Kuhls Kolumne: DA BRICHT ZUSAMMEN WAS NOCH LAUTHALS RÖHRT

ob-kuhl-0206Da wächst zusammen, was zusammengehört.“ sagte Willy Brandt anlässlich des Anschlusses von Neufünfland. Dem einzigen Bundeskanzler, der nicht täglich seinen Amtseid gebrochen hat, der Glaubwürdigkeitsikone, dem Emigranten und Widerstandskämpfer gegen Hitler, dem Ex-Berliner OB, dem glaubt man, dass er das so fühlt. Montag war wieder mal „Tag der deutschen Einheit“, mit dem eine „Wiedervereinigung“ zelebriert wurde, die nicht „wieder“ sein kann (Eine Bundesrepublik Deutschland in diesen Grenzen, mit dieser Verfassung hat es zuvor niemals gegeben.), und die Tatsache, dass die Ossis als Konsumenten und damals mehrheitliche CDU-Wähler heim ins Reich geholt wurden, um dann zu erleben, wie grauenhaft „blühende Landschaften“ sein können, als „Vereinigung“ zu bezeichnen, das ist auf dem Verarschungsniveau der Vereinigung von Schaf und Wolf. Tatsächlich hatte Kohl die Option auf die Reichsvergrößerung auch als Chance zum weiter forcierten Demokratieabbau verstanden.

„Wir sind das Volk“ hatten die demonstrierenden Massen in der DDR noch geglaubt. Und die versprengten Hartz4-Selbstermutigungs-Ansammlungen, die sich „Montagsdemo“ nennen, glauben das noch heute. Man reklamiert seine Rechte – und niemand hört.

Sechs Prozent der Deutschen, davon nur ein Prozent der Ostdeutschen glauben, durch Wahlen starken Einfluss auf die Politik nehmen zu können. Die größte und einzige dauerhaft wachsende Partei, die der Nichtwähler, stellt die absolute Mehrheit.

Die Rheinische Post hat Abgeordnete aller politischen Ebenen befragt und 80 Prozent gaben an, kaum Einfluss auf Entscheidungen zu haben. Ganz im Gegensatz zu Heerscharen von Lobbyisten, die in Reichstagsnähe jede Mauerspalte besetzt halten. Und wenn das Merkel ne Kanzlermehrheit für Bankensubventionen im Namen der Euro-Rettung braucht, dann merken Abgeordnete, was Telefonterror ist – oder werden einbestellt. Als der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses Bosbach(CDU) sich traute, zu widersprechen, wurde er asozialst von Kanzleramtschef Pofalla(CDU) angerotzt. Und ob Widerspenstige noch mal auf die Landesliste kommen – wer weiß? Laut Grundgesetz sind Abgeordnete ausschließlich ihrem Gewissen verantwortlich – tatsächlich regiert der Fraktionszwang. Obwohl die Parteien (Art.21, GG) bei der politischen Willensbildung des Volkes nur mitwirken – sie haben sich das Ganze unter den Nagel gerissen.

„Politik wird auf dem Sofa gemacht.“, so der frühere Innenminister Höcherl. Abseits der Verfassung wird in kleinen Kungelrunden Politik gemacht und Konzerne sitzen in Ministerien, um dort Gesetze zu schreiben. Wenn es um Bankengesetze geht, sitzt Ackermann mit am Tisch. Wenn Schröder die Hartzgesetze frei nach McKinsey durchsetzen will, dann kungelt er das vorher mit CDUFDPGrünen aus, nicht jedoch mit seiner SPD. Die stellt er im Bundestag vor vollendete Tatsachen, worauf dann eine Viertelmillion Mitglieder ausgetreten ist – die Restegruppe hält sich immer noch für sozialdemokratisch. „machtversessen und machtvergessen“ nannte Bundespräsident Richard von Weizäcker seine Kaste.

WIE IN DUISBURG SO AUF ERDEN

Hier ist es bekanntlich noch schlimmer. Und aus dieser Hölle müssen wir raus. „Re-education to democracy“ nannten die Amerikaner den politischen Wiederaufbau nach dem Krieg. Wir sollten mal die Verfassung lesen. Uns mal Gedanken über direkte Demokratie und Bürgerentscheide machen. Den Parteien in den Arsch treten, auf dass sie ihre Organisationen von der Basis her aufrütteln. Holen wir uns die freie Republik. Duisburg den Duisburgern. Das Land den Menschen, die hier leben.

Venceremos!

6 thoughts on “Kuhls Kolumne: DA BRICHT ZUSAMMEN WAS NOCH LAUTHALS RÖHRT

  1. Bürgernähe soll in Duisburg messbar werden.

    Mit dem selbstaufgesteckten Heiligenschein in der Duisburger Politik ist jetzt Schluss. Ein mathematisches Verfahren kann die Übereinstimmung von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft messen: Konkordant-Analyse.

