ruhrgebiet den höchsten Kapitalwert bei der Investition ins Kraftwerksgeschäft besitzt, da vor allen

– an Netzanschlusskosten gespart werden kann
– gute Netzanbindung gegeben sind
– geringe umweltrechtliche Hürden in der Genehmigungsphase zu erwarten sind
– in dieser Region die Alternativen inländischer Bergbau und Importkohle relativ äquivalent sind
– der Import von Steinkohle unterstützend zur inländischen Förderung wirkt
– Steinkohleimport über die Rheinschiene möglich ist.

Ein wichtiges Indiz für ein Kraftwerksvorhaben, wie das in Walsum, ist aber der Netzanschluss seitens des Steag-Konzerns.

Ein offensichtliches Netzanschlussbegehren für den Standort Walsum bei der Bundesnetzagentur für weitere Netzanschlusspunkte zeigt, dass an diesem Standort größere Mengen an Stromproduktion geplant ist.

Die Planung und der Bau weiterer Hochspannungsfreileitungen durch die RWE-Tochter Amprion (ehemals RWE Transportnetz Strom GmBH) zeigt dieses genau auf. Es wurden bereits im August 2007 weitere 380-kV-Masten auf dem Betriebsgelände der Steag in Duisburg-Walsum bei der Bezirksregierung Düsseldorf beantragt, die nun größere Strommengen transportieren können.

Hinzu kommt, dass die RWE- Tochter Amprion an einer Machbarkeitsstudie über eine Hochenergie-Trasse vom Rheinland in Richtung Baden-Würtenberg arbeitet, die erstmals in Deutschland Hochspannungs-Gleichstrom ohne zusätzlich große Verluste über weite Strecken befördern kann.
Das der produzierte Strom in Duisburg-Walsum vertraglich neben Österreich auch nach Baden-Württenberg gehen soll, schließt sich hier der Kreis.

Meiner Ansicht nach „ist der Tisch seitens Steag für einen weiteren Kraftwerksblock gedeckt worden“. Nun ist eine solche Planung mit äußerte Sensibilität zu machen, da die geringe Akzeptanz von Kraftwerksneubauten bei der Bevölkerung und bei den Umwelt- und Naturschutzorganisationen auf Widerstand stößt und somit auch zu Investitionsverzögerungen und -verlusten führen kann.
Da bleibt nur noch der Ausweg einer Kraftwerkserweiterung auf ein bereits bestehendes Kraftwerksareal. Man schaltet einen bereits ausgedienten Kraftwerksblock ab und baut dafür einen neuen Block. Die baugesetzlichen Bestimmungen spielen für den Investor und Betreiber in die Karten, denn ein § 34 Baugesetzbuch, der u.a. den Bau von Fertiggaragen regelt, greift auch bei einem Milliardenprojekt, wie das eines neuen Kraftwerkblockes.
In Walsum hieße dies, dass der 1988 fertig gestellte Kraftwerksblock 9 seinen Dienst quittieren müsste, damit ein neuer, größerer Kraftwerksblock 11 gebaut werden könnte.

Die Zeichen dafür sind gegeben. Warten wir es einmal ab.

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