Netzneutralität: Wenn Kostenlos Teuer wird.

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Zunächst liest es sich wie eine gute Nachricht:

Die IT-Nachrichtenwebsite Golem veröffentlicht eine Meldung, nach der in zahlreichen Mobilfunknetzen Facebook nunmehr kostenlos erreichbar sein. Als auch, wenn z. B. das Guthaben einer PrePaid-Karte verbraucht ist.

0.facebook.com ist zum Start über 50 Mobilfunkanbieter in 45 Ländern und Gebieten ohne Datengebühren zu erreichen

Was sich beim  Nachdenken jedoch schnell offenbart ist der gewaltige Hasenfuß – denn damit ist vermutlich das Ende der Netzneutralität besiegelt.

Für die, denen nicht klar ist, was Netzneutralität ist, eine Ultrakurzzusamnenfassung: Netzneutralität bedeutet nichts anderes, als das alles Dienste (z. B. Websites) im Internet gleich gut oder schlecht zu erreichen sind und der Zugangsanbieter hier keine Selektion / Differentiation vornimmt. Darunter könnte man z. B. verstehen, dass der Serviceanbieter sagt, ein Dienst (z. B. Youtube) bekommt seine Daten schneller augeliefert als ein anderer Dienst (z. B. Vimeo), weil erster bereit ist Geld z u bezahlen.

In der Folge würde das Netz in eine 2-Klassen-Gesellschaft zerfallen: Alle die Inhalteanbieter, die selbst nicht bereit sind für ihre Dienste Gebühren an die Zugangsanbieter zu entrichten, wären langsamer im Netz unterwegs. Vielleicht auch gar nicht. Und die Kunden die z. B. nicht bereit wären ein höheres Entgelt für die Nutzung eines Dienstes zu bezahlen ebenso.

Im schlimmsten Fall käme es sogar zu einer Situation, in der Netzbetreiber und Zugangsanbieter unliebsame Konkurrenten sperren. Ein Beispiel hierfür ist die Sperrung von Skype – Internettelefonie im Mobilfunktnetz von D1-Telekom.

Während D1 also einen parallelen Dienst sperrt, gar nicht erreichbar schaltet, der das eigenen Geschäftsmodell bedroht, ist der Fall bei Facebook nun grundsätzlich anders gelagert:

Da Telekom-Unternehmen niemals altruistisch handeln, wird es eine entsprechende Kompensationsregelung geben. Sprich: es fließt Geld von Facebook an die Mobilfunkkonzerne. Dafür lassen diese dann den Aufruf der Facebook-Seite zu.

Damit zerfällt das Netz in ein „Kostenlos“ und ein „Kostenpflichtig“-Netz. Denn die „Kostenlos“-Dienste wie andere Websites sind ja eben nicht erreichbar. Und dabei spielt es keine Rolle ob Facebook ein direktes Nutzungsentgelt erhebt oder indirekt über Marketing / Kundendaten oder ähnliches verdient.

Dieser Weg, einmal konsequent beschritten, ist unumkehrbar.

Die Mobilfunkanbieter werden das System lieben, verschleiert es doch die nach wie vor viel zu hohen Kosten auf Seite der Kunden. Zahlungskräftige Inhalteanbieter werden das System auch lieben, denn so hat zum Beispiel Facebook gerade einen unschlagbaren Marktvorteil erlangt und kann sagen: Google+, Diaspora, Xing, VZ, das müsst Ihr Kunden alles bezahlen, nur bei uns ist es umsonst.

Die anderen Unternehmen, die es sich leisten können, werden folgen müssen. In der Folge werden die Netzbetreiber immer öfter die Hand auf halten und sagen: wenn Du für Deine Kunden erreichbar sein möchtest, dann bitte schön.

Die einzige Möglichkeit, das Ende der Netzneutralität zu verhindern sind supranationale Abkommen, die es Netzanbietern untersagen, Netzneutralität zu beseitigen. Die Chancen dafür stehen jedoch schlecht, vergegenwärtigt man sich, dass es gerade die Regierungen sind, denen der Wegfall der Netzneutralität erhebliche Vorteile beim „Kampf gegen das freie Internet“ bietet.

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