    Ein Beispiel sind die Antworten in einer Einwohnerfragestunde der Bezirksvertretung Homberg Ruhrort Baerl.

    http://negationmark.wordpress.com/2011/10/08/243/

    Angst wegen Kiesabgrabung Homberg Benchmark für Bürgernähe

    • Wer oder was ist eigentlich Proll im Ruhrgebiet?

      Derzeit leben etwa 45% „Eingeborene“ in Duisburg. Der Rest der Einwohner von Duisburg ist zugewandert – mit interregionaler oder -nationaler Herkunft. Wird man also durch Zuwanderung wie von selbst zum Proll, so wie die Nation auf uns blickt?

      NEIN, das Bild des Prolls hat eine Tradition. Wenn wir Rankings der Stadt Duisburg im bundesweiten Vergleich anschauen, dann sind es wohl nicht die Zugezogenen, sondern eher die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik, die dieses Bild von Duisburg und der Region prägen. Auch weiterhin: Aktuelle Beispiele gibt es zuhauf. (Nahezu 200.000 Fortzüge zählt Duisburg in zehn Jahren.)

      Hochheide ist ein Brennpunkt mit den Weißen Riesen. Der Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann musste bei einer Einwohnerfragestunde am 15.09.2011 in der Bezirksvertretung bekennen, dass sein Genosse Ratsherr Udo Vohl in den vergangenen Jahren keinen einzigen Antrag im Rat der Stadt Duisburg zur Rettung von Hochheide gestellt hat, der nach einer Lösung für den untergehenden Stadtteil mit den Weißen Riesen suchte.

      Der Wahlbezirk von Ratsherr Udo Vohl (SPD Duisburg) ist Hochheide. Vohl´s Geburtsort ist Duisburg, so die öffentliche „Bekanntmachung der Wahlvorschläge für die Wahl aus den Reservelisten zur Kommunalwahl 2009“. In der Wahlliste ist er „Kaufmännischer Angestellter“, im Ratsinformationssystem „Ausbilder“. http://www.duisburg.de/ratsinformationssystem/bi/kp0050.php?__kpenr=1814&grnr=0

      Wer oder was ist Ratsherr Udo Vohl (so echt) wirklich – aus nationaler oder lokaler Sicht?

  2. Sofa Politik Duisburg So, 20 Nov 2011 at 20:49:13 -

    > „machtversessen und machtvergessen“ nannte
    > Bundespräsident > Richard von Weizäcker seine Kaste.

    … übrigens. Richtig lautet das Zitat „machtversessen und pflichtvergessen!“

    Die Kiste und Kaste in Duisburg ist festgefahren. Duisburg steckt fest. Die Rote Null steht vorn, nichts geht voran! Das ist der Stillstand Duisburg.

    Sagt: nein-nein-nein. Ein Neinzeichen setzen ist nichts Stationäres. Sondern ist eher richtig mobil wie die Rote Couch vom Fotograf Horst Wackerbarth (die ist leider absolut unpolitisch).

    Das NEINZEICHEN wechselt seinen Standort von einem Brennpunkt zum anderen. Das NEINZEICHEN ist auch nicht nur rot. Und im Gegensatz zum Sofa-Transporteur und gesponsorten Alleingänger kann jedeR ein NEINZEICHEN in vielen Farben an vielen Stellen in Duisburg setzten.

    Dann hätte die WAZ und NRZ in Duisburg doch mal eine schönere Aufgabe, als über Bunker des Dritten Reichs in Duisburg zu berichten. Sind die noch ganz dicht? Die WAZ-Bunker-Serie: Voll echt Proll eingebunkert?

    „Ich war ein Standortfaktor.“, so die Meinung bei den Duisburger Stadt-Prämigranten. (Fortzug: knapp 20.000 verlassen Duisburg jedes Jahr)

    Und vielleicht kommt dann die Stimmung auf: Bevor ich den Fortzug mach, setz ich noch ein NEINZEICHEN.

    Und vielleicht gibt es dadurch wieder Zukunft für Duisburg; und schließlich bleib ich doch daheim.

    Die Zukunft von Duisburg ist meine Heimat! Aber nicht mehr als Typ „Hafen Wasser Stahl“. Dieses Motto für die Zukunft Duisburg hat der Kulturdezernent Karl Janssen ausgesucht. Das nenne ich P-R-O-L-L: Projektion Ruhrgebiet Ohne Langfristige Lösung. Das ist typisch wie Bunkermentalität eines Oliver Schmeer (WAZ Duisburg) und i-NGO Blazejewski (NRZ (Duisburg).

    Liebe Leute! Rettet Duisburg! Setzt NEINZEICHEN gegen die durchgesessene Rote Couch von Duisburg! http://negationmark.wordpress.com

    Viele sind bereits hoffnungslos verloren. Sie machen den MIGGER! – auch Fortzug oder eMigration von Duisburg genannt. Die Migranten gehen